Das Wesen des Judentums – Das Licht der Nächstenliebe

Geschrieben von Itamar Baum   

Im grenzenlosen spirituellen Glanz des Judentums gibt es mehrere Aspekte, die für jeden Menschen von großer Bedeutung sind. Im vorliegenden Artikel wird das meiner Meinung nach wichtigste Konzept des Judentums behandelt, und zwar die Nächstenliebe (hebr. „ahawat ha-sulat“).

Das Gebot der Nächstenliebe wird besonders prägnant im Talmud zum Ausdruck gebracht: „Hawej mi-talmidaw schel Aharon, ohew schalom we-rodef schalom, ohew et ha-brijot u-meqarwan la-Tora“ („[…] Sei wie Schüler Aharons, liebe den Frieden und strebe den Frieden an, liebe alle Menschen und bringe sie der Tora näher“ (Pirqej Awot, 1:12).

Um die tiefere Bedeutung dieses talmudischen Spruchs nachvollziehen zu können, müssen wir zuerst die Bedeutung der in ihm enthaltenen hebräischen Begriffe ergründen. Aharon gilt im Judentum als einer der friedlichsten religiösen Menschen, der, wenn es nötig war, notwendige Kompromisse einging.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient das Wort bzw. der Begriff „ohew“. Nach mehreren jüdischen Auffassungen hängt dieser Begriff mit einem intensiven Erkenntnisprozess zusammen. Jeder Mensch soll das Wesen der Nächstenliebe in seinem Inneren ergründen und feststellen, wie er im wirklichen alltäglichen Leben diese wichtigste Eigenschaft des Geistes und des soziales Lebens äußern kann. Die ganze Pracht dieses Begriffes kann man sehen, wenn wir den mit ihm verwandten Begriff „chessed“ untersuchen. Auf der göttlichen Ebene stellt dies den ewigen ununterbrochenen „Strom“ der Liebe des Schöpfers zu allen Wesen des Weltalls dar.

Nach dem jüdischen Konzept soll jeder Mensch Gott in dieser „chessed“- Eigenschaft nachahmen. Das heißt, seine Liebe zu allen Menschen und zu allen Geschöpfen Gottes soll immer existieren. Sie soll nie aufhören. Derjenige, der sich diese Dimension des Inneren zu eigen gemacht hat, heißt „chassid“.

Es entsteht die berechtigte Frage: Wie kann man diese Idee in unserem irdischen Leben realisieren? Es ist doch ziemlich kompliziert, diesen geistigen Zustand ständig zu verspüren. Jeder Mensch befindet sich in verschiedenen Situationen, in denen er ganz unterschiedlichen Anforderungen der Wirklichkeit ausgesetzt ist.

Eine der möglichen Antworten auf diese Frage lautet: Selbsterkenntnis. Der hebräische Begriff „da’at“ bedeutet sowohl Gotteserkenntnis als auch Selbsterkenntnis. Er soll herausfinden, wie er mit Nächstenliebe auf alles auf ihn Zukommende reagieren kann.

Eines der freiheitlichen Konzepte des Judentums besteht darin, dass der Mensch nicht unbedingt religiös sein muss, um “chassid“ zu sein. Der Ausdruck „chassidej umot ha-olambedeutet etwa: „Die Gerechten und Frommen der Völker der Welt“. Dies kann jeder Mensch sein, unabhängig davon, ob er Monotheist, Politheist, Agnostiker oder Atheist ist. Hauptsache: Er tut Gutes, strebt die Nächstenliebe an und bemüht sich, an jedem Menschen Schwester und Bruder zu sehen.

 


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„Unbestritten bleibt für Paulus bei alledem, dass Israel auch weiterhin in besonderer Weise mit Gott verbunden ist, obwohl es sich in seiner Mehrheit der Botschaft von Jesus als seinem Messias und Herrn verschloss: Es ist aufgrund der ihm von Gott verliehenen Heilsgaben (Röm 9,4f) bleibend erwählt und damit Gottes Volk (Röm 11,2). Die weltweite Völkermission ist der endzeitlichen Sammlung Israels zugeordnet als deren Vorbedingung. Weder ist Israel vom Heil getrennt, noch ist es eingeebnet in die Völkerwelt – als ein Volk unter anderen. Grundsätzlich bleibt der Auftrag zur Sammlung Israels als des Gottesvolkes des Anfangs bestehen (Gal 2,7); aber er ist hinsichtlich seiner Durchführung geschieden vom Auftrag zur weltweiten Völkermission.“

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