Judenmission zum Thema machen

Bereits 2001 berichteten amerikanische Medien über jüdische Organisationen, die sich dem Widerstand gegen die Missionierung von Juden gewidmet haben. Damals war die New Yorker „Derech Emet“ eine Art modernen Vorreiter. Erst einige Jahre später entdeckte auch HaGalil, das vermutlich größte deutschsprachige Webmagazin das Thema Judenmission und die so genannte „Messianische Bewegung“. Wobei die Messias-Idee dem Judentum natürlich nicht neu ist und bei Gruppen wie „Beit Sar Schalom“ oder den „Juden für Jesus“ missbräuchlich verwendet und mit jüdischer Symbolik angereichert wird.

Doch auch noch so gute Web-Magazine nützen nichts, wenn nicht direkt mit Menschen gearbeitet wird. So entstand 2005 die Idee für die Webseite SOLUTIX. Das Besondere, dort wurde nicht mehr aus der Vogelperspektive, sondern direkt aus den Gemeinden berichtet. Artikel und Aufsätze fanden ihren Weg in einige liberale jüdische Gemeinden, so etwa in die Monatsschrift „DELET“ oder in die Hände von Aktivisten aus der liberalen Gemeinde Saale/Haale.

Da das Projekt mehrsprachig ist, sind bereits unzählige Links auf das Angebot aus den verschiedensten Ländern gesetzt worden und von antimissionarischen Aktivisten für Diskussionsrunden verwendet worden. Daneben wurden zahlreiche Stellungnahmen zu kritischen Themen verfasst und in Schriftform an zum Christentum Übergetretene verteilt. Die Resonanz war überwältigend und die Zeitschrift DELET widmet sich auch nach über 3 Jahren monatlich dem Thema.

Trotzdem scheint für die jüdischen Einheitsgemeinden kein Problem mit den missionarischen Aktivitäten zu bestehen. Zwar hat sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland negativ über „Juden für Jesus“ geäußert, doch eine darüber hinaus gehende Reaktion scheint es nicht gegeben zu haben. Zumindest ist das Thema in vielen Gemeinden nicht präsent und wird stillschweigend ignoriert. Eine im übertragenen Sinne tödliche Toleranz, den messianische Juden sind halachisch keine Juden mehr. So schrumpft die Zahl der Juden in Deutschland und die Synagogen bleiben leer. Ein Zersetzungsprozess, der das Pflänzchen "Judentum in Deutschland" zu erticken droht.

Was in Europa nicht eingesehen wird, das wurde selbst in Israel erkannt, einem Land mit einer starken jüdischen Infrastruktur. Im Jahre 2008 wurde in Jerusalem eine Filiale der sehr erfolgreichen Initiative „Jews for Judaism“ eröffnet. Auch Chabad versprach sich damit auseinander setzen zu wollen, bisher kaum sichtbar.

Es bleibt also spannend und jeder sollte sich berufen fühlen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.
 
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"Der „Missionsbefehl“ bzw. „Taufbefehl“ (Mt 28,19) rechtfertigt keine Mission von Nichtjuden an Juden, sondern er fordert die Apostel auf, sich (als Juden, die sie sind) den nichtjüdischen Völkern ‚missionierend’ zuzuwenden, um sie in die Nachfolge zu rufen, sie zu taufen und die Gebote Jesu zu lehren. Unter „allen Völkern“ sind die nichtjüdischen Völker zu verstehen. Es geht also um die Begründung der jüdischen „Heidenmission“ durch Jesus.

Im Neuen Testament gibt es keinen Beleg für eine heidenchristliche Mission an Juden. „Kommt das Neue Testament auf die Welt der Völker zu sprechen, so sind die Völker in der Regel Gegenbegriff (Relationsbegriff) zu Israel. Die Völkerwelt wird von Israel her anvisiert“ (Georg Eichholz, Begriff „Volk“ im Neuen Testament, in: ders., Tradition und Interpretation, München 1965, 79).

Der Ratsvorsitzende Manfred Kock hat dies vor der EKD-Synode 1999 deutlich gemacht: „Israel ist der erste Zeuge Gottes vor der Welt und seiner Bestimmung nach ‚Licht der Völker’ (Jes 42,6; 49,6). Die Kirche hat ihre Sendung (Mission) an die Völker in Teilnahme und Teilhabe an dem Zeugendienst Israels vor der Welt zu verstehen. Israel und die Kirche sind gemeinsame Zeugen Gottes vor der Welt. Die Beauftragung der Kirche zur Mission richtet sich nicht an Israel, sondern nach Mt 28 an die ‚Völker’. Damit ist nicht Israel gemeint, damit ist Israel auch nicht mitgemeint. Deshalb ist die Sendung der 12 Jünger an Israel (Mt 10,4 f.) von der Mission an die Völker (Mt 28,16 -20) zu unterscheiden. In der Sendung Jesu an Israel geht es um die Umkehr im Bund, die Umkehr im Vaterhaus. Davon ist zu unterscheiden die den Jüngern seit der Auferweckung des Gekreuzigten aufgetragene Mission an alle Völker. Judenmission würde fälschlich voraussetzen, Israel sei von Gott verworfen, auf die Stufe der ‚Völker’ zurückgefallen“ (Unsere Zeit in Gottes Händen. Bericht des Rates der EKD, 1999)."

Evangelischer Kirchenverband Köln und Region, Die "Absage an Begriff und Sache christlicher Judenmission"

 
Agadat Bereschit c. 31

"Stumpfsinnig sind die, welche die Unwahrheit sprechen, indem sie sagen, Gott habe einen Sohn und lasse ihn töten. Wenn Gott es nicht mit ansehen konnte, dass Abraham seinen Sohn opferte ... hätte er seinen eigenen Sohn töten lassen, ohne die ganze Welt zu zerstören und sie zum Chaos zu machen? Darauf bezieht sich das Wort Salomos von dem "Einen ohne Zweiten, der keinen Sohn und keinen Bruder hat" (Kohelet 4,8).
 
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