Jesaja 53 wurde vor Raschi auf den Messias ausgelegt

Christliche Missionare behaupten, dass die Juden traditionell Jesaja 53 auf den Messias gedeutet haben und erst mit Auftreten Rashis im 11. Jahrhundert davon abgerückt sind, um Juden vor Konversion abzuhalten. Sie behaupten, dass erst Raschi eine Umdeutung vom Messias, zum Volk Israel vorgenommen hatte, die so aber nicht der jüdischen Tradition entspricht.

Leider handelt es sich bei dieser messianischen Behauptung um eine Unwahrheit.Zum einen: der Zohar zu 2.Mose und Midrash Rabbah zu 4.Mose sind beides sehr alte rabbinische Werke, die Jesaja 53 mit Israel in Verbindung bringen. Zum anderen, und weitaus bedeutenderen als diesem, zitiert eine der ältesten Referenzen zu diesem Kapitel aus einer christlichen Quelle (in Contra Celsum), welche aus dem späten 2. Jahrhundert stammt, das alte jüdische Verständnis, dass sich dies auf das jüdische Volk und seine Leiden bezieht:

"Ich erinnere mich, dass ich einmal in einer Diskussion mit solchen, die die Juden als Gelehrte betrachteten, diese Prophezeihungen (Jesaja 53) erwähnte. Dabei sagten die Juden, dass sich diese Prophezeihungen auf das ganze jüdische Volk bezogen, und nicht auf ein einzelnes Individuum..."

Sogar Quellen des 2. Jahrhundert wussten, dass die Juden Jes. 53 als Bezug auf Israel verstehen. Darüberhinaus kann sogar aufgezeigt werden, dass sie selbst zu Zeiten von J. niemals mit dem Messias in Verbindung gebracht wurden. Woher ich das weiß? Seht euch doch Matthäus 16:16-20 an. Dort sehen wir, dass aus der Sicht des NT Petrus vollkommen richtig erkannt hatte, dass J. der Messias sei, und darauf hingewiesen wurde, dies nicht zu offenbaren. Aber lasst uns nun Matthäus 16:21-22 betrachten (direkt im Anschluss an jene Verse):

"Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen müsse und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse. (22) Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln, indem er sagte: G-tt behüte dich, Herr! Dies wird dir nicht widerfahren.

Wenn es wahr gewesen wäre, dass die Juden wussten, dass Jesaja 53 sich auf den Messias beziehe, so sollte Petrus doch gesagt haben: Aber ja, Herr, das verstehen wir; das ist das, was in Jesaja 53 geschrieben steht: Der Messias muss leiden und sterben. Aber wie deutet Petrus die Situation und wie antwortet err? Er tadelt Jesus und antwortet ihm aus jüdischer Tradition heraus: Nirgendwo steht, dass der Messias sterben soll.

Petrus konnte sich nicht vorstellen, dass der Messias sterben sollte und auch die Juden wussten es nie - weil die entsprechende Stelle nie den Messias meinte. Selbst zu Zeiten Jesu hat ihn niemand mit dem leidenden G-ttesknecht aus Jesaja 53 in Verbindung gebracht.


Dieser Text basiert auf den Werken von:
Rabbiner Moshe Shulman
1362 46th Street - Brooklyn, New York USA, 11219
 
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Es ist nicht vertretbar "Juden mit den außerhalb des biblischen Gottesglaubens stehenden Menschen und Völkern gleich zu stellen, noch den ihnen fehlenden Glauben an Jesus zum entscheidenden Kriterium für ihre Zugehörigkeit zu Gott und zum Bereich seines Heils zu erklären“

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„Unbestritten bleibt für Paulus bei alledem, dass Israel auch weiterhin in besonderer Weise mit Gott verbunden ist, obwohl es sich in seiner Mehrheit der Botschaft von Jesus als seinem Messias und Herrn verschloss: Es ist aufgrund der ihm von Gott verliehenen Heilsgaben (Röm 9,4f) bleibend erwählt und damit Gottes Volk (Röm 11,2). Die weltweite Völkermission ist der endzeitlichen Sammlung Israels zugeordnet als deren Vorbedingung. Weder ist Israel vom Heil getrennt, noch ist es eingeebnet in die Völkerwelt – als ein Volk unter anderen. Grundsätzlich bleibt der Auftrag zur Sammlung Israels als des Gottesvolkes des Anfangs bestehen (Gal 2,7); aber er ist hinsichtlich seiner Durchführung geschieden vom Auftrag zur weltweiten Völkermission.“

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