Die "Tuvia Singer SHOW"

von Miriam Wölke

Die Orthodox Union (Israel Center) in Jerusalem kündigte einen Vortrag mit dem vor allem den Anglos bekannten Radiomoderator (Arutz 7) Tuvia Singer an. Vier Sonntage lang solle Singer im Israel Center Vorträge zum Thema "Warum Juden nicht an den christlichen Meschiach glauben" halten. Tuvia Singer ist gebürtiger Amerikaner, machte Aliyah und wohnt heute im Jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt. Sein Beruf ist Jews for J. (messianische Juden) aus den Kirchen herauszuholen und zum Judentum zurückzuführen.

Sonntag abend begann also die vierwöchige Vortragsreihe und ich muss nebenbei erwähnen, dass Tuvia Singer im englischsprachigen Raum sehr bekannt ist. In Deutschland dagegen weniger bis gar nicht.

Bei meiner Ankunft war der Vortragsraum schon gerammelt voll und fast alle Stühle waren vergeben. Der Andrang war in der Tat so gross, dass weitere Sitzgelegenheiten herangekarrt werden mussten. Ein älterer Mann hinter mir berichtete einem Bekannten, dass er nur gekommen sei, weil das Israel Center gut geheizt ist und bei ihm daheim sei es kalt. "Na, das fängt ja gut an", dachte ich.

Tuvia Singer und noch ein weiterer Redner waren auf einem einem kleinen Podium platziert, aber nicht Singer begannn zu sprechen, sondern der Mensch neben ihm. Ich sah mich um und erblickte erstaunt zwei Bodyguards. Anfangs dachte ich, dass man wohl offenbar Ärger mit fanatischen Christen erwarte oder vielleicht sei Singer von denen bedroht worden. Nicht selten kommen derlei Drohungen gegen Leute, die gegen christliche Missionare vorgehen, vor.

Tuvia Singer als Radiomoderator bei ARUTZ 7

Einer der Bodyguards stand hinter dem zweiten Redner neben Tuvia Singer und sah aus wie ein Killer. Der zweite Guard stand an der Tür, hatte eine Glatze und ein Babyface. Den Namen des zweiten Redners verstand ich akkustisch nicht, doch handelte es sich um einen Amerikaner, Anfang 30, dessen Eltern Juden waren, doch als er zwei Jahre alt war, zum Christentum konvertierten. Zu den fundamentalistischen Evanglikalen (Evangelists).

Er begann seinen christlichen Lebenslauf zu schildern und liess dabei weder Bibelschule noch Kirche aus. Weiterhin stammen seine Vorfahren aus Brasilien, wo sein Großvater der ranghöchste General war. Irgendwann sei dann die Familie nach Fort Lauderdale in Florida umgezogen. Er (der Redner) sei im Jahre 2003 nach Houston / Texas weitergezogen, um dort eine Öl – und Gasfirma aufzubauen. Danach folgte ein endloses Gestammel über die Einzigartigkeit Tuvia Singers: How great Tuvia was, how great Tuvia was, how great Tuvia was … usw. Und Singer war es auch, der ihn wieder zurück auf jüdische Pfade führte. Mittlerweile sei er noch zum Millionär aufgestiegen, habe dann seine Firma verkauft, um Ende 2008 Aliyah nach Israel zu machen. Immer wieder legte er seinen angeblich hohen Status dar. Der Großvater General und er im Ölbusiness. Das grösste Ölfeld in der Geschichte des Staates Texas habe er auch gefunden. Erst kürzlich. Auf die Frage, wie denn seine Firma heisse, blieb er die Antwort schuldig. Mir jedenfalls kam die ganze Show vor wie eine Werbeverkaufsveranstaltung auf einer Kaffeefahrt; nur dass das Produkt noch nicht angeboten worden war.

Seine Art zu reden wirkte auf mich ermüdend. Nicht gerade selten erlebte ich es in der Vergangenheit, dass Juden, die sich wieder von der Kirche, und ich meine hier fanatische Freikirchen, lösten, drauflosreden wie amerikanische christliche Prediger. Egal, wie jüdisch sie nun geworden sind, ihre Art zu predigen haben sie beibehalten. Bestes Beispiel hierfür ist Pnina Taylor, die Leiterin der "Jews for Judaism" – Filiale in Jerusalem. Nichts gegen Juden die offiziell wieder Juden werden und das Christentum verlassen, doch so manch einer von ihnen (meist Amerikaner) verlieren ihre Predigerstil nicht und man kommt sich bei ihnen vor wie in einer Kirche.

Nachdem der Angebertyp seine Rede nach einer Stunde endlich beendete (mehrere Leute aus dem Publikum hatten sich schon beschwert), stand Tuvia Singer endlich auf und begann seinen Vortrag. Rote Krawatte, blaues Hemd, kerzengerade – so stand er da und sah aus wie der optimale Vertreter auf der Kaffeefahrt. Ich war schon halb eingeschlafen, doch Singer weckte mich wieder so einigermassen auf:
"Wenn Ihr meint, das christliche Missionare nur in Gruppen auftreten, dann irrt Ihr Euch gewaltig. Das ist so ein typisch jüdisches Denken. Schaut, da ist eine Gruppe Christen und das sind dann Missionare. Vielmehr treten die christlichen Missionare allein auf und es ist wichtig, dass Ihr das versteht".

Jemand fragte warum denn die Christen die Thora stets mißinterpretieren anstatt sie zu verstehen. "Warum denken sie nicht logisch und stellen Fragen ? Entstehen denn bei denen keinerlei Unklarheiten ?"
"Dafür gibt es zwei Gründe, erklärte Singer.
Erstens, was sagt eine christliche Mutter ihrer kleinen Tochter wenn sie diese zu Bett bringt ?
J. loves you !

Das gesamte christliche Leben ist von einer Indoktrinierung geprägt. Alles dreht sich um J. Sogar in der Kirche beten sie zu J. und nicht zu G – tt. Immer wieder werden J. und das Neue Testament erwähnt und ideologisiert. Ohne das man es groß bemerkt, hat man die Doktrin intus. Weiterhin wächst man dann mit einer bestimmten Art zu denken auf. Gemäß dem wird dann auch die Thora gelernt und die Mehrheit stellt absolut keine Fragen. Fragen, wie der Vorredner sie sich selbst gestellt hatte und er schließlich Ungereimtheiten entdeckte. Diese Art des Denkens zu durchbrechen und Christen die wahre Bedeutung der Thora zu vermitteln, sei dann fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Der zweite Grund liegt in der sprachlich falschen Thoraübersetzung. Wieviele verschiedene Thoraausgaben besitzt das Christentum ? Wer von den Christen lernt Hebräisch und den Text richtig anzugehen ? Vielleicht Theologiestudenten ? Doch dann nur soweit, wie es die christliche Ideologie und Kirche erlaubt. Und wieviele amerikanische Unis bieten ein ausführliches Hebräischstudium an ? Ganz selten einmal."

Wie mir der Vortrag gefiel ?

In der Tat hat Tuvia Singer Wichtiges zu berichten, doch hätte er sich mehr auf die Inhalte beschränken sollen anstatt dem Publikum mit Witzen und Privatstories gefallen zu wollen. Am nächsten Sonntag dann sollen Textstudien zum Thema "Wie die Kirche Thorainhalte verfälscht um ihre Schäfchen bei der Stange zu halten" auf dem Programm stehen.

Bezüglich des Angebertypen aus dem Ölbusiness: Sein Auftreten war fast überflüssig. Zumindest hätte er gut daran getan, seinen Bericht zeitlich zu begrenzen. Seine abgehobenen Theorien jedoch nahm ich ihm nicht ganz ab. Besonders nicht seinen Ölstatus.

Genauso besitze ich meine Zweifel bezüglich Pnina Taylor von den "Jews for Judaism", die da einmal zu den messianischen Missionaren gehörte und nun, nach nur zwei Jahren der Rückkehr ins Judentum, Juden unterrichten will.

Sollten solche Leute nicht erst einmal selbst das Judentum erlernen ? Was mir zusätzlich öfters auffällt ist, dass ehemalige messianische Juden zwar recht wenig über das Judentum wissen, doch sobald sie christliche Theologien vernehmen, fahren sie voll drauf ab und hören nicht mehr mit dem Reden auf. Damit meine ich besonders jene, die zu fanatischen christlichen Gruppen (Evangelists, Pentecosta, etc.) gehoert haben.

Dann bis zum nächsten Sonntag und hoffen wir, dass es interessanter werden wird.

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"Der „Missionsbefehl“ bzw. „Taufbefehl“ (Mt 28,19) rechtfertigt keine Mission von Nichtjuden an Juden, sondern er fordert die Apostel auf, sich (als Juden, die sie sind) den nichtjüdischen Völkern ‚missionierend’ zuzuwenden, um sie in die Nachfolge zu rufen, sie zu taufen und die Gebote Jesu zu lehren. Unter „allen Völkern“ sind die nichtjüdischen Völker zu verstehen. Es geht also um die Begründung der jüdischen „Heidenmission“ durch Jesus.

Im Neuen Testament gibt es keinen Beleg für eine heidenchristliche Mission an Juden. „Kommt das Neue Testament auf die Welt der Völker zu sprechen, so sind die Völker in der Regel Gegenbegriff (Relationsbegriff) zu Israel. Die Völkerwelt wird von Israel her anvisiert“ (Georg Eichholz, Begriff „Volk“ im Neuen Testament, in: ders., Tradition und Interpretation, München 1965, 79).

Der Ratsvorsitzende Manfred Kock hat dies vor der EKD-Synode 1999 deutlich gemacht: „Israel ist der erste Zeuge Gottes vor der Welt und seiner Bestimmung nach ‚Licht der Völker’ (Jes 42,6; 49,6). Die Kirche hat ihre Sendung (Mission) an die Völker in Teilnahme und Teilhabe an dem Zeugendienst Israels vor der Welt zu verstehen. Israel und die Kirche sind gemeinsame Zeugen Gottes vor der Welt. Die Beauftragung der Kirche zur Mission richtet sich nicht an Israel, sondern nach Mt 28 an die ‚Völker’. Damit ist nicht Israel gemeint, damit ist Israel auch nicht mitgemeint. Deshalb ist die Sendung der 12 Jünger an Israel (Mt 10,4 f.) von der Mission an die Völker (Mt 28,16 -20) zu unterscheiden. In der Sendung Jesu an Israel geht es um die Umkehr im Bund, die Umkehr im Vaterhaus. Davon ist zu unterscheiden die den Jüngern seit der Auferweckung des Gekreuzigten aufgetragene Mission an alle Völker. Judenmission würde fälschlich voraussetzen, Israel sei von Gott verworfen, auf die Stufe der ‚Völker’ zurückgefallen“ (Unsere Zeit in Gottes Händen. Bericht des Rates der EKD, 1999)."

Evangelischer Kirchenverband Köln und Region, Die "Absage an Begriff und Sache christlicher Judenmission"

 

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