Einleitung

"Von Unterschieden zwischen Judentum und Christentum soll auf den folgenden Blättern die Rede sein.*) Zu welchem Zwecke? Nicht in der Absicht anzugreifen. Es sei uns fern, eine Kritik des Christentums zugeben, Glaubenssätzen nahe zu treten, in denen Millionen Menschen Beseligung und innere Ruhe finden. Worauf es uns ankommt, ist einzig und allein, zu zeigen, welche Lehren dem Judentum eigentümlich sind, was die Juden von altersher von dem Eintritt in das Christentum abhielt und auch in aller Zukunft abhalten muss.

So wahr es ist, dass aller Religion Höchstes und Letztes ist, die Menschen durch den gemeinsamen Besitz Gottes in einem Bruderbunde zu einigen und zu der Erkenntnis zu führen, dass echte Frömmigkeit sich in allen Religionsgemeinschaften finde, so wahr ist es auch, dass man sich in den besonderen Geist jeglicher Religion hineinfühlen, sie in ihrer Geschlossenheit begreifen und in ihrer Eigenart erleben muss, wenn jeder in seiner Religion diese letzten und höchsten gemeinsamen Endziele finden soll. Man kann nicht die seelischen Voraussetzungen, die Wurzeln einer religiösen Anschauung als belanglos und gleichgültig beiseiteschieben und sich nur an die willkommenen Früchte halten;  will man die Früchte aller Religion, die Nächstenliebe und  die Sittlichkeit ernten, dann muss man auch die Wurzeln jeglicher religiösen Anschauung pflegen.

Den modernen Menschen hatte bereits ein neu sich regendes Sehnen die Notwendigkeit des Besitzes religiöser Ideale gelehrt, und unsere jüngsten Erlebnisse haben dieses Sehnen vertieft und gesteigert; damit beginnt aber auch ein neuer Wettkampf der Religionen in ihrem Streben, die Welt mit ihren Gedanken zu erfüllen, und zwar nicht nur auf der Grundlage der dogmatischen Prägung, die sie in alten Zeiten erhielten, sondern auf dem Grunde der ganzen ihren Bekennern eigentümlichen Anschauung. Und eben darum ist es vonnöten, mit aller Entschiedenheit und Deutlichkeit die Lehren zu zeigen, die das Judentum bisher mit Zähigkeit festgehalten hat, in denen es sich von der christlichen Umwelt unterschieden fühlte, und an denen es auch weiter festhalten muss, wenn es sicherhalten will. Es handelt sich, um es mit einem Worte zu wiederholen, darum, für das Judentum das Recht auf die eigene Anschauung erneut aufzustellen und zu begründen.

Diese Aufgabe wäre überflüssig, wenn man der Überzeugung sein könnte, dass die Unterschiede der religiösen Lehren allgemein bekannt wären. Das ist aber keineswegs der Fall. Im Gegenteil, es herrscht gerade über die Punkte, in denen Judentum und Christentum am entschiedensten auseinandergehen, eine seltsame und bedauerliche Unkenntnis. Innerhalb der jüdischen Kreise hat sich infolge der vielfachen auf das Judentum gerichteten Angriffe fast alles Interesse in der Verteidigung erschöpft, so dass man nur selten Gelegenheit fand, positiv die besondere Art der jüdischen Ideenwelt hervorzuheben. Und innerhalb der nichtjüdischen Kreise ist man meistens so befangen in der Anschauung, dass das Judentum eine überwundene und abgetane Form der Religion sei, dass man es sich gar nicht vorzustellen vermag, die Juden von heut sollten sich nicht als überwunden erklären, ja hätten sogar ein deutliches Bewusstsein von ihrer religiösen Eigenart und den ausgesprochenen Willen, sie zu erhalten.

Man sieht zudem die Juden — infolge ihrer eigentümlichen politischen Stellung—so ganz und gar mit dem Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung beschäftigt, dass ein Außenstehender in der Tat zu der Meinung kommen kann, dieser Kampf sei ihr einziges Interesse, und sie hielten der alten Glaubensgemeinschaft höchstens aus Gründen der Ehre oder der Pietät die Treue, aber ohne die Gewissheit eigener Ideale und deren Lebensfähigkeit.

So weit geht schließlich die Unkenntnis der wahren Sachlage, dass man wohl die Unterschiede zwischen orthodoxem Judentum und orthodoxem Christentum begreift, dass man aber schon fast widerspruchslos das Urteil passieren lässt, zwischen, liberalem Judentum und liberalem Christentum sei ein innerer Unterschied nicht vorhanden. Da ist eine gründliche Aufklärungsarbeit nötig, die klar und entschieden zeigt, wie im Religiösen eine geschlossene jüdische einer ebenso geschlossenen christlichen Anschauung gegenübersteht.

Wenn das also dargelegt werden soll, dann bedarf es nicht der lückenlosen Aufzählung aller Punkte, in denen sich Judentum und Christentum unterscheiden; von der Dreieinigkeit, dem Marienkult, der Heiligenverehrung erneut zu reden, ist unnötig. Nicht etwa deshalb, weil es auch Christen gibt, die darüber zur Tagesordnung übergegangen sind, und weil diese Lehren deshalb als von untergeordneter Bedeutung erscheinen könnten, denn das Bekenntnis der Kirche hält sie unverbrüchlich fest, und dieses Bekenntnis wird bei jedem Gottesdienst gesprochen, und jeder Übertretende hat sich darauf zu verpflichten.

Ihre Bedeutung in der Reihe der Unterschiede zwischen Judentum und Christentum ist noch immer die alte, aber sie sind so allgemein bekannt, dass sie nicht mehr besonders erwähnt zu werden brauchen. Uns muss es sich hierum den einen Punkt handeln, der hüben und drüben das Charakteristische ist, der in den alten Tagen der Ausgangspunkt aller Unterschiede war und auch heute, und heute mehr denn je, der wesentliche ist, an dem gleichsam alles andere hängt. Und dieser Punkt ist die Lehre Vom Menschen, die Anschauung über Art und Wesen des Menschen. Zu schildern, wie Judentum und Christentum über den Menschen, sein Wesen und Können urteilen, wie daraus alle Unterschiede zwischen den beiden Religionen hervorwachsen, das und nur das sei die Aufgabe dieser Schrift.

*) Die erste Auflage erschien 1914 als Heft V des II. Jahrgangs der von Dr. J. Ziegler, Karlsbad, herausgegebenen „Volksschriften über die jüdische Religion". Der Text ist in dieser zweiten Auflage an vielen Stellen erweitert und verändert worden.

 

 
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