Der Papst kürzt

Von Miriam Wölke 

Papst Benedikt gab offiziell bekannt, dass das umstrittene Gebet, welches Christen auffordert "für die Erlösung der Juden von ihrer Blindheit" zu beten, um einige Punkte gekürzt werde. In diesem ursprünglichem alten katholischen Gebet befinden sich Textstellen wie: "Die Juden seien mit Blindheit geschlagen und haben einen Vorhang vor den Augen. Daher sehen sie die "wahre" Botschaft nicht, die da heiße, dass J. der Meschiach sei.


Wieviele Male mußte ich mir allein diese Behauptung von christlichen Missionaren anhören ? Die Juden sehen die Realität nicht, denn sie besitzen keinen "Heiligen Geist", weil sie nicht an J. glauben.

Jedesmal fragte ich mich aufs Neue, was die Menschen dazu bringt, solchen Theorien Glauben zu schenken. Ist es die Bequemlichkeit mit der sich so alles leichter erklären läßt und jeden Ansatz der jüdischen Rechtfertigung von vornherein im Keim erstickt ?

Das Blättern in Geschichtsbüchern brachte etwas Erklärung. So auch das Buch "Studies in the Jewish Background on Christianity" von Daniel R. Schwartz. In dem Buch und auch in anderweitiger Literatur bzw. historischen Belegen, wird insbesondere Paulus (Paul) für den ersten Antisemitismus der Kirche verantwortlich gemacht.

Paulus, selber Jude mit eindeutigem hellenistischem Hintergrund, konnte gar nicht anders als relig. Juden zu hassen. Sein ganzes Denken war vom Hellenismus geprägt, der da die jüdisch - relig. Tradition generell ablehnte. Paulus war das Produkt dieses Hellenismus und ihm waren Rabbiner ein Dorn im Auge. Stattdessen drehte er jüdische Glaubenspunkte so zurecht, bis sie in sein hellenistisches Weltbild paßten. Unter anderem behauptete Paulus, dass jeder durch seinen Glauben ein wahrer Sohn Avrahams werden könne.

Nun wissen wir, dass Glaube allein im Judentum NICHT ausreicht. Die Thora wurde uns gegeben, damit wir etwas aktiv tun, spricht die Thoragesetze (Mitzwot) erfüllen. Allein dazusitzen und zu sagen "Ich glaube" ist nicht genug. Durch unsere Mitzwot verändern wir die Welt zum Positiven und genau deswegen befinden wir uns in dieser Welt.


Jeder kann ein wahrer Sohn Avrahams werden ? Im Sinne der Thora sicher nicht. Sie nämlich legt Wert auf biologische Abstammungen; ein Inhalt, der sich durch die gesamte Thora zieht. Auf die 12 Israelitischen Stämme wird hoher Wert gelegt, denn hier herrscht absolute Priorität in bezug auf die Cohanim (Tempelpriester). Jene Cohanim kommen im Dritten Tempel wieder zum Einsatz und somit spielt die biologische Abstammung bzw. reine Stammeszugehörigkeit im Judentum eine immense Rolle. Nicht jeder kann so einfach mir nichts, dir nichts daherkommen und die Halachot (Gesetze) nach Belieben durcheinanderwürfeln.

Aber auch wir wissen heutzutage in den wenigsten Fällen, welcher Jude welchem Stamm zugehörig ist. Offiziell heißt es dazu, dass der Meschiach über einen bestimmten Geruchssinn verfügen wird und uns wissen läßt, zu welchem Stamm wir uns zählen dürfen (auch Konvertiten zum Judentum).

Des Weiteren spielte der Tempel für Paulus keine Rolle.
Auch dies deckt sich mit den Ideen des Hellenismus, Opferungen seien irrelevant. Die gesamte Thora habe keine besondere Gültigkeit mehr, denn sie sei ganz einfach hinfällig.
Hellenismus pur.

Um die jüdische Religion zu praktizieren, bedarf es keines Tempels, wie wir zu heutiger Zeit sehen. Nichtsdestotrotz beschreibt der Prophet Yechezkel den kommenden Dritten Tempel nach der Ankunft des Meschiach. Ein Dritter Tempel, indem es wieder einen regulären Tempeldienst der Cohanim (Tempelpriester) sowie der Levi'im (Leviten) geben wird. Auch Tieropferungen, welche zu heutiger Zeit schon als Tierquälerei gelten.

Aber wieso gab es überhaupt diese Tieropfer ? Diese uralte Idee aus der Antike klingt für uns geradezu absurd und primitiv. Ich brauche doch keinen Vogel oder Bullen auf irgendeinen Altar zu schleppen. Was bringt mir das ?

Der Rambam (Maimonides) war der Meinung, dass G - tt den Israeliten den Opferdienst gab, damit sie nicht den Praktiken anderer Völker folgten. Tieropferungen waren allgemein beliebt und die Israeliten setzten sich immer wieder der Gefahr des Götzendienstes aus. Ein Schritt, dies zu verhindern, war die Einsetzung von Tieropferungen im Tempel (und auch vorher im Tabernakel - Mischkan).

Die Thora und der Talmud unterscheiden zwischen unterschiedlichen Opferungen zu ebenso unterschiedlichen Anlässen. Die Kabbalah geht einen ganzen Schritt weiter und beschreibt, was genau eine persönliche Tieropferung in unserer Seele auslöst. Wichtigster Opfergrund ist natürlich die Vergebung diverser privater Vergehen. Für uns dient dies als spiritueller Reinigungsprozeß. Nicht unbedingt das Opfertier ist von Bedeutung; eine vollkommene Teshuva (Umkehr zu G - tt) setzt einen ernsthaften Willen zur Umkehr voraus. Gehe ich zum Tempel und opfere, ohne den eigentlichen Willen zur Umkehr, dann ist mein Opfer unnötig. Zuerst muß das Fehlverhalten individuell erkannt werden, woraus folgen sollte, in Zukunft alles besser zu machen. Heutzutage geben viele als Zeichen dessen Spenden. Ein chassidischer Brauch ist u.a. das Beten von Psalmen.

Der Tempel ebenso wie die unantastbare ewige Gültigkeit der Thora sind in der Thora mehrmals verankert. Der Tempelberg in Jerusalem wird nie namentlich erwähnt, sondern immer heißt es, dass G - tt uns an einen Platz führen wird, den Er bestimmt. Viele Male läßt uns die Thora wissen, dass sie auf ewig Gültigkeit besitzen wird. Auch wird gewarnt, dass kein Mensch ein Recht habe, ihre Gesetze und Inhalte zu verändern, Inhalte herauszunehmen oder hinzuzufügen. Im Talmud Sanhedrin heißt es, dass selbst ein Prophet keinerlei Recht hat zu behaupten, G - tt habe ihn wissen lassen, dass dieser oder jener Thorainhalt nicht mehr gilt. Solch ein Prophet sei ein falscher Prophet (Navi Scheker) und auf ihn warte die Todesstrafe.

Natürlich sind die Juden der Kirche bis heute ein Dorn im Auge, geht es ihr doch darum, ihre Machtposition zu sichern und ggf. auszubauen. Allerdings frage ich mich immer, ob gelehrte Kirchenobere wirklich ihre eigenen Dogmen glauben, wenn die Geschichte Dokumentenfälschungen aufzeigt.

Wenn der Papst nicht durch die aufbrausende Kritik gestört worden wäre, dann hätte er das Gebet, welches die Juden der Blindheit bezichtigt, niemals geändert. Ein Papst, der in seinem letzten Buch die Bedeutung des Ersten Buches Moshes in der Thora (Exodus - Bereshit) vollkommen missinterpretierte, indem er dessen Bedeutung einzig und allein auf die Sünde im Paradies bezog.
Bereshit beschreibt die Gründung des Jüdischen Volkes an sich, aber dies hat der Papst gänzlich übersehen. Stattdessen wird auf den Dogmen eines hellenistischen Juden (Paulus) bestanden, dessen Weltbild es war, das relig. Thorajudentum zu hassen.


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"Der Teufel und die Juden"

 

Dieser Artikel stammt aus Miriam Wölkes Blog "Hamantaschen"

 
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