Von Mission zum Dialog - Die innerchristliche Debatte seit 1945

Das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum ist heute weitgehend von gegenseitiger Akzeptanz und Gesprächsbereitschaft geprägt. "Wir glauben an den Gott des Jesus von Nazaret, aber wir glauben nicht alle, dass Jesus von Nazaret Gott ist" - so könnte man den Grundkonsens des Dialogs beschreiben. Dennoch anerkennen einige liberale und reformorientierte Strömungen innerhalb des Judentums Jesus als Rabbi oder gar Propheten, der den Völkern den Gott Israels und seinen Willen bekannt gemacht hat und sie damit an Israels Verheißungsgeschichte teilhaben lässt.

Große Teile der christlichen Kirchen sehen sich heute als die "jüngeren Geschwister" des Judentums und lehnen die direkte oder indirekte Judenmission ab. Dabei sind sowohl historische als auch theologische Argumente ausschlaggebend. Zum wird das Fanal von Auschwitz nicht zuletzt auf einen jahrtausende alten Antijudaismus zurückgeführt. [1] Mit dem Abbruch dieser Tradition soll ein Neubeginn im jüdisch-christlichen Verhältnis ermöglicht werden.

Theologisch setzt sich bei den großen Kirchen ebenfalls die Meinung durch, dass Jesus als Jude einen Bund zwischen Gott und den Völkern geschlossen hat, ohne den Bund des Volkes Israels aufgehoben zu haben. So ist die Mission an Juden überflüssig, haben sie doch ihren eigenen Weg zu dem einen Gott der Christen und Juden. Trotzdem werden Bewegungen zur Judenmission von einer Reihe kirchlicher Institutionen gefördert. [2]


 
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"Von protestantischer Seite wurden in den folgenden Jahrzehnten noch eine Reihe von Dokumenten verabschiedet, die sich unter verschiedenen Aspekten mit dem Judentum und Israel beschäftigen: vom Ökumenischen Rat der Kirchen, vom Lutherischen Weltbund und der Niederländisch-Reformierten Kirche.44 Das nächste wesentliche westdeutsche Dokument scheint, nach Einberufung der Studienkommission «Kirche und Judentum» (erst) 1967, die von dieser erarbeitete ausführliche Studie «Christen und Juden» des Rates der EKD aus dem Jahre 1975 zu sein. Jetzt will man die Begegnung mit dem jüdischen Glauben zum besseren Verständnis des eigenen: ein Novum. Aber bis dahin war es ein weiter Weg, und von einem befriedigenden Verhältnis kann selbst heute erst in Ansätzen die Rede sein."

Christen gegen Juden, Gerhard Czermak

 
Der griechische Satiriker Lukian (Lucian) von Samosata (120-ca.180 n. Chr.) schrieb um das Jahr 170 De morte Peregrini, 11 "Übrigens verehrten diese Leute den bekannten Magus, der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien in die Welt eingeführt hatte... Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden, und in alle Ewigkeit leben würden: daher kommt es dann, dass sie den Tod verachten und viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, dass sie untereinander alle Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen, und ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen, und nach seinen Gesetzen zu leben."
 

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