Die Mitschuld des Christentums am Holocaust

Die Mitschuld der christlichen Theologie an dem Holocaust ergibt sich aus dem immer wieder formulierten überlegenheitsanspruch des Christentums und der jahrtausendelangen Tradition des Antijudaismus. Auch wenn der Vorwurf des Christusmordes nicht explizit von der nationalsozialistischen Ideologie aufgegriffen wurde, kam es doch zu einem Wiederaufleben der Legenden vom Ritualmord. Auch andere Vorurteile gegenüber Juden aus der christlichen Tradition wurden aufgegriffen und durch die nationalsozialistische Propaganda verstärkt.

Kirche im 3. Reich - Kirche unterm Hakenkreuz Die christlichen Kirchen stellten während des Nationalsozialismus ihren offiziellen Anspruch der Judenmission allerdings zurück, da getaufte Juden in der Rasseideologie der Nationalsozialisten immer noch als jüdisch galten. Die Kirchen stimmten aber zum großen Teil zur Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik zu oder schwiegen zu ihr. Dabei berufen sich die evangelischen Landeskirchen auch auf auf Martin Luther. So zitiert beispielsweise Landesbischof Martin Sasse in "Martin Luther über die Juden - Weg mit ihnen!" (Freiburg 1938, S. 14) aus der Tischrede Nr. 1795: »Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücken führen, einen Stein um den Hals hängen und ihn hinab stoßen und sagen: Ich taufe dich im Namen Abrahams.«

Auf die Frage hin, warum der Vatikan nicht gegen die Judenvernichtung protestierte antwortete Papst Pius XII lapidar:

»Lieber Freund, vergessen sie nicht, dass in den deutschen Heeren Millionen Katholiken sind. Soll ich sie in Gewissenskonflikte bringen?«
Papst Pius XII

Die Geschichte wurde zur zweiten Offenbarungsquelle, Rasse und Volkstum als Teil der Schöpfungsordnung Gottes interpretiert. Als wirkungsvoll erwies sich im nationalen Luthertum die 1932 von Wilhelm Stapel entwickelte "Theologie des Nationalismus" oder Volksnomoslehre, in der der germanische Nomos des deutschen Volkes parallel zum jüdischen Nomos Israels als göttliches Gesetz ausgewiesen wird.

Auch nach dem Krieg beriefen sich ranghohe NS-Verbrecher und offene Antisemiten, etwa Julisu Streicher, selbst Organisator von Pogromen und Boykotten gegen Juden und Herausgeber des nationalsozialistischen Hetzblatts "Der Stürmer", ausdrücklich auf Martin Luther. Adolf Eichmann dankte lange nach dem Krieg den katholischen Priestern, in dennen er willige Helfer fand.

»Ich erinnere mich in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa und entschied, den katholischen Glauben zu honorieren, indem ich Ehrenmitglied wurde.«

Adolf Eichmann, 1961

Religiöse Gründe für den Holocaust

Der Antisemitismus, den die Nationalsozialisten propagierten und mit dem Holocaust vollstreckten, ist aus komplexen Wurzeln gewachsen: vor allem dem christlichen Antijudaismus. So gibt es bereits im Neuen Testament antijüdische Polemik, die das jüdische Volk als Ganzes für den Tod Jesu Christi verantwortlich macht (z. B. Mt 27,25). Im Aufstiegsprozess der Kirche zur Staatsreligion des Römischen Reiches wurden diese situationsbedingten Aussagen zu einer antijudaistischen Theologie systematisiert. Die dafür zentrale Lehre blieb in der Kirchengeschichte quer durch alle Konfessionen die „Gottesmord“-Theorie und die Substitutionstheologie, die von einer „Enterbung“ des Judentums durch die Kirche ausging, dargestellt etwa an der Symbolgestalt des „Verräters“ Judas Iskariot.

Kirchliche und staatliche Ausgrenzungspolitik sorgte im Mittelalter europaweit für die Isolierung jüdischer Gemeinden. Bei sozialen Missständen, Kreuzzügen und Seuchen entlud sich der religiöse Hass immer wieder in Pogromen gegen die Juden. Daran änderte die Reformation wenig, da auch der späte Martin Luther ein großer Judenhasser war. Sein Pamphlet Von den juden und iren lügen (Originaltitel) überlieferte alle antijudaistischen Klischees der Neuzeit. Dort wurden sie vom aufstrebenden Bürgertum in säkularisierter Form übernommen und mit anderen, auch außerbiblischen Motiven verknüpft. So wurde etwa die antijudaistische Legende vom „Ewigen Juden“ antisemitisch zu angeblichen Charaktereigenschaften aller Juden stilisiert.

Der Bremer Völkermordforscher Gunnar Heinsohn, Leiter des Raphael-Lemkin-Instituts für Xenophobie- und Genozidforschung an der Universität Bremen, vertritt die Auffassung, Hitlers Motiv für die Judenvernichtung habe darin bestanden, daß er die archaischen Stammespraktiken des Infantizids und der Völkervernichtung wiederherstellen und dafür das Volk des Tötungsverbots und der zehn Gebote auslöschen wollte.

Hitler habe dabei das "Du sollst nicht töten" (2. Mose 20, 13 und 5. Mose 5, 17) und das Gebot der Fremdenliebe (3. Mose 19, 33-34) nicht etwa übertreten, sondern auslöschen wollen, weil er es aufgrund seiner historischen Studien als eine "jüdische Erfindung" erkannt habe; er habe damit dem deutschen Volk Tötungshemmungen nehmen und ihm Rücksichtslosigkeit beim Ausmorden von Lebensraum verschaffen wollen. Moralische Skrupel beim Töten habe Hitler als nicht tolerierbare Schwäche im Lebenskampf gedeutet, das dem natürlichen Prinzip des rücksichtslosen Siegens des Stärkeren schwächend entgegenstünde und deshalb zu beseitigen sei, um den deutschen Volkskörper zu stärken.


Kirchliche Aufarbeitung des Holocaust

Bereits im Oktober 1945 verfassen evangelische Deutsche das Stuttgarter Bekenntnis - eine Stellungnahme evangelischer Christen zur Haltung ihrer Kirchen in der NS-Zeit. Es spricht noch nicht offen die Verbrechen an, benennt allgemein die deutsche Kriegsschuld. Aber bereits diese Formulierungen lösten Empörung, Unverständnis und heftigen Widerspruch der deutschen Öffentlichkeit aus und stießen nur selten auf Zustimmung.

Die Kirchen versuchen ihrem Schuldanteil an dem Zivilisationsbruch, den der Holocaust darstellt, ungefähr seit Beginn der 60er Jahre vermehrt in einem zum Teil schmerzhaften Aufarbeitungsprozess Rechnung zu tragen.

In der EKD bekennen sich heute immer mehr Teilkirchen im Gefolge der Rheinischen Synodalerklärung von 1980 zum „ungekündigten Bund“: Das jüdische Volk sei immer Gottes auserwähltes Volk gewesen und bleibe es, so dass Christsein niemals ohne jüdische Existenz möglich sei. Dies bezieht auch die Solidarität mit dem Staat Israel ein. Zudem wird erkannt, dass der Holocaust nie hätte geschehen können, wenn die Kirchen nicht jahrhundertelang alle Maßnahmen gegen Juden – außer der fabrikmäßigen Vergasung – vorexerziert hätten. Die aus dem Judentum geerbte Nächstenliebe wird als Auftrag zum Schaffen und Bewahren von Lebensbedingungen verstanden, die eine Wiederholung ähnlicher Verbrechen nachhaltig unmöglich macht.

Einzelne Landeskirchen haben Schuldbekenntnisse verabschiedet, die sich auch von judenfeindlichen Äußerungen Martin Luthers distanzierten.

Innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche ist das Verhalten von Papst Pius XII. während des Holocaust bis heute höchst umstritten. Der Papst hatte sich einerseits für die Rettung der römischen Juden eingesetzt, andererseits aber zu dem Völkermord geschwiegen, auch nachdem ihm die Tatsachen bekannt geworden waren.

In der katholischen Kirche begann die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld an Antijudaismus und Antisemitismus und mit der Verantwortung von Katholiken für den Holocaust erst nach Pius’ Tod im Jahr 1958. Sein Nachfolger Johannes XXIII. sprach die Juden erstmals in der Geschichte des Papsttums als „Brüder“ an. Das von ihm initiierte 2. Vatikanische Konzil verabschiedete 1965 die Erklärung Nostra Aetate, nach der es nicht länger kirchliche Lehrmeinung sei, die Juden kollektiv für den Tod Jesu Christi verantwortlich zu machen.

In dem Schuldbekenntnis Mea culpa aus dem Jahr 2000 hat Papst Johannes Paul II. zwar öffentlich die Schuld einzelner Katholiken an der Verfolgung der Juden zugegeben, ohne aber konkrete Fehler, Versäumnisse oder Verbrechen von Seiten der Kirche – etwa in Bezug auf den Holocaust – anzusprechen oder Möglichkeiten der Wiedergutmachung anzudeuten.
 
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