Die ersten Träger kabbalistischer Tradition stammten aus dem rabbinischen Judentum, insbesondere aus dem Schülerkreis des Rabbi Jochanan ben Sakkai und des Rabbi Akiba ben Josef, die beide in Judäa
im 1. Jahrhundert n.Chr. wirkten. Die beherrschenden Themen dieser
nicht schriftlich fixierten Tradition waren Spekulationen über die
biblische Schöpfungserzählung und die Visionen des Propheten Ezechiel vom göttlichen Thronwagen. Danach wird diese Strömung auch als Merkaba-Mystik bezeichnet (Merkaba = hebr. „der Wagen").
Athanasius Kircher
prägte den Begriff "christliche Kabbala". Die Frage, ob es eine
eigentliche christliche Kabbala im Sinn einer originären
kabbalistischen Mystik mit christlichen Elementen jemals gegeben habe,
kann nicht mit letzter Gewissheit beantwortet werden. Kreative
kabbalistische Denker vom Zuschnitt eines Isaak Luria, der mit seiner
Vision eines Adam Kadmon einen ganz eigenen vitalen
gnostisch-kabbalistischen Schöpfungsmythos schuf, fehlen der
christlichen Kabbala.