Arno Lustiger (* 7. Mai 1924 in Bendzin, Polen) ist ein deutscher Historiker jüdischer Herkunft. Lustiger hat wesentliche Beiträge zur Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte des jüdischen Widerstands geleistet.
Lustiger verbrachte seine Kindheit mit seiner Familie in Będzin (deutsch: Bendzin) in Oberschlesien. Sein Vater, David Lustiger, Stadtrat von Bendzin, war Besitzer eines Betriebs, in dem Maschinen für die Brotherstellung gefertigt wurden. Das väterliche Unternehmen wurde 1939 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. David Lustiger blieb allerdings zunächst als Angestellter weiter beschäftigt. Anfang 1943 wurde die jüdische Bevölkerung Będzins im Ghetto Będzin interniert, die Familie Lustiger verbarg sich in einem Kellerversteck. Im August 1943 wurde das Ghetto geräumt und seine Bewohner ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Einige Tage später ging die Familie freiwillig ins Zwangsarbeiterlager Annaberg in Schlesien, um wenigstens zusammenzubleiben.
Dort wurde die Familie jedoch auseinandergerissen, Lustiger kam in das Konzentrationslager Ottmuth und dann in das KZ Blechhammer, ein Außenlager von Auschwitz. Ab dem 21. Januar 1945 wurde Lustiger wegen der anrückenden sowjetischen Truppen im eiskalten Winter von der SS zu einem Todesmarsch zum KZ Groß-Rosen in Niederschlesien gezwungen, den nur 2000 von 4000 Häftlingen überlebten. Dann wurde er zum Konzentrationslager Buchenwald transportiert und von dort ins KZ Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt. Die Lebenserwartung der Häftlinge betrug dort laut Lustiger in der Regel drei bis vier Wochen.
Im April 1945 floh Lustiger bei einem weiteren Todesmarsch, als auch dieses Konzentrationslager vor den anrückenden Amerikanern geräumt wurde. Dabei fiel Lustiger Angehörigen des Volkssturms in die Hände, konnte jedoch abermals entkommen und wurde von amerikanischen Soldaten gefunden, gerettet und zu einem uniformierten und bewaffneten Dolmetscher der US Army gemacht.
Sein Vater David Lustiger wurde für kurze Zeit ins KZ Blechhammer verschleppt und dann im KZ Auschwitz-Birkenau umgebracht.
Zeit nach 1945
Seit Ende des Zweiten Weltkriegs lebt Arno Lustiger in Frankfurt am Main. Als Textilfabrikant baute er dort ein erfolgreiches Unternehmen für Damenmoden auf. Lustiger forscht und schreibt zu Themen der deutsch-jüdischen Geschichte, zum Spanischen Bürgerkrieg, zum jüdischen Widerstand sowie zur stalinistischen Judenverfolgung. Er ist Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main und Vorstandsmitglied der Budge-Stiftung. Er war vom Sommersemester 2004 bis Sommersemester 2006 Gastprofessor am Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt am Main. Lustiger hat zwei Töchter. 1984 überstand er einen Herzinfarkt.
Am 27. Januar 2005 sprach Arno Lustiger zusammen mit Wolf Biermann vor dem Deutschen Bundestag. Unter anderem wies er auf die fehlende historische Aufarbeitung der KZ-Todesmärsche hin, der mehrere hunderttausend Häftlinge auf den Straßen des Deutschen Reichs zum Opfer fielen.
Am 17. Januar 2006 appellierte Arno Lustiger durch einen von ihm verfassten Aufruf an Freunde und Bekannte, die für den 20. Januar 2006 in der Frankfurter Heilig-Geist-Kirche geplante Vorstellung des Buches Ich will nicht mehr schweigen. Über Recht und Gerechtigkeit in Palästina von Rupert Neudeck zu verhindern. Dieser Aufruf hatte Erfolg, weil die evangelische Kirche den dafür vorgesehenen Saal nicht mehr zur Verfügung stellen wollte. Lustiger bezeichnete die für die Veranstaltung vorgesehenen Redner als „eigentümliche Gestalten“ und hielt sie offensichtlich für Feinde Israels.
Am 10. September 2006 erschien ein Essay von ihm, leicht gekürzt, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es trägt den Titel Dichtung und Wahrheit? Nein, Schummelei! Es handelt sich um Anmerkungen zum jüngsten Buch von Günter Grass. Lustiger übt darin beredte Kritik an Günter Grass, ohne ihn jedoch zu verdammen. Der ungekürzte Text ist auf den Seiten des Fritz-Bauer-Institutes zu finden.
Jean-Marie Kardinal Lustiger, der am 5. August 2007 verstorbene emeritierte Erzbischof von Paris, war sein Cousin.
Die Schriftstellerin Gila Lustiger ist eine seiner beiden Töchter. |