Die Plumpheiten christlicher Missionare

von Miriam Wölke

Wer zu den Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis und seiner Family geht, der wird feststellen, dass bei jedem dieser Essen auch die jeweiligen Teilnehmer zu Reden eingeladen werden. Zuerst gibt der Rabbi ein paar Teachings und danach darf jeder, der meint, etwas zu sagen zu haben, auch einmal ran. Allerdings darf derjenige nicht alles herunterrasseln, wonach ihn gerade die Laune verleitet. Rabbi Machlis listet vorher stets drei feste Verhaltensregeln auf:

1. Die Rede sollte nicht länger als drei Minuten dauern !"
2. Keine politischen Themen am Schabbat !"
3. In den Reden soll niemand beleidigt werden noch sollen diverse Ideologien aus anderen Religionen verbreitet werden. Oder in anderen Worten: Keine Judenmission !"

Am vergangenen Freitag abend (Erev Schabbat) setzte sich eine Christin aus den USA, die sich selbst "Israel" nannte, an einen der gedeckten Machlis Tische. Uns war bewußt, dass es sich um eine Christin handelte, denn erstens schaute sie sehr offensichtlich so aus und wer es dennoch nicht wahrhaben wollte: Sie platzierte ihr mitgebrachtes "Neues Testament" gleich neben ihren Teller.

Zu Beginn verhielt sich sich unauffällig und sehr ruhig, doch sah ich, dass sie nur auf ihren Moment wartete. Als Rabbi Machlis die Gäste aufforderte, doch auch einmal etwas zu sagen (jüdische Religion, Thoraparasha oder Persönliches, etc.) stand besagte Dame auf und zitierte zwei Sätze. Einen aus der Thora sowie einen weiteren vom Propheten Jesaja (Yeshayahu).
Offensichtlich war sie der Meinung, dass sobald sie diese zwei, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze herunterspulte, ihr alle Juden um dankbar um den Hals fallen und Mr. J. als ihren Meschiach anerkennen. Nun, dies war nicht der Fall und stattdessen wurde die Dame von Rabbi Machlis über die wahre Bedeutung der beiden Sätze informiert. Die Dame nahm das schweigend zur Kenntnis und sagte daraufhin nichts mehr. Außerdem war sie von Rabbi Machlis zu einem klärenden Gespräch nach dem Schabbatessen eingeladen worden, zu dem sie erst gar nicht mehr erschien.

Meine Anklagen richten sich gegen all jene in Jerusalem herumlaufenden christlichen Missionare, welche sich bei jüdischen Ereignissen im wahrsten Sinne des Wortes kostenlos vollfressen und sich hinterher nicht schämen aufzustehen, um ihren Missionsmüll abzuladen. Was glauben solche Leute, wer sie sind ? Da stellen sie sich unbedarft hin und meinen doch tatsächlich jüdische Gelehrte, welche mit dem Thora - und anderweitigem halachischen Wissen aufwuchsen, mit dämlicher Plumpheit bekehren zu können.

Steckt da etwa irgendeine Logik dahinter ? Schämen sich die Missionare nicht vor sich selbst ?
Mir selber würde es niemals in den Sinn kommen, in eine Kirche zu rennen, mich da vollzufressen und hinterher Leute zum Judentum bekehren zu wollen.

Christliche Missionare aber lassen zumindest in Jerusalem kaum eine Gelegenheit aus, sich auf Kosten der Juden (insbesondere bei der Orthodoxie) so richtig vollzufressen !
 
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