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Die Frage des Antijudaismus im Neuen Testament
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"In der Kompliziertheit seiner (des Neuen Testaments – A.d.V.) Entstehungsgeschichte findet sich wohl auch die Erklärung für die Tatsache, daß die Forschung bisher noch keine eindeutige Antwort geben konnte auf die Frage, ob das Neue Testament antisemitische Stellen enthält und ob diese Stellen, evtl. im Zusammenhang mit anderen antichristlichen Texten gelesen, den Erweis der Existenz eines urchristlichen Antisemitismus erbringen."[1]. Keiner der Gründe, die für den griechisch-römischen Antisemitismus ausgemacht werden konnten findet im Neuen Testament ein klarer Beleg[2] und auch eine Unterscheidung der Begriffe "Antisemitismus" und "Antijudaismus" hat nicht zur Lösung des Problems beigetragen[3]. Das Fehlen eindeutiger Belege hat den Objekt der Forschung von den unzugänglichen historischen Tatsachen auf die geschichtliche Analyse der Deutung der Tatsachen verschoben. Das ist der einzig gangbare Weg, um das Problem des Verhältnisses zwischen Christentum und Judentum zu erleuchtern und für die damit verbundenen Fragen eine Antwort zu suchen: Hat das Auftreten Jesu einen Widerspruch auf die Existenz Israel dargestellt? Haben die neutestamentlichen Anklagen des Prophetenmords und der Verfolgung der Christen einen tatsächlichen Grund?[4].
Für die Paulusbriefe ist weitgehend die Spaltung dieser Persönlichkeit in den Vordergrund getreten, die "vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, Hebräer von Hebräern" (Phil 3,5) stammt, aber der "unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn" (Phil 3,8) sich bekennt. Was die Evangelien betrifft, so werden das Matthäusevangelium und das Johannesevangelium für die Frage des Antisemitismus als relevant betrachtet. Hauptsächlich geht beim Matthäusevangelium um das Vorhandensein des schwerwiegenden "Blutrufs" in Mt 27,25: "Sein Blut über uns und über unsere Kinder", während für das Johannesevangelium wird die feindliche Trennung der Christengemeinden von dem Judentum als geschichtliche Hintergrund der gegen "die Juden" gerichteten äußerungen betrachtet. Aber gerade die Feststellung "das Heil kommt von den Juden" (Joh 4,23) in diesem Evangelium macht deutlich, dass, auch wenn festgehalten werden kann, dass ein eigentlicher Antisemitismus im neuen Testament nicht zu unterstellen ist, die Komplexität der Verhältnisse zwischen Geschichte, Theologie und Literatur eine "Unterscheidung zwischen der Bedeutung und der Wirkung neutestamentlicher Texte" notwendig macht.[5] |
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"Christinnen und Christen bleiben wie das Judentum auf den Selbsterweis des kommenden Retters vom Zion angewiesen. Von daher haben sie dem Judentum nichts voraus. Darum können sie im Vergleich mit sich selbst Jüdinnen und Juden nicht als defizitär bestimmen. Sie bilden zusammen mit Jüdinnen und Juden eine Solidargemeinschaft der Wartenden, in der sie im missionarischen Zeugnis vor der Welt der Völker und im wechselseitigen Zeugnis voreinander dem Gott Israels die Ehre geben. Darum hat die Rheinische Landessynode 1996 den Grundartikel der Kirchenordnung so erweitert: „Mit Israel hofft sie auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ " [...] "...die Frage, ob Juden, die sich zu Christus bekehren, zugleich Juden bleiben können, zunächst von der Kirche negativ beantwortet, bevor diese Antwort auch von jüdischer Seite bestätigt wurde. Der Kirchenvater Ignatius von Antiochia (+ 110) brachte dies pointiert zum Ausdruck: "Es ist völlig unangebracht, Jesus Christus im Munde zu führen und (weiterhin) jüdisch zu leben; denn das Christentum ist nicht etwa zum Glauben an das Judentum gekommen, sondern das Judentum (zum Glauben) an das Christentum" (Brief an die Magnesier 10,3)." Evangelischer Kirchenverband Köln und Region, Die "Absage an Begriff und Sache christlicher Judenmission" |
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