Christliche Missionare als (Gast)Studenten an der Uni Potsdam

Adrian ist Rabbinerstudent aus Potsdam (Abraham-Geiger Kolleg) Adrian Michael ist Rabbinerstudent am Potsdamer Abraham Geiger Kolleg. Er ist derzeit in seinem zweiten Ausbildungsjahr. Die Ausbildung beinhaltet neben den praktischen Aspekten des Berufes (u.a. Seelsorge, Liturgie, Quellenstudien, Chasanut) ein akademisches Studium an der Universität Potsdam. Hier studiert er zurzeit Jüdische Studien und Religionswissenschaften.

Adrian geht sehr offen mit seinem Judentum um, er ist, wie auch die anderen Studentinnen und Studenten des Geiger Kollegs jederzeit ansprechbar für Fragen zum Judentum und aktiver Partner im jüdisch-christlichen Dialog. Aber es gibt für ihn auch Grenzen im aufeinander Zugehen, vor allem dann, wenn seine eigene Identität als Jude in Frage gestellt, oder abgewertet werden soll. Von einem solchen Fall berichtete er kürzlich in seinem Webblog (http://adi5767.wordpress.com). Er zeigt erneut, wie ignorant Messianisten bei ihren Missionsversuchen vorgehen: 

Nein Danke! 

Nun erlebt man ja schon mal das eine oder andere, wenn man als erkennbarer Jude auf Deutschlands Straßen unterwegs ist und klar ist auch, das einem ab und an mal der Puls fast davon rennt, aber doch kommt es immer mal wieder vor, dass einem eine Begegnung den Atem verschlägt und man sich fragt, ob man noch im richtigen Film ist.

So bringt mein Campus-Leben in der Uni-Potsdam die einen oder anderen fragenden blicke mit sich, mehr oder weniger dumme oder kluge fragen zum Judentum, Diskussionen um Kippa in der Öffentlichkeit oder nicht und auch mal “schräge” sonstige Ereignisse, aber Höhepunkt meines letzten Semesters in diesem sinne war der versuch zweier älterer Herren mich davon zu überzeugen, das ich nur unzureichend an G’tt glauben würde, wenn ich nicht an Jesus glauben würde.

Aufgefallen sind mir die beiden schon eher, aber bisher haben sie mich nicht weiter interessiert, weil ich mir dachte, dass hier halt zwei als Gaststudenten studieren, die einen starken christlichen glauben haben, aber trotzdem etwas über ihre “jüdischen wurzeln” in ihrem glauben erfahren wollten. in diesem Semester aber legten sie sich richtig ins zeug. im Grunde erhielt jeder, der erkennbar, oder weniger erkennbar jüdisch ist ihre Schriften in die Hand gedrückt und wurde von ihnen ins Gespräch verwickelt. für meinen russischsprachigen Kommilitonen holten sie sich russischsprachige Unterstützung, für unseren amerikanischen Gastprofessor gab es Broschüren auf englisch und Diskussionen in der Vorlesung (”wie können Juden G’ttes Wort ablehnen und behaupten, dass die Tora nicht im Himmel ist”) und für mich eben die Attacke zwischen Tür und Angel von eben jenen beiden, gleich von zwei Seiten aus - ich saß sozusagen in der Missionsfalle.

Nein Danke!

Meine Ablehnung ihrer Schriften wurde mit Unverständnis aufgenommen, ich würde schließlich die Chance, meinen Horizont zu erweitern, ablehnen. meine zunächst freundliche Erwiderung, ich würde ihren glauben als einen weg respektieren, so mögen sie doch bitte meinen glauben respektieren, wurde von ihnen wiederum lächelnd ignoriert, so dass mir nichts anderes übrig blieb, als eher unfreundlich, mich zwischen beiden durchquetschend die flucht anzutreten. übrig blieb ein genervtes Gefühl.

Grundsätzlich bin ich jemand, der offen und positiv mit seinem glauben umgeht, in der Regel verstecke ich mein Jüdischsein nicht. wenn man mich fragt, gebe ich bereitwillig Auskunft. aber eines ist mir völlig fremd, ich versuche nicht andere von meinem glauben zu überzeugen, erst recht nicht, wenn sie erkennbar einen eigen glauben haben, in dem sie sich sichtbar zuhause fühlen. und genau das ist der punkt, den diese beiden Herren überschritten haben. ich habe sie nicht gefragt, also sollen sie ihre frohe Botschaft bitte für sich behalten. die Universität ist nicht ihre Kirche, in der sie mich anquatschen dürfen.

Mein erleben ist im vergleich zu anderen Geschichten sicher noch harmlos und bedarf keiner weiteren Aufregung, jedoch verweise ich auf Schilderungen die deutlich machen, dass Judenmission bei genauer Beobachtung keine harmlose Geschichte ist. nachzulesen auf auf der Website http://www.solutix.de/

 

 

 
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Das Theologen- bzw. Synodalvotum von 1980 spricht auch davon, es müsse ins Bewußtsein eindringen, daß man mit der kirchlichen Tradition, z.B. mit Luthers Schrift «Von den Juden und ihren Lügen» brechen müsse.

Das Dokument enthält die Sätze: «Wir sind zum demütigen Eingeständnis unserer eigenen Untreue und unserer eigenen Schuld gerufen. Denn im Blick auf das Verhältnis von Christen und Juden ist die Geschichte der Kirche eine fast durchgängige Verleugnung der nicht gekündigten Erwählung Israels.»

«Auf die Judenfeindschaft in der Geschichte unserer Kirche können wir nicht anders als mit Scham und Reue und der Bereitschaft zur Buße antworten.»

Gerhard Czermak, Christen gegen Juden

 

 
Agadat Bereschit c. 31

"Stumpfsinnig sind die, welche die Unwahrheit sprechen, indem sie sagen, Gott habe einen Sohn und lasse ihn töten. Wenn Gott es nicht mit ansehen konnte, dass Abraham seinen Sohn opferte ... hätte er seinen eigenen Sohn töten lassen, ohne die ganze Welt zu zerstören und sie zum Chaos zu machen? Darauf bezieht sich das Wort Salomos von dem "Einen ohne Zweiten, der keinen Sohn und keinen Bruder hat" (Kohelet 4,8).
 

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