Haya Sameach - היה שמח

Von Miriam Wölke 

"Haya Sameach" im israelischen Slang hat eine besondere ironische Bedeutung wie "wenigstens war es nicht langweilig".


Es war sonnig warm am vergangenen Schabbat und viele relig. Juden nutzten die Gelegenheit zu Spaziergängen. Und so war der ultra – orthodoxe Stadtteil Jerusalems, Mea Shearim, voll mit Leuten. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Mea Shearim zwar der bekannteste solcherlei Stadtteile ist, doch bei weitem nicht der einzige. Nur befinden sich die meisten chassidischen Tische gerade dort, aber viele chassidische Synagogen sind genauso in Kiryat Belz, Mattersdorf, Sanhedria, Ge'ulah, Ramot oder Romema zu finden.

Freitag Abend erschien es gerade so als seinen Touristenbusse eingefallen, um ihre Ladung auszuschütten. Natürlich gibt es am Schabbat keine Busse in Mea Shearim, aber an israelischen Besuchern fehlte es ganz sicher nicht.

Ausnahmsweise nahm ich eine Freundin mit auf Tour und wir begannen mit dem Abendgebet Maariv bei den Karlin – Stolin Chassidim. Überflüssig zu erwähnen, dass die Karliner wieder voll in Action waren. Ekstasische Gebete mit größter Kavanah (Konzentration) und am Ende des G – ttesdienstes bekamen die kleinen Jungen ihre Süssigkeiten ausgeteilt. Dies ist ein Brauch in den meisten chassidischen Synagogen. Die Jungen bekommen am Freitag abend einen kleinen Plastikbeutel mit gemischten Süssigkeiten und die Mädels sind beim Morgengebet (Schacharit) an der Reihe.


Hinterher ging es, wie gewohnt, zum Schabbatessen zu Rabbi Mordechai Machlis und gleich darauf wieder zurück nach Mea Shearim. Die chassidische Gruppe Toldot Aharon sollte Sheva Berachot geben.
Sheva Berachot heißt übersetzt "sieben Segen" und es handelt sich um eine allabendliche Zeremonie, welche sieben Tage lang nach einer Hochzeit stattfindet. Ein Essen mit mehreren Gästen, bei denen die männlichen Anwesenden mehrere Segen zum Wohle des Brautpaares sagen.

Die Frauenempore der Toldot Aharon war überfüllt und dann war auch nur ein Raum der vorhandenen zwei zugänglich. Offensichtlich war der zweite Raum nur für die Familie der Braut geöffnet und so mußte sich der Rest in einen Raum quetschen. So drängte sich alles auf die Stufen der aufgestellten Metallgestelle und jedesmal, wenn eine Frau wieder auf die Idee kam, das Gerüst zu erklimmen, kam alles ins Wanken. Wir standen nur an der Seite, konnten aber dennoch kurze Blicke auf den im Erdgeschoß sitzenden Rebbe David Kahn werfen. Rechts von ihm sass der Bräutigam und links des Rebben jüngerer Bruder. Aber auch das Erdgeschoß war restlos überfüllt. Ich denke einmal, dass aufgrund der Festlichkeiten auch die Toldot Aharon Chassidim angereist waren. Es war kaum noch ein Stehplatz zu ergattern, aber trotzdem waren auch Besucher wie litvische Haredim oder Nationalreligiöse mit von der Partie.

Dann stürmte auch noch eine komplette Gruppe nationalrelig. Girls auf die Frauenempore und jedesmal wenn dies geschieht, gibt es kein Entkommen für die Toldot Aharon - Frauen. Ihnen bleibt nichts übrig als sich ihrem Schicksal zu ergeben, sprich den oft frechen Girls (Chutzpaniot). Alle nur erdenklichen Fragen prasseln auf die Frauen nieder und insbesondere die jüngeren Gruppenmitglieder finden dies sehr amüsant. Immer irgendwie mit einem ironischen Lächeln in Richtung der nationalrelig. Girls.

Die Rabbi Kook Fans (der erste zionistische Oberrabbiner Israels, und an dieser Stelle sind sarkastischweise die nationalrelig. Girls gemeint) breiteten sich in Windeseile aus und wir flüchteten zur nahegelegenen Toldot Avraham Yitzchak Synagoge. Allerdings fand dort kein Tisch statt und ich glaube, dass Rebbe Shmuel Yaakov Kahn den Tisch stattdessen in Beit Schemesch schmiss.

Und wo kann man sonst noch hingehen ?
Wer liegt in unmittelbarer Nähe ?

Richtig, die Slonim, bei denen wir seit Oktober schon nicht mehr waren.

Also gingen wir zu den chassidischen Slonim, über die so manche sarkastische Zunge behauptet, dass sie ja wohl eher den litvischen Juden gleichen. Na, lasst das mal keinen von den Slonim hören.

Übrigens ist es immer wichtig zu erwähnen, welche Slonim.
Die aus Bnei Brak oder jene in Jerusalem, denn sie sind in eben jene zwei Gruppen gespalten. Zwei Gruppen, die sich untereinander nicht ausstehen können.

Bei den Slonim war viel Platz auf der Frauenempore. Obwohl sie in Mea Shearim eine große bekannte chassidische Gruppe sind, scheinen sie auswärtigen Besuchern eher unbekannt zu sein. Und so war die Frauenempore fast leer. Wenn ich eines nicht verstehe, dann nicht warum die Slonim Frauen nicht am Tisch teilnehmen. Muß wohl ein interner Brauch sein. Und bei den Slonim brauche ich immer etwas Gewöhnungszeit für den Anblick der schwarzen Kaftane. Wenn man von den Toldot Aharon oder Karlin kommt, ist man das Schwarz nicht mehr gewöhnt und sieht nur noch seidig hellbraun. Die Slonim hingegen tragen am Schabbat nur schwarz. Genauso wie Gur und Belz.
Und ich muß ehrlich zugeben, dass mich die Melodien (Niggunim) der Slonim nicht unbedingt begeistern. Zu militärisch klingend. Bisher haben die Belzer auf mich den besten Niggunim – Eindruck gemacht, obwohl die Toldot Aharon über die beste Klezmer – Band verfügen.

Wie auch immer, Rebbe Shmuel Brozovsky hält seinen Tisch knapp. Er macht Kiddusch (Segnung des Weines) und danach wird nur noch gesungen. Essen, wie andere Rebbes beim Tisch, tut er nicht.
2 – 3 Stunden höchstens und alles ist vorbei. Und die Hälfte der Zeit war schon herum als wir eintrafen. Danach entschlossen wir uns zu einem weiteren Toldot Aharon – Anlauf. Ich war ganz einfach zu müde, um mich zu Kretchnif oder Dushinsky aufzumachen. Selbst bei den Schomrei Emunim vorbeizuschauen, vergassen wir.
Unser zweiter Anlauf war wesentlich erfolgreicher. Die nationalrelig. Girls waren auf dem Weg zum Ausgang und wir dachten erst, es sei jetzt eine Menge Platz. Fehlanzeige, denn die Toldot Aharon – Frauen hatten die Show übernommen. Es gab wieder keinen Platz, doch schließlich zog uns ein Gruppenmitglied auf das Metallgerüst hinauf und wir konnten alles mühelos überblicken. Rebbe David Kahn war in bester Laune, was anscheinend auch auf seine Chassidim übersprang. Man konnte die Frauen alles fragen und wir bekamen prompt sämtliche Antworten. Die Nationalrelig. hatten ihren besten Tag erwischt und machten sich mit vielen Infos und viel Gedankenstoff auf den Heimweg.

Weitere gesichtete Tischbesucher bei Toldot Aharon:
Viele Frauen von Dushinsky und Satmar.


Am nächsten Morgen kehrte ich zur Toldot Aharon Synagoge zurück. Ein kurzer Blick hinein genügte, um die Flucht zu ergreifen. Es war wieder nur ein Raum vorhanden und ich wollte bei dem schönen Wetter nicht eingequetscht mit Hundert Frauen irgendwo sitzen. Mich rief die Natur und die Sonne und so ging ich zur Klagemauer (Kotel), um am G – ttesdienst von Rabbi Mordechai Machlis teilzunehmen. Ich war froh, für das Morgengebet Schacharit nicht in Mea Shearim geblieben zu sein. Nach Toldot Aharon hatte ich erst Breslov oder Stropkov in Erwägung gezogen. Ehrlich gesagt, dachte ich dann aber an den Sonnenschein und fühlte, dass ich eine Pause brauchte. Draußen sitzen und die Natur geniessen. Oder wie die Breslover Chassidim sagen würden: "G – ttes Schöpfung geniessen und ein wenig Hitbodedut betreiben".

Ich gehöre keiner bestimmten chassidischen Gruppe an und bin froh darüber. Manchmal aber fühle ich mich zu sehr zu den Toldot Aharon hingezogen. Nicht immer ist das gut und deswegen gebe ich ihnen und mir eine Pause. Ansonsten reichen sie mir demnächst ein Aufnahmeformular und ziehen mich in ihre Gruppe.

Bleibt noch das Mittagessen am Schabbat bei Rabbi Mordechai Machlis:
Nach mehr als einem Jahr war es einmal wieder soweit. Ein christlicher Missionar aus Washington versuchte sein Missions – Glück. Er stand auf und zitierte etwas aus den Propheten. Rabbi Machlis korrigierte ihn und meinte, wenn er schon zitiere, dann möge er dies gemäss dem Original tun und nicht anhand falscher Übersetzungen. Der Missionar stand recht perplex da und fuhr fort, dass wir Juden ja offenbar ein Problem mit dem Verständnis haben, denn seitdem der Tempel weg sei und wir J. nicht als den Meschiach anerkennen, G – tt uns mit Blindheit straft. Der Papst läßt hier freundlichst grüßen.

Ich habe keine Lust mehr die Dummheit solcher Ideen zu erklären und lasse dies einfach einmal so stehen.

Rabbi Machlis reagierte perfekt und konterte. Auch die anwesenden Gäste hatten langsam die Nase voll und das Interesse war auf dem Nullpunkt. Der Missionar gab auf und jemand anderes ergriff das Wort mit einer witzigen Story. Danach stand Ron Ovadiah auf und hielt eine mehr als ergreifende Rede, wobei er sich an den Missionar wandte:

Seine Mutter sei in Auschwitz gewesen und führe nun seit drei Jahren israel. Jugendgruppen durch das KZ. Das Haus der Machlises sei ein Haus, welches die Thora live lebe. Gastfreundschaft und Güte (Chesed). Der Rabbi sei ein großer Rabbiner und da komme so ein naiver Missionar daher, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und meint, im Hause des Rabbis seinen Müll ablassen zu müssen. Wie lange soll der Auschwitz – Ausrottungsprozeß eigentlich noch anhalten ? Erst wurden die Juden in Vernichtungslagern umgebracht und nun strömen die christlichen Missionare aus, wobei sie sich nicht schämen, sich vorher bei den Juden ordentlich durchzufressen.

Der Missionar war platt und wird nicht mehr erscheinen. Vielleicht gibt ihm all das ja etwas zu Denken und es bewirkt etwas Positives.

 

Dieser Artikel stammt aus Miriam Wölkes Blog "Hamantaschen"

 
-.png   +.png

Main Menu
Aktuell
Wissen
Web
Kontakt
Evangeliumskirche Glaubensgeneration in Mission Gottesreich "Eine umfassende Übersicht über die Evangelikale Szene in Deutschland. Uneingeschränkt empfehlenswert!"

Image

Wir wehren uns gegen Judenmission

 

     
Juden & Jesus
                  
                                        
Antizionismus


Zionismus


© Dezember 2017 Maschiach.de // Roman Gorbachov // Blog // Umsetzung // Datenschutzerklärung // Impressum