Judenmission im Mittelalter

Juden hatten seit 212 in den Reichsprovinzen das römische Bürgerrecht und als religio licita (erlaubte Religion) auch relative Religionsfreiheit genossen. Mit dem Aufstieg der Kirche zur Staatsreligion wurden ihnen diese Privilegien nach und nach entzogen. Konstantin I. (306-337) erlaubte das Christentum 313 und förderte es gegenüber dem Judentum; er versuchte Juden zum übertritt zur Kirche zu bewegen, indem er ihnen Schutz gegen übergriffe ihrer ehemaligen Glaubensgenossen anbot.

Seit 380 bestimmte die Staatskirche den Umgang der Behörden mit Juden mit. Im 5. Jahrhundert kam es zu Synagogenzerstörungen und erzwungenen Massentaufen. Doch der römische Staat hielt an der traditionellen Duldung der jüdischen Religion fest. Augustinus von Hippo (354-430) gab dieser Auffassung eine theologische Begründung, die lange maßgebend blieb: Demnach gelte der christliche Missionsauftrag zunächst den Heiden; erst nach ihrer aller Bekehrung würden die Juden am Ende der Zeit von selbst zum Glauben an Christus finden. Da die jüdische Minderheit sich nicht in die Kirche eingliedern ließ, war sie jedoch besonderen Auflagen ausgesetzt. Zahlreiche kaiserliche "Judenedikte" fanden als Corpus iuris civilis Eingang in das Kirchen- und Staatsrecht des Mittelalters.

Justinian I. (527-565) verfolgte neben christlichen Ketzern und Samaritanern auch Juden, verbot ihnen ihr Passahritual, hebräische Bibellesungen und wohl auch schon den Mischna-Unterricht. Dennoch konnte sich das Judentum in Europa vielerorts mit eigenen Gemeinden behaupten. Von entscheidender Bedeutung dafür war die Kanonisierung des Tanach (um 135) bei gleichzeitiger flexibler mündlicher Tora-Auslegung (Halacha) durch die Rabbiner, die um 220 verschriftet wurde (Mischna) und mit der Gemara bis etwa 600 den Talmud vervollständigte.

Die Päpste, deren Macht im Zerfallsprozess des römischen Reiches zunahm, lehnten die Zwangstaufe von Juden zuerst ab. Gregor I. (540-604) legte die Kirche auf Predigtmission und milde Behandlung der Juden fest, wenn sie die ihnen verordneten Einschränkungen einhielten. Er versuchte, sie durch Steuerermäßigungen für Neubekehrte und andere Vergünstigungen zu gewinnen. Doch die übertritte zum Christentum blieben selten.

In Spanien wurde den Juden schon 306 auf der Synode von Elvira ihr Recht zur Mission und der Kontakt zu Christen entzogen. Daher hielten sie später zu den Goten, solange diese dem Arianismus folgten. Nachdem der Westgotenkönig Rekkared I.(586-601) zum Katholizismus übergetreten war, wurden die spanischen Juden erneut mit zahlreichen Auflagen unterdrückt und verfolgt. Erzbischof Isidor von Sevilla hetzte mit einer verbreiteten Schrift gegen sie, um ihre vollständige Vertreibung zu erreichen. So erfuhren die verbliebenen Juden die Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Araber 711 als Befreiung.

Im Byzantinischen Reich gaben Christen den Juden die Schuld an den Siegen der Muslime in Osteuropa, da beide das Gottsein Jesu ablehnten. Auch dort kam es zu Pogromen.

Im Frankenreich unter den Merowingern verbot das Konzil von Orleans 533 die Heirat zwischen Juden und Christen; hier kam es danach ebenfalls zu Pogromen und 582 zu Zwangstaufen. Ludwig der Fromme (814-840) stellte die Juden als Erster unter kaiserliche Vormundschaft und stellte wohlhabenden Juden besondere Schutzbriefe aus; doch das aufkommende Lehenssystem entzog ihnen diesen Schutz vielfach wieder. Sie gerieten nun in Abhängigkeit regionaler Bischöfe und Grafen, die ihnen den Bodenerwerb häufig untersagten und damit ihren sozialen Aufstieg erschwerten oder ausschlossen.

Damit wurde Juden der Handel und das Geldgeschäft zugewiesen. Wo sie diesen ungestört ausüben konnten, kam es bis zum 11. Jahrhundert zu einer gewissen Blütezeit jüdischer Gemeinden, die von einer reichen Literatur-, Kunst- und Poesieproduktion begleitet war: besonders in Süddeutschland, Böhmen, Lothringen und Städten wie Köln, Magdeburg, Mainz, Merseburg, Metz, Regensburg, Speyer, Trier, Worms.

Die Päpste verstanden sich weiterhin als Schutzherren der Juden und bestätigten die Predigt, nicht die Zwangstaufen als gültige Form der Judenmission mit zahlreichen Sicut-Iudaeis-Bullen bis in das 12. Jahrhundert hinein. Die Kreuzzüge machten dies schlagartig zunichte; die Alternative lautete nun "Taufe oder Tod", was 1096, 1147 und 1189/90 die Ausrottung vieler jüdischer Gemeinden bedeutete. Zwar hatte der Papst die Zwangstaufe 1150 im Decretum Gratiani letztmals verboten; doch im gleichen Jahr begann man Juden öffentliche Disputationen aufzunötigen. Jüdische Talmudschulen bildeten bald regelrechte Berufsdisputanden aus; aber argumentative und rhetorische überlegenheit im Disput nutzte ihnen nichts. Sie und ihre Gemeinden hatten vielfach nur die Wahl zwischen Unterwerfung oder Scheiterhaufen. Zugleich wurden die bekehrten Juden materiell unterstützt.

Im Kampf des Papsttums gegen die Albigenser und Katharer wurden die überlebenden Juden weiter isoliert. 1183 wurde dazu die päpstliche Inquisition eingerichtet und dem Dominikanerorden übertragen. Dieser setzte sich die Bekehrung aller Juden zum Ziel. 1215 wurden sie auf dem 4. Laterankonzil aus öffentlichen ämtern gedrängt, in Ghettos gezwungen und mit einer diskriminierenden Kleiderordnung zum leichten Ziel für Pogrome gemacht. Diese verschärfte Kirchenpolitik kann zum einen als Reaktion auf die weitgehend gescheiterte Judenmission der vorherigen Jahrhunderte, zum anderen als Projektion aufgefasst werden, weil sich die katholische Kirche auf dem Höhepunkt ihrer Macht zunehmend von "innerer Zersetzung" bedroht fühlte (Raul Hilberg).

Kaiser, Könige und Adeligen ließen sich den "Schutz" der Juden nun teuer bezahlen und machten sie zum Spielball ihrer Interessen. In Kastilien waren sie anfangs willkommen; im Zuge der Vertreibung der Mauren besiedelten sie deren Gebiete und bauten sie wieder auf. 1182 enteignete und vertrieb sie der Frankenherrscher Philipp II.; 1198 hob er dies Edikt wieder auf. Zwangsbekehrte Juden denunzierten nun öfter besonders eifrig ihre ehemaligen Glaubensgenossen.

1242 kam es in Paris zur öffentlichen Pariser Talmudverbrennung; auch andernorts wurden jüdische Bücher verbrannt. 1306 ließ Philipp der Schöne die französischen Juden erneut ausweisen. Bereits 1290 waren sie aus England vertrieben worden. 1391 begann der erneute Leidensweg der spanischen Juden mit den Massentaufen in Aragón. Dennoch hielten viele getaufte Juden, die sogenannten Marranen (Schweine), an ihren jüdischen Riten fest, selbst nach 1481, als sie unter Tomas de Torquemada Opfer der spanischen Inquisition wurden.

Trotz der regelmäßigen Hassausbrüche, zunehmenden Bedrohung und allgemeinen Feindseligkeit des christianisierten Europas gegen das Judentum gab es im Mittelalter immer wieder einzelne Juden, die aus aufrichtiger überzeugung Christen wurden. Einige stiegen in Führungsämter auf und förderten dann ihrerseits die Judenmission: so z.B. Erzbischof Paulus von Burgos (1353-1435). Den sogenannten "Proselyten" wurden an einigen Orten Schutz und Privilegien zuteil; in England z.B. errichtete Richard, Prior von Bermondsey nach Beschwerden der Juden über aggressive Abwerbungen um 1200 ein Hospital of Converts, das starken Zulauf erfuhr; ein ähnliches Institut wurde auch in Oxford gegründet. In Deutschland dagegen wurden Zwangstaufen fortgesetzt.

 
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