Mein Tag bei der Sekte Glaubensgeneration - Teil 1

Ich bin nicht gläubig. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum der Sonntag, den ich in Gesellschaft der Glaubensgeneration verbringen durfte, mich eher abgestoßen, als angezogen hat. Als ich eingeladen wurde, mich im Cafe umzusehen und danach am Gottesdienst teilzunehmen, fragte ich was es denn zu essen gäbe. Der einfach gestrickte Mensch, denkt in einfach gestrickten Dimensionen. Was sind die Pros, was die Contras? Lohnt es sich für mich eine Veranstaltung zu besuchen, die mich überhaupt nicht interessiert, im Austausch gegen eine warme Speise? Da ich nichts Besonderes vorhatte lautete die Antwort „Ja“ und nach einer kurzen Fahrt mit der Bahn stand ich vor dem Eingang des Cafes.

Die Räume des Cafes waren voller Menschen und ich machte mich auf die Suche nach einem Platz. Die Bedienungen hinter dem Tresen waren voll beschäftigt, denn wie es aussah, waren die Anderen auch nicht nur wegen des anstehenden Gottesdienstes erschienen. Die Menschenschlangen waren lang und im Hinterzimmer wurden Bierzeltgarnituren aufgestellt, um den Massen ein geruhsames Mahl im sitzen garantieren zu können. Ich fand einen kleinen Ecktisch und machte es mir bequem und überlegte erstmal abzuwarten, bis sich die Menge beruhigte. Ich legte meine Jacke ab und schaute mich um. Viele der Leute waren fein gekleidet, andere ganz leger. Es waren ältere Personen anwesend, aber auch kleine Kinder. Es wurde Schach, Tischtennis und Billard gespielt. Die Menschen unterhielten sich über verschiedene Dinge und ich kam zum Entschluss, dass dieses Publikum sich die ganze Woche auf den Sonntag vorbereitet und gefreut hat. „Du bist neu hier?“ fragte mich ein rothaariger Junge um die achtzehn in einem für Russland-Deutsche typischen Deutsch. Ich sagte, dass ich mich mal umschauen wollte und schielte dabei, auf seine Hand, die sich auf meine Schulter gelegt hatte. Er stellte Fragen darüber wer mich mitgebracht hätte, ob es mir gefalle und woran ich glauben würde. Ich versuchte die Antworten kurz zu halten, denn die Hand fing an mich zu streicheln.

Bevor ich fragen konnte, ob ich ihm meinen Pullover als Andenken da lassen sollte, rief ein anderer Jugendlicher den Rotschopf zu sich und ich konnte mich wieder hinsetzen, zwar immer noch verwirrt, aber fest entschlossen nichts warmes mehr zu sich zu nehmen. Ich aß süßen Kuchen und trank Cola light, als ich meinen neuen Freund auf mich zukommen sah.

Der Rothaarige setze sich mir gegenüber, worauf ich mich nach hinten in die Lehne drückte. Jetzt sprach er Russisch. Ebenfalls mit Akzent. Er entschuldigte sich für die Unterbrechung von davor und stellte sich vor. Sein Name war Epp, Paul Epp und er war im Auftrag Gottes auf mich angesetzt worden. Der Sohn des Pastors sprach mit mir wieder über Religion. Meine Gedanken waren beim süßen Kuchen.

Ich sagte ihm, dass ich Jude sei, in der Hoffnung, dass ich als Nachfahre der Erlösermörder es nicht mehr Wert sein werde, von einem Erleuchteten beraten zu werden. Der Schuß ging aber leider nach hinten los. Paul fing an schnell, schtotternd und zum Teil bibelgetreu Dinge wiederzugeben, um mich zu überzeugen. Nachdem der Größte Teil seines Wissens aus der Bibel verschossen war, verfing sich der Pastor in Spe in Widersprüche und sogar ich, als jemand , der die Bibel zu einem sehr kleinen Teil kennt, wusste, dass dies meine Chance war zu entkommen. Gleichzeitig mit diesem Gedanken setzte sich der Jugendliche, der mich vorher gerettet hatte zu uns und stellte sich ebenfalls, als Sohn des Pastors vor. Auf meiner Zunge tanzte die Frage, ob die beiden von einer Mutter seien, da absolut keine ähnlichkeit bestand. Ich liess es aber aus Höflichkeit und Angst davor, bei Fremden Menschen ein Trauma auszulösen, sein und hörte eine kurze Zeit lang ebenfalls meinem ehemaligen Retter bei seinen verzweifelten überzeugungsversuchen zu. „Vielleicht sogar nicht der gleiche Vater“ dachte ich mir, da die Rhetorik, zwar im gleichen schlechten Russisch, aber um Einiges unüberzeugender war.

Als auch Arthur fertig war, verabschiedete ich mich kurz auf die Toilette, „vergas“ jedoch leider zurückzukommen und ging nach hinten, wo eine Menschenmenge Billard spielte. Als erstes fiel mir ein Mann auf, der in einer großen Brille, die Arme verschrenkt hielt und andauernd irgendwelche Witze in die Runde rief. Er trug eine Braune Hose und ein in gleicher Farbe passendes Hemd. Das ganze erinnerte mich an eine Uniform des dritten Reiches. Erst später erfuhr ich seinen Nachnamen. Er hieß Eichmann, was die Situation im Nachhinein noch amüsanter macht. Ein paar wenige lachten. Vielleicht waren es keine Witze für einfach gestrickte Menschen.

Die Runde war vorbei und ich nahm mir ein Köh, um mein Können unter Beweis zu stellen. Leider gelang es mir nicht, denn wir mussten nach einigen Stößen aufhören. Bis zum Gottesdienst war es nicht mehr lange und wir mussten aufbrechen, um nichts zu verpassen. Auf dem Weg zum Ausgang hielt mich ein Mann an. Er war in einen Anzug gekleidet, hatte graue Strähnen im Haar, markantes Gesicht, von der Statur etwas kräftiger und etwas kleiner als der Durchschnitt. „Neu hier?“ fragte er auf russisch. Meine Schulter begann nervös zu zucken. Nach einer kleinen Befragung und ein paar Streicheleinheiten, stellte sich heraus, dass das der Mann war, der das gesamte steuerte. Er stellte sich als Pastor vor. Alexander Epp.

Der Pastor lies mich im Minivan mitfahren. An Bord waren alle seine Kinder. Fünf an der Zahl. Zu meinem Glück redeten sie während der gesamten Fahrt über die Religion und Jesus. Ich fühlte Langeweile und den Kuchen wieder aufsteigen. Leider war die Reise nach einer halben Stunde vorbei und ich konnte nicht erfahren, ob Jesus an der Tür zum Paradies steht, oder die Tür selbst ist, was absolut ins Irreale und damit in die Wirklichkeit dieser Menschen geführt hätte.


Alex Klymov, Mülheim an der Ruhr
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Es ist erstaunlich wie sehr Satire unverstanden bleiben kann. Für die humorlosen Gesellen, soll gesagt sein: Dieser Artikel beschreibt den ersten Eindruck eines nicht religiösen Menschen (Der Autor ist angegeben), der die Glaubensgeneration vor Jahren besucht hatte. Niemand in seiner Lage kann wissen, ob Paul, Arthur und wie sie noch alle heißen, die selbe Mutter oder den selben Vater haben oder nicht.

Das ist auch nicht die Kernaussage des besagten Textes und oben drein völlig irrelevant. Die Kernaussage ist und bleibt: Die Situation, in die man die Besucher des Cafes an der Bergiusstr. lockt ist unheimlich lustig und die Menschen vermitteln eine irelalen Eindruck, von einer sorglosen Unbeteiligkeit. Niemand und vor allem nicht Herr Eichmann, soll hier beleidigt werden. Auch wenn der Name Eichmann unangenehme Emotionen hervor ruft, aber eben dieses Gefühl ist auf eine spritzige, erfrischende Weise erklärt worden.

Satire ist die Kunst auf eine kluge Art negatives aufzuzeigen und leider müssen alle genannten Personen mit etwas Kritik umzugehen lernen.

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