Die Anstandsstrasse

Von Miriam Woelke

Die Mehrheit sucht an den Sukkot - Feiertagen (Laubhüttenfest) jegliche Attraktionen im jüdischen Teil der Jerusalemer Altstadt, ohne allerdings zu ahnen, dass die wahren Feierlichkeiten ausschliesslich nur an einem Ort stattfinden: im ultra - orthod. Mea Shearim. Fast alle Rebbes sämtlicher chassidischer Gruppen sind anwesend und überall gibt es Feste in den Synagogen.

Gleich gestern Abend, kurz nach Beginn von Sukkot, machten wir uns schon auf den Weg dorthin. Vor der berühmten Synagoge der Karliner Chassidim mussten wir jedoch erst einmal herausfinden, wo genau sich der Fraueneingang in die Synagoge befindet. Eine Frau nahm uns direkt mit in die Synagoge und ich muss zugeben, dass wir ohne ihre Hilfe den Eingang niemals allein gefunden hätten.

 
Über zwei Nebenstrassen erreichten wir eine unscheinbare Treppe, die uns hinauf zur Frauenempore führte. Die Männerseite im Erdgeschoss war mit mehreren Hundert Chassidim aller möglichen Gruppen restlos überfüllt. Eine Kindergruppe der Karliner (nur Jungen) hatten sich vor dem Thoraschrein versammelt und sang lauthals mit den anwesenden Chassidim.

Ausser uns nahmen nur noch zwei weitere Frauen am Abendgebet Maariv teil. Nach Beendigung des Gebetes wurden unten an die Kinder Süssigkeiten verteilt und oben kam ich kurz mit einer der Frauen ins Gespräch. Ich sprach ein Gemisch aus Yiddish und Hebräisch, was aber gut anzukommen schien. Es hat uns sehr gut bei Karlin gefallen und wir werden demnächst wieder vorbeischauen.
Danach wanderten wir einige Zeit durch Mea Shearim, um später am Abendessen bei Rabbi Mordecha Machlis in dessen Sukkah (Laubhütte) teilzunehmen.

Die Strassen Mea Shearims waren menschenüberfüllt, denn viele Leute genossen in der warmen Spätsommernacht ihren Abendspaziergang. Die Hauptstrasse, Mea Shearim Street, war zugehängt mit Plakaten und im Synagogenbereich der chassidischen Gruppen Toldot Aharon, Avraham Yitzchak und Breslov waren Absperrgitter mit Plastikplanen zugedeckt aufgestellt. Wir begannen uns zu fragen, was das alles für eine Bedeutung haben soll und ich las ein paar Plakate (Fakshivilim).

Während der Sukkot - Feiertage wird die Mea Shearim Street allabendlich inoffiziell für Frauen gesperrt. Die vielen Schilder wiesen darauf hin, dass zu den Synagogenaktivitäten bei Toldot Aharon sowie Avraham Yitzchak Männer und Frauen auf getrennten Wegen in die Synagoge kommen müssen. Zwei getrennte Eingangstüren scheinen nicht mehr auszureichen.

Wer aus Richtung Kikar Shabbat die Mea Shearim Street in Richtung Shivtei Israel (grosse Breslov Synagoge) hinuntergeht, der kann NUR als Mann die gesamte Strasse entlanggehen. Frauen machen stattdessen eine Abbiegung nach links in die Shomrei Emunim Street und gelangen über den Toldot Aharon Hinterhof in die Synagoge. Bei Toldot Avraham Yitzchak läuft das Gleiche ab.

Die Warnschilder sind allgegenwärtig und mit ihren knallig grünen und orangen Farben nicht zu übersehen. Ich hörte, dass dieser Tage alles sehr streng gehandhabt wird und nebenbei sieht man viele Warnschilder gegen christliche Missionare an den Wänden hängen. Auch in Mea Shearim werden die Bewohner vor jeglicher Teilnahme am Marsch der Christen durch Jerusalem am 2. Oktober gewarnt.

Trotz Feiertagsstimmung hing eine seltsame Atmosphäre in der Luft und ich würde dieser Tage keinem Christen einen Besuch in Mea Shearim empfehlen. Anscheinend ist die Stimmung aufgrund von idiotischen Missionierungsversuchen dermassen gestört, dass alle anderen Christen darunter leider müssen und schief angesehen werden.

Ich muss zugeben, dass mich die Trennung der Hauptstrasse nach Geschlechtern sehr geschockt hat. Wir werden uns in den kommenden Tagen fast täglich in dem Stadtteil aufhalten und daher werde ich noch einiges zu dem Thema zu berichten haben. Ausserdem erzählte uns jemand, dass die Trennung strikt eingehalten werden wird, denn es wurde eigens zu diesem Zweck ein privates Wachunternehmen engagiert.

Kritische Stimmen hörte ich von anderen Haredim (Ultra - Orthod.). Das sei ja alles total übertrieben und ausserhalb jeglicher Logik. Dennoch werden sich alle Einwohner und Besucher wie wir an diese Bestimmungen halten müssen, wenn wir nicht rausfliegen wollen.

Einen Hinweis, wer hinter der ganzen Aktion steckt, ersahen wir aus den Plakaten nicht. Dort stand lediglich der Name eines selbsternannten "Kommittees zur Reinheit". Ob dieses Kommittee Teil der anti - zionistischen Edah HaCharedit ist, konnte niemand sagen.

Neu ist die Idee nicht, denn immer mehr extreme Haredim verlangen aus Anstandsgründen getrennte Strassenseiten für Frauen und Männer. Derlei Forderungen gab es schon in Bnei Brak und Beit Shemesh.

Ich habe viel darüber gelesen und dachte jedesmal, das kann doch nicht sein. Deshalb war ich gestern ziemlich geschockt als ich die Aufrufe sah und jetzt erlebe ich das alles auch noch life mit .

Die Trennung endet nach Sukkot und ich frage mich, ob die Stadtverwaltung von den Vorgängen weiss.

Dieser Artikel stammt aus Miriam Wölkes Blog "Hamantaschen"

 

 
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