Judenmission und der Weg zum Antisemitismus

Wir leben in einer aufgeklärten Welt, in einer Welt in der einem alle Möglichkeiten offen stehen. Jedem von uns schenkt diese neue, wunderbare Welt die Freiheit an das zu glauben, woran man möchte und sie hält uns dazu an, andere Glaubensformen zu respektieren. Es war ein weiter Weg, ein blutiger Weg und Millionen mussten Ihr Leben für eine gerechtere Welt hingeben. Auch ich war von Kindesbeinen an für die religiöse und kulturelle Vielfalt, für die Freiheit des Denkens und des Glaubens.

Wie viele andere war ich schwer enttäuscht, als ich feststellte, dass Gruppierungen die Oberhand gewinnen, die dieses Prinzip zu verändern versuchen. Sie glauben an eine Welt, ohne Vielfalt, an eine rein christliche Welt, wo jeder seine Identität zu Gunsten fremder Ideale aufgibt, an eine System, dass über allem steht, dass sich anmaßt zu entscheiden was lebenswert ist und was dem Tod ausgeliefert, abgetrennt werden muss. Menschen, die diese Ideale vertreten kann ich mit immer weniger Respekt betrachten, zu sehr erinnern Sie mich an eine Zeit, in der die Straßen voller brauner Uniformen waren und es für Juden gefährlich war raus zu gehen.

In einem Land nach dem anderen haben Christen ihre Besorgnis um unsere Erlösung zum Ausdruck gebracht und uns dazu eingeladen, Jesus anzunehmen. Immer und immer wieder wenn wir diese Einladung zurückgewiesen haben, hat sich diese Liebe in Bosheit und Hass verwandelt. Oft war Vertreibung und Tod die Folge.

Der Philosoph, Emil Fackenheim, hat es folgendermaßen auf den Punkt gebracht:

"Der Holocaust war die Zuspitzung einer 2000jährigen Kampagne der christlichen Welt gegen Juden. Es begann früh damit, dass sie uns erzählten: 'Du kannst nicht hier leben als Jude'. Und in einem Land nach dem anderen zwangen sie uns zur Konversion. Später wurde daraus die Botschaft: ‘Ihr könnt hier nicht leben.’ Und in einem Land nach dem anderen zwangen sie uns wegzugehen. Hitlers Botschaft war: ‘Ihr könnt nicht leben’ - und sie rotteten ein Drittel unseres Volkes aus".

Es ist ein langer, langer Weg von den Bemühungen und der Liebe, die unsere Nachbarn ausdrücken bis zu Hitlers öfen. Wenn ein Jude Jesus als seinen oder ihren Messias annimmt, dann erfüllt er oder sie keine biblische Prophezeiung. Wenn ein Jude Jesus als Messias akzeptiert, dann wird er Christ und verlässt damit die jüdische - religiöse - Gemeinschaft. Man kann nicht beides gleichzeitig sein: Jude und Christ. Das ist so seit mehr als 1800 Jahren als sich unsere Religionen gespalten haben und ihre getrennten Wege gingen. Dabei bleibt es auch heute.

Wenn jemand Christ werden möchte, so wünsche ich ihm oder ihr, dass dieser Weg ihm oder ihr spirituelle Erfüllung bringen möge. Aber er kann nicht gleichzeitig Jude sein.

Organisationen wie die Juden für Jesus und viele andere Evangelikale Kirchen betreiben gezielt das, was auch schon andere in den Jahrhunderten zuvor vergeblich versucht hatten. Hätte das 3. Reich Erfolg gehabt, so gäbe es auf der ganzen Welt keine Juden mehr, werden die Evangelikalen Erfolg haben, so wird es danach auf der Welt ebenso keine Juden mehr geben.

Vor einiger Zeit habe ich mich mit dem Pastor einer evangelikalen Kirche, die überwiegend von Russlanddeutschen besucht wird und den Namen „Glaubensgeneration“ trägt, über dieses Problem unterhalten. In einer Predigt sprach er davon, dass Juden nur dann der Verfolgung entgehen können, wenn Sie zu dem Glauben an Jesus kämen. Anderen Falls werden Sie stets verfolgt werden. Er legte mir dar, dass er ein wörtliches Bibelverständnis habe, Synagogen sind seiner Meinung zu meiden und zu bekämpfen, da sie „Teufelsversammlungen“ sind. Dies steht so in der Bibel und dies müsse auch genau so gepredigt werden. Wie kann jemand mit solchen Ansichten allen ernstes dafür eintreten, dass die Welt friedvoller wird? Ich muss mich fragen, was dieser Mensch wirklich aus der deutschen Geschichte oder gar der Bibel gelernt hatte?

Das Judentum ist keine Krankheit, die man den Juden austreiben muss, wir sind nicht krank und wir haben aus der Geschichte gelernt. Deswegen sind wir so aufmerksam und übervorsichtig. Das Judentum, der Glaube unserer Väter ist das was uns nährt, was uns Kraft gibt. Wir brauchen nichts anderes, unser Glaube ist vollständig und wir sind glücklich, so wie wir sind: Als Kinder des einzigen, unteilbaren Gottes, als ein Volk, mit einem Glauben.

 

Teilweise basiernd auf: Sollen Christen Juden bekehren?" veröffentlicht bei haGalil hagalil@hagalil.com - Postfach 900504 - D-81505 München
 
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"Von protestantischer Seite wurden in den folgenden Jahrzehnten noch eine Reihe von Dokumenten verabschiedet, die sich unter verschiedenen Aspekten mit dem Judentum und Israel beschäftigen: vom Ökumenischen Rat der Kirchen, vom Lutherischen Weltbund und der Niederländisch-Reformierten Kirche.44 Das nächste wesentliche westdeutsche Dokument scheint, nach Einberufung der Studienkommission «Kirche und Judentum» (erst) 1967, die von dieser erarbeitete ausführliche Studie «Christen und Juden» des Rates der EKD aus dem Jahre 1975 zu sein. Jetzt will man die Begegnung mit dem jüdischen Glauben zum besseren Verständnis des eigenen: ein Novum. Aber bis dahin war es ein weiter Weg, und von einem befriedigenden Verhältnis kann selbst heute erst in Ansätzen die Rede sein."

Christen gegen Juden, Gerhard Czermak

 
Der griechische Satiriker Lukian (Lucian) von Samosata (120-ca.180 n. Chr.) schrieb um das Jahr 170 De morte Peregrini, 11 "Übrigens verehrten diese Leute den bekannten Magus, der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien in die Welt eingeführt hatte... Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden, und in alle Ewigkeit leben würden: daher kommt es dann, dass sie den Tod verachten und viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, dass sie untereinander alle Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen, und ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen, und nach seinen Gesetzen zu leben."
 

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