Kurt Julius Goldstein

Kurt Julius Goldstein (* 3. November 1914 in Scharnhorst/Westfalen; † 24. September 2007 in Berlin) war ein deutsches Mitglied der Internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg, Überlebender von Auschwitz und des Todesmarsches von Buchenwald. Kurt Julius Goldstein war Ehrenvorsitzender des Internationalen Auschwitz Komitees und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten.

Als NS-Verfolgter berichtete Kurt Goldstein in zahllosen Zeitzeugengesprächen an Schulen und bei Veranstaltungen von seinem Leben. Von Beruf war er Journalist und Rundfunkintendant.

Julius Goldstein wurde 1914 in Scharnhorst (heute ein Stadtbezirk von Dortmund) als jüngstes von vier Geschwistern (zwei Mädchen, zwei Jungen) geboren. Seine Eltern waren der 1920 seinen Kriegsverletzungen aus dem Ersten Weltkrieg erlegene, pazifistisch orientierte Kaufhausbesitzer Emil Goldstein aus Hamm (Westfalen) und Ida Cohen aus Wittmund. Bereits in der Schule machte er Erfahrung mit dem aufkeimenden Antisemitismus in Deutschland. Seine verwitwete Mutter zog 1923 mit ihren vier Kindern nach Hamm um. Zunächst Mitglied des linken jüdischen Jugendbundes „Kameraden“, schloss Julius Goldstein sich 1928 dem von Max Reimann geleiteten Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) an und trat 1930 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. Zu seinem Schutz erhielt er den Decknamen "Kurt Berger", den er bei allen Parteiaktivitäten verwendete. 1932 wurde er „wegen kommunistischer Umtriebe“ in Hamm der Schule verwiesen, konnte seine Abiturvorbereitung aber in Münster fortsetzen. Am 28. Februar 1933, dem Morgen nach dem Reichstagsbrand, erhielt er eine Warnung, dass er polizeilich gesucht werde und tauchte bei einer befreundeten Bergarbeiterfamilie in Scharnhorst unter. Am 3. April 1933 festgenommen, gelang es ihm zu fliehen - und so der doppelten Verfolgung als Jude und als Kommunist zunächst zu entkommen.

Anschließend ging er zu Verwandten nach Luxemburg und dann weiter nach Paris, wo er sich auf Anraten der örtlichen KP-Organisation der zionistischen Organisation Hechaluz anschloss. In einem von dieser Organisation betriebenen Hachschara-Lager in Luxemburg und als Hilfsarbeiter bei einem Weinbauern in Lunac (bei Villefranche-de-Rouergue, Département Aveyron) erhielt er landwirtschaftliche Kenntnisse, die ihn auf die Auswanderung nach Palästina vorbereiteten, wo er sich von Juni 1935 bis zur Jahresmitte 1936 aufhielt. Ab November 1936 nahm Goldstein als Interbrigadist am Spanischen Bürgerkrieg teil, wo er bei Caspe verwundet wurde und später als Politkommissar einer Einheit in Vic und später in Santa Coloma de Farners fungierte. Nach der Demobilisierung der Internationalen Brigaden 1938 und dem Sieg Francisco Francos 1939 wurde er im Februar 1939 zunächst im französischen Sammellager Saint-Cyprien (Pyrénées-Orientales) interniert, ab Mai 1939 in Gurs, und nach Beginn des Zweiten Weltkriegs als angeblicher deutscher Spion im Lager Le Vernet. Im Juli 1942 wurde Goldstein an Deutschland ausgeliefert und über das KZ Drancy nach Auschwitz (Häftlings-Nr.: 5 88 66) verschleppt. Bei der Zwangsarbeit in den Kohlengruben des Außenlagers Jawischowitz leistete er weiter Widerstand und erhielt von der SS den Spitznamen „Judenkönig“. Goldstein überlebte 30 Monate im Konzentrationslager und im Januar 1945 den Todesmarsch nach Buchenwald und war am Häftlingsaufstand Anfang April 1945 beteiligt. Zusammen mit anderen Häftlingen leistete er am 11. April 1945 den Schwur von Buchenwald.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg engagierte sich Goldstein zunächst in Berlin in der KPD/SED. Er arbeitete als Jugendsekretär der KPD und wurde Vorsitzender des Landesjugendausschusses in Thüringen. 1946 kehrte Goldstein in seine Heimatstadt Dortmund zurück und agitierte auch hier für die KPD. Später war er 1. Sekretär des FDJ-Zentralbüros in der Bundesrepublik. 1951 siedelte er in die DDR über.

In der DDR wurde Goldstein politischer Mitarbeiter der Westabteilung des Zentralkomitee der SED und wechselte 1956 zum Rundfunk der DDR, wo er bis zu seiner Pensionierung 1978 als Funktionär in leitender Stellung tätig war. 1957 kam er zum Deutschlandsender, dessen Intendant er von 1969 bis 1971 war. Nach der Umbenennung in Stimme der DDR 1971 war er bis 1978 Intendant dieses Senders. 1976 wurde Goldstein Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees und von 1982 bis 1991 Sekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer in Wien. Seit 1994 war er Ehrenvorsitzender des Interessenverbandes der Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, der Verfolgten des NS-Regimes und der Hinterbliebenen (IVVdN).

Goldstein war Träger des Bundesverdienstkreuzes, arbeitete für viele internationale Organisationen, war Ehrenpräsident des Internationalen Auschwitz Komitees und Ehrenvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Seit 1996 war er Ehrenbürger Spaniens. Der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit ehrte am 20. Mai 2005 Kurt Julius Goldstein im Auftrag des Bundespräsidenten mit dem „Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Bis zu seinem Lebensende berichtete er unermüdlich in Zeitzeugengesprächen, bevorzugt an Schulen, über die NS-Zeit.

Kurt Goldstein war seit 1951 verheiratet und hatte fünf Kinder. Er starb am 24. September 2007 in Berlin. Seine Urne wurde am 20. Oktober im Beisein von etwa 400 Trauergästen in der Grabanlage „Pergolenweg“ auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.
 
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