Antisemitismus und die Orthodoxe Kirche in Moldawien heute

Sie ist wieder da, die orthodoxe Kirche in Moladawien und mit ihr der unbändige Judenhass. In der moldawischen Hauptstadt Kischinjow (Chişinău) zerstörten am vergangenen Montag, unter Anleitung orthodoxer Priester Menschen eine etwa 1,5 Meter hohe Channukkia. Einen rituellen achtarmigen Leuchter, der an das Channukka-Wunder nach der Befreiung des Zweiten Tempels erinnern soll.

Demonstrativ trug die Menge den schweren Leuchter vor das Denkmal Stefan des Großen – Der als Verteidiger des Christlichen Glaubens geehrt wird, warf es auf den Boden, hisste eine moldawische Flagge darüber und sang Kirchenlieder. Der orthodoxe Priester bezeichnete Juden als Ausgeburten der Hölle und als mit Satan im Bunde stehend. Demonstranten trugen kirchliche Wappen und Transparente mit der Aufschrift „Moldawien ist ein Orthodoxes Land“. An dem Platz der Menorah befestigte der Priester ein großes hölzernes Kreuz.


Die Menge schien ausgelassen zu sein. Die Polizei schritt nicht ein.

Von dem einst blühenden jüdischen Leben in Kischinjow ist heute kaum etwas wahrzunehmen. Rund 46 % der Einwohner der Stadt waren laut Volkszählung von 1897 Juden und stellten damit Bevölkerungsmehrheit, noch weit vor den Russen (27 %) und Rumänen (18 %). 1903 ging die Stadt wegen eines Pogroms (Pogrom von Kischinjow) unrühmlich in die Geschichte ein. 49 Juden wurden getötet, 400 weitere verletzt. Mehrere hundert Haushalte und Landegeschäfte wurden geplündert und vernichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und Zerfall der Sowjetunion zählt die einstiege Sowjetrepublik noch rund 12 000 Juden.
 


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„Judenmission, in welchem Gewand auch immer sie daherkommt, lehnen wir ab, ohne Wenn und Aber, aus exegetisch-theologischen Gründen eben so wie aus historischen und moralischen. Der Versuch von Heiden(christen), das Volk Gottes zu missionieren, ist ein aberwitziges Unterfangen, das in den kanonischen Schriften der Kirche keinerlei Rechtfertigung hat. Das Judentum ist keine defizitäre Religion; es ist dies heute ebenso wenig, wie es dies je war. Jüdisches Selbstverständnis lebt von der gottgeschenkten Heilsgewissheit, ›dass ganz Israel an der zukünftigen Welt Anteil hat‹ (Mischna, Traktat Sanhedrin, Kapitel 10). Nur menschliche Hybris kann diese Heilsgewissheit bestreiten. [...] Juden und Christen sind je auf ihre Weise zu Zeugen des Einen Gottes ›in unserer Welt berufen‹. Wenn Christen dieses Zeugnis mit den Psalmen der hebräischen Bibel ablegen, rezitieren sie keine ›getauften Psalmen‹, sondern stimmen ein in das Gotteslob Israels, in das Bekenntnis zu dem Einen Gott.“

Tübinger Theologieprofessoren Bernd Janowski, Hermann Lichtenberger und Stefan Schreiner
 

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