Obwohl ich jüdisch geboren wurde, war ich in Bibelstudien in Baptistischen und anderen evangelischen Kirchen über drei Jahre lang aktiv, und fuhr im Sommer in christliche Freizeitlager. Eine lange Zeit war ich aktiv bei den Juden für Jesus, verteilte Traktate (Flugblätter), besuchte "messianische" Einrichtungen und Bibel- Studienkurse. Ich fühlte mich wohler mit anderen Juden, die ebenfalls an Jesus, oder J’schua, wie wir ihn nannten, glaubten.
Ich wurde in einem konservativen jüdischen Haus erzogen, meine Eltern waren überlebende des Holocaust. Als Kind ging ich zur hebräischen Schule und befolgte die Feiertagstraditionen. Ich war immer stolz darauf, Jude zu sein, besonders nachdem ich Israel besucht hatte. Nach der Oberschule ging ich auf eine große Universität in Südkalifornien und studierte Maschinenbau. Während meinen Jahren an der Universität kam ich mit einer Anzahl von “wiedergeborenen Christen” in Kontakt. Meine Bekanntschaft und darauf folgenden Studien mit ihnen führten dazu, daß ich ein “wiedergeborener Christ” wurde.
Ich bin in Tel Aviv, Israel, geboren und aufgewachsen, und hatte die bestmögliche Ausbildung. Ich spreche fließend Englisch und Hebräisch, und kenne das jüdische und israelische Leben, genauso wie die biblischen Geschichten. Als ich mit 20 Jahren nach Amerika kam, freundeten sich viele Christen mit mir an und sprachen mit mir über Jesus. Ich studierte regelmäßig die Bibel mit ihnen, und wurde eines Tages zu einem “wiedergeborenen Christen.” Ich trat in eine “messianische Synagoge” ein und betrachtete mich über 5 Jahre lang als einen besseren Juden als vorher, ich war jetzt ein “messianischer Jude”.
Missionare verwenden oft das 53. Kapites des Buches Jesaja, um zu belegen, dass Jesus von den Propheten angekündigt wurde. Jesaja 53 ist für Missionare so wichtig, dass die Juden für Jesus, sogar T-Shirts mit einem entsprechenden Aufdruck drucken liessen und Traktate in verschiedensten Formen erstellen, die sich mit diesem Kapitel beschäftigen. Wie für alle Bibelstellen und Prophezeihungen, die von den Missionaren verwendet werden, so gibt es auch für dieses Kapitel eine einleuchtende jüdische Erklärung.
"Der „Missionsbefehl“ bzw. „Taufbefehl“ (Mt 28,19) rechtfertigt keine Mission von Nichtjuden an Juden, sondern er fordert die Apostel auf, sich (als Juden, die sie sind) den nichtjüdischen Völkern ‚missionierend’ zuzuwenden, um sie in die Nachfolge zu rufen, sie zu taufen und die Gebote Jesu zu lehren. Unter „allen Völkern“ sind die nichtjüdischen Völker zu verstehen. Es geht also um die Begründung der jüdischen „Heidenmission“ durch Jesus.
Im Neuen Testament gibt es keinen Beleg für eine heidenchristliche Mission an Juden. „Kommt das Neue Testament auf die Welt der Völker zu sprechen, so sind die Völker in der Regel Gegenbegriff (Relationsbegriff) zu Israel. Die Völkerwelt wird von Israel her anvisiert“ (Georg Eichholz, Begriff „Volk“ im Neuen Testament, in: ders., Tradition und Interpretation, München 1965, 79).
Der Ratsvorsitzende Manfred Kock hat dies vor der EKD-Synode 1999 deutlich gemacht: „Israel ist der erste Zeuge Gottes vor der Welt und seiner Bestimmung nach ‚Licht der Völker’ (Jes 42,6; 49,6). Die Kirche hat ihre Sendung (Mission) an die Völker in Teilnahme und Teilhabe an dem Zeugendienst Israels vor der Welt zu verstehen. Israel und die Kirche sind gemeinsame Zeugen Gottes vor der Welt. Die Beauftragung der Kirche zur Mission richtet sich nicht an Israel, sondern nach Mt 28 an die ‚Völker’. Damit ist nicht Israel gemeint, damit ist Israel auch nicht mitgemeint. Deshalb ist die Sendung der 12 Jünger an Israel (Mt 10,4 f.) von der Mission an die Völker (Mt 28,16 -20) zu unterscheiden. In der Sendung Jesu an Israel geht es um die Umkehr im Bund, die Umkehr im Vaterhaus. Davon ist zu unterscheiden die den Jüngern seit der Auferweckung des Gekreuzigten aufgetragene Mission an alle Völker. Judenmission würde fälschlich voraussetzen, Israel sei von Gott verworfen, auf die Stufe der ‚Völker’ zurückgefallen“ (Unsere Zeit in Gottes Händen. Bericht des Rates der EKD, 1999)."
Evangelischer Kirchenverband Köln und Region,Die "Absage an Begriff und Sache christlicher Judenmission"
Der griechische Satiriker Lukian (Lucian) von Samosata (120-ca.180 n. Chr.) schrieb um das Jahr 170 De morte Peregrini, 11 "Übrigens verehrten diese Leute den bekannten Magus, der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien in die Welt eingeführt hatte... Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden, und in alle Ewigkeit leben würden: daher kommt es dann, dass sie den Tod verachten und viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, dass sie untereinander alle Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen, und ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen, und nach seinen Gesetzen zu leben."