Hans-Joachim Schoeps

Hans-Joachim Schoeps (* 30. Januar 1909 in Berlin; † 8. Juli 1980 in Erlangen) war ein deutsch-jüdischer Religionshistoriker und Religionsphilosoph. Er war ordentlicher Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Religions- und Geistesgeschichte der Universität Erlangen.

Der Vater von Hans-Joachim Schoeps, Julius Schoeps, hatte sich als praktischer Arzt in Berlin niedergelassen. Seine Mutter Käthe, geb. Frank (1886–1944), stammte aus Brandenburg. Aus der Ehe, die der bekennende Homosexuelle Hans-Joachim Schoeps mit Dorothee Busch (1915–1996) einging, entstammen zwei Kinder: Julius H. Schoeps und Manfred Schoeps. Hans-Joachim Schoeps hatte einen jüngeren Bruder. Beide wurden in dezidiert preußischem Geist erzogen, einer Grundhaltung, die er im Laufe seines Lebens vertiefte und verteidigte. Schoeps studierte Religionsphilosophie, Geschichtswissenschaft und Literaturwissenschaft an den Universitäten in Berlin, Marburg, Heidelberg und Leipzig. Während seiner Studienzeit schloss er sich der deutschen bündischen Jugendbewegung an, wo er unter anderen Hans Blüher kennenlernte.

1932 wurde er an der Universität Leipzig unter Joachim Wach mit seiner Arbeit Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie in der Neuzeit zum Dr. phil. promoviert.

Im Februar 1933 gründete Schoeps den Verein „Der deutsche Vortrupp. Gefolgschaft deutscher Juden“, der dem Nationalsozialismus positiv gegenüberstand, und führte ihn bis 1935. Schoeps schrieb in der Zeitschrift Der Vortrupp: „Der Nationalsozialismus rettet Deutschland vor dem Untergang; Deutschland erlebt heute seine völkische Erneuerung.“ Er forderte eine „Beschleunigung der unbedingt notwendigen Trennung von deutschen und undeutschen Juden sowie Erfassung aller deutschbewußten Juden unter einheitlicher autoritärer Führung bei möglichster Umgehung der alten Organisationen.“

1933 legte er zusätzlich das Staatsexamen für das Lehramt in Deutsch, Geschichte und Philosophie ab, wurde jedoch als Jude nicht zum Referendardienst zugelassen. Seine beharrlichen Versuche, im nationalsozialistischen Deutschland eine Existenz aufzubauen, misslangen. Er war als Privatlehrer und Verleger (Vortrupp-Verlag, Berlin) tätig und hielt Vorträge u. a. beim Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Die Exilzeitung Pariser Tageblatt vom 29. Juni 1936 bezeichnete Schoeps als „hitlertreu“. Aufgrund seiner Kontakte zu Ernst Niekisch und Otto Strasser wurde er von der Gestapo zunehmend unter Druck gesetzt. Mit Hilfe von Werner Otto von Hentig vom Auswärtigen Amt konnte er im Dezember 1938 nach Schweden emigrieren. Seine Eltern blieben in Deutschland zurück. Sein Vater starb im Ghetto Theresienstadt, seine Mutter wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet.

Im schwedischen Exil war der immer noch „antidemokratisch“ und „deutsch-national“ eingestellte Schoeps als Wissenschaftler weitgehend isoliert.[3] So kehrte er im Herbst 1946 nach Deutschland zurück. Im Februar 1947 gelang es ihm auf Basis bisheriger Publikationen und unveröffentlichter Manuskripte, sich an der Universität Marburg zu habilitieren. Seitdem lehrte er an der Universität Erlangen, zuerst als Privatdozent, dann als außerordentlicher Professor am ad personam eingerichteten Lehrstuhl für „Religions- und Geistesgeschichte“, nachdem er dieses planmäßige Extraordinariat gerichtlich eingeklagt hatte.[3] Ab 1950 war er ordentlicher Professor und Vorstand des Seminars für Religions- und Geistesgeschichte der Universität Erlangen. Zu seinen Schülern zählten u. a. Hellmut Diwald, Robert Hepp, Sven Thomas Frank und Hans-Dietrich Sander. 1948 gründete Schoeps die Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte (ZRGG), 1958 die Gesellschaft für Religions- und Geistesgeschichte (GGG), deren Vorsitzender er war. Schoeps verfasste zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zur Religionsgeschichte und Religionsphilosophie des Judentums.

Schoeps war Monarchist aus Überzeugung und Ehrenmitglied des Vereins Tradition und Leben. Er forderte 1951 die Wiederherstellung Preußens und wollte mit Bundestagsmitgliedern den Volksbund für die Monarchie gründen, was jedoch durch die Veröffentlichung eines Berichtes des Nachrichtenmagazins Der Spiegel scheiterte.

1969 erhielt Schoeps den Konrad-Adenauer-Preis der Deutschland-Stiftung, deren Beirats-Mitglied er war. 1969 war er Mitgründer der Konservativen Sammlung und Autor in der Zeitschrift Konservativ Heute. Ab Anfang der 1970er Jahre war Schoeps auch im sogenannten Zollernkreis aktiv. Dieser veröffentlichte beispielsweise posthum 1987 Schoeps’ Festschrift Louis Ferdinand, Prinz von Preußen: Erbe und Auftrag: Festschrift zum 80. Geburtstag. Schoeps war außerdem im Beirat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Schoeps’ Lehrstuhl für Religions- und Geistesgeschichte, der ursprünglich als Akt der Wiedergutmachung eingerichtet worden war, wurde noch zu dessen Lebzeiten abgewickelt, um in einen Konkordatslehrstuhl umgewandelt zu werden.

Seine Ruhestätte fand Schoeps auf dem Neuen Israelischen Friedhof zu Nürnberg.
 
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