Paul Ehrlich (* 14. März 1854 in Strehlen; † 20. August 1915 in Bad Homburg) war ein deutscher Chemiker, Mediziner, Serologe und Immunitätsforscher. Er gilt mit seinen Forschungen als Vater der modernen Chemotherapie.
Paul Ehrlich wurde 1854 im schlesischen Strehlen als Sohn jüdischer Eltern geboren. Schon als Schüler hatte Ehrlich Interesse an der Färbung mikroskopischer Gewebepräparate. Dieses Interesse führte er mit einem Studium der Medizin 1872 bis 1878 fort. Auch in seiner Leipziger Dissertation befasste er sich mit diesem Thema (Titel: Beiträge zur Theorie und Praxis der histologischen Färbung). Nach seiner klinischen Ausbildung und Habilitation 1887 (Titel: Das Sauerstoffbedürfnis des Organismus) an der Charité in Berlin wurde er 1891 von Robert Koch, mit dem er schon früher zusammengearbeitet hatte, an das neugegründete Institut für Infektionskrankheiten in Berlin berufen. Nach überwindung einer bei Laborversuchen erworbenen Tuberkuloseerkrankung in ägypten unterstützte er in Berlin den ihm freundschaftlich verbundenen Emil Adolf Behring maßgeblich bei der Entwicklung des Diphtherieserums.
Diese Arbeiten inspirierten ihn 1897 zu seiner berühmten
"Seitenkettentheorie", die die Wirkungsweise des Heilserums erklärte
und es ermöglichte, den Antigengehalt genau zu messen. 1896 wurde
Ehrlich zum Direktor des neuen Königlichen Instituts für Serumforschung
und Serumprüfung in Steglitz (bei Berlin) berufen. 1899 wurde dieses
Institut nach Frankfurt am Main verlegt und zum Königlichen Institut
für experimentelle Therapie erweitert, wo sich Ehrlich der
Krebsforschung und der Chemotherapie von Infektionskrankheiten
zuwandte. 1904 ernannte man Ehrlich zum ordentlichen Honorarprofessor
in Göttingen, 1906 wurde er zusätzlich zum Direktor des neu eröffneten
Georg-Speyer-Hauses in Frankfurt ernannt.
1908 erhielt er zusammen mit Ilja Iljitsch Metschnikow den Nobelpreis
für Medizin - für seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Chemotherapie
(Wertbestimmung des Diphtherieserums). In Frankfurt hatte er auch mit
Arsen und anderen Chemikalien experimentiert. Mit Unterstützung seines
Assistenten Sahachiro Hata entwickelte er im Jahre 1909 das Salvarsan
gegen Syphilis und andere gefährliche Seuchen. Dies war das erste
spezifisch wirkende Chemotherapeutikum, das jemals hergestellt wurde.
Es folgte die Entwicklung zahlreicher anderer Medikamente auf
chemischer Basis, mit denen viele bis dahin tödlich verlaufende
Krankheiten wirksam bekämpft werden konnten. 1911 erhielt er die
Liebig-Medaille. 1914 wurde Ehrlich Ordinarius an der neuen Frankfurter
Universität.
Am 17. August 1915 erlitt er einen Herzinfarkt, dem er am 20. August
erlag. Der Geheime Ministerialrat Professor Dr. Paul Ehrlich starb im
Beisein seiner Frau und seiner beiden Töchter im Bad Homburger
Sanatorium Dr. Pariser seines Freundes Curt Pariser. Kaiser Wilhelm II.
schrieb in seinem Beileidstelegramm: "Ich beklage mit der gesamten
gebildeten Welt den Tod dieses um die medizinische Wissenschaft und die
leidende Menschheit so hochverdienten Forschers, dessen Lebenswerk ihm
bei der Mit- und Nachwelt unvergänglichen Ruhm und Dank sichert."
Paul Ehrlichs Leben und Werk wurde 1940 von William Dieterle verfilmt
im US-Spielfilm Dr. Ehrlich's Magic Bullet (Paul Ehrlich - Ein Leben
für die Forschung, mit Edward G. Robinson in der Titelrolle.)
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