Synagoge und Kirche (6.)

Unter der "Synagoge" verstehen wir, nachdem das Wort anfänglich auch einmal die „Gemeinde" bedeutete, seit den ältesten Zeiten nur „die gottesdienstliche Stätte der Juden". „Kirche" dagegen bedeutet auch die Zusammenfassung aller um Christus sich Scharenden, eine über den einzelnen Gläubigen stehende göttliche Anstalt, die das Heil, die Gnade zu verwalten und auszuspenden hat.

Der Synagoge fehlte von Anfang an jede Möglichkeit, sich nach dieser Richtung zu entwickeln, und sie hat es auch bis auf den heutigen Tag nicht getan. Das Judentum hat kein Sakrament zu verwalten, kein Heil auszuspenden, es gibt daher in ihm keine über den Einzelnen stehende Heilsanstalt.

Jegliche Zusammenfassung von Gemeinden zu einem größeren Gebilde bewegt sich auf dem Gebiet des Verwaltungsmäßigen und hat mit dem Lehrinhalte des Judentums nicht das Geringste zu tun. Selbst in den Zeiten, in denen es eine oberste religiöse Behörde gab, die von allen Juden anerkannt wurde, hatte diese weder ein Heil auszuspenden noch über die rechte Auslegung der Heiligen Schrift zu wachen, noch konnte sie die Verpflichtung aller Juden auf ein von ihr festgesetztes Glaubensbekenntnis unter ihre Befugnisse rechnen; sie hatte die Gesetze für die Betätigung des Juden im Leben aufzustellen, mehr nicht.

Aber bis zu einer Zusammenfassung der Gesamtheit der Judenheit in einer Weise, dass nun ein über allen stehendes Gebilde vorhanden ist, das Inhalt und Umfang der Glaubenslehre festlegt, über die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft entscheidet und ein Heil zusprechen oder versagen kann, konnte es nach dem inneren Lebensgesetz des Judentums nicht kommen.

Ganz anders hat das Christentum die Idee der Kirche ausgebildet. Sobald man nämlich von dem Gedanken der sittlichen Hilflosigkeit des Menschen ausgeht, aus der die Notwendigkeit fließt, dass die Heiligung ihm in bestimmter Form von außen entgegengebracht werden muss, muss auch eine Anstalt vorhanden sein, die ihm dies Heil übermittelt.

So betrachtet sich also die katholische Kirche als die von Christus gestiftete Heilsanstalt, in der die von ihm während seiner irdischen Laufbahn zur Entsündigung und Heiligung der Menschen entwickelten Tätigkeiten fortgesetzt werden, die die Sakramente ausspendet, von Sünden losspricht, die rechte Auslegung der Heiligen Schrift angibt und verkündet, was zu glauben ist. Sie entscheidet über die innere Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft, sie ist als göttliche Einrichtung nie einem Irrtum unterworfen. Man sieht sofort, wie hier Kirche und Synagoge zwei ganz verschieden erfasste Dinge sind.

Das Judentum hat in dem Umkreis seiner Gedanken dieser Idee der Kirche nichts an die Seite zu stellen und kann nie eine Richtung einnehmen, bei der die "Synagoge" als ideale Gesamtheit der Kirche zu vergleichen sein würde.

Die katholische Auffassung vom Wesen der Kirche erfuhr im Protestantismus eine gewisse Abschwächung. Aber auch der Protestantismus betrachtet die Kirche als Heilverwalterin, deren überwachende und schützende Leitung unentbehrlich ist, die über die rechte Auslegung des Gotteswortes, aus dem das Glaubensbekenntnis hervorwächst, zu wachen hat.

Auch hier gegenüber der jüdischen Anschauung eine grundlegende Verschiedenheit, die noch dadurch wesentlich verstärkt wird, dass die Kirche überall, auch bei der freieren Auffassung ihres Wesens, als die geistige Gemeinschaft, deren Haupt und Führer die Persönlichkeit Christi ist, gilt. Innerhalb des Protestantismus gab es häufig Widerspruch gegen den Zwang, der mit dem Begriff der Kirche verbunden ist, und dieser Widerspruch, bei dem man von Gedanken ausging, die enge Berührung mit jüdischer Auffassung hatten, führte zur Bildung von neuen Gemeinschaften. Man denke an die englischen Nonkonformisten, die Dissenters, an die reichliche Sektenbildung im Protestantismus überhaupt.

Die Idee der Kirche verlor dadurch im Umkreis des Protestantismus viel von ihrer Geschlossenheit, aber es bleibt doch auch in diesen Freikirchen ein Rest von der Anschauung, die die Kirche, ihre Kirche, als Anstalt zur rechten Auslegung des Wortes betrachtet, also als ein über dem Einzelnen stehendes Gebilde.


* * *
 
Fassen wir unsere gesamten Ausführungen nochmals kurz-zusammen. Einheit von Leben und Religion, Einklang wischen den Grundsätzen der Religion und dem Tun des Menschen will das Judentum erzielen. Dazu ist notwendig das Vertrauen des Menschen auf die eigene Kraft. Aus diesem Vertrauen erwächst dann die Überzeugung, dass dem Menschen, mag er noch so sehr von Gottes Gnade abhängig sein, die Selbständigkeit der eigenen sittlichen Persönlichkeit gewahrt bleiben müsse. Darum kennt das Judentum keine von außen kommende Erlösung von der Sünde, der Mensch selbst muss die Vorbedingungen für die Versöhnung mit Gott schaffen. Der Wille, sich zu heiligen, muss ihm höchstes Gesetz sein, seine Heiligung bleibt immer sein Werk. Darum tritt ihm auch der Wille Gottes als Gesetz, als Forderung entgegen. Je freudiger er diese Forderung erfüllt, um so größer zeigt sich sein Wille zur Selbstheiligung: das Gesetz — gleich ob Sitten- oder Zeremonialgesetz — ist sonach dem Juden keine Last, kein Fluch, sondern ein Zeichen der Kraft und ein Weg zur Selbstheiligung, die allein die wahre Frömmigkeit ist. Darum kennt auch der Jude kein Sakrament, das ihm Gnade gibt, keine Anstalt, die ihm Heil spenden, Sünden vergeben und die Pforte der Seligkeit erschließen kann.

Gott offenbarte ihm die sittliche Welt, er gab ihm auch die Kraft und die Fähigkeit, aus sich selbst heraus die sittliche Welt Gottes auf Erden zu verwirklichen.

Von diesen Gedanken und Ideen der jüdischen Religion ist die Judenheit seit Jahrhunderten derart erfüllt, dass selbst jene, die aus irgend einem Grunde das offizielle Judentum ablehnen, bewusst oder unbewusst — leider oft nur unbewusst — den Stempel dieser Denkart unauslöschlich an sich tragen. Und diese Gedanken und Ideen sind es, die die Judenheit um ihretwillen und um der Menschheit willen unerschütterlich festzuhalten sich berufen und verpflichtet fühlt, die ihr das Wort der Hoffnung voran leuchten lassen, das einst der Prophet verkündet hat (Jesaja 60,3);

Völker werden Deinem Lichte nachgehen, Und Könige dem Glänze Deines Strahles.
 
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