Ostern 2007 in der Glaubensgeneration

An sich habe ich mich auf das Theaterstück der Evangeliumskirche Glaubensgeneration, im Marientor-Theater gefreut. Die Woche war sehr anstrengend und da meine einzige Alternative darin bestanden hätte, den Tag vor dem Fernseher ausklingen zu lassen, beschloss ich mich nach Duisburg zu begeben.

Viel hab ich schon über die Macher des Stücks gehört und Gutes war nicht viel dabei, jedoch nahm ich mir ein weiteres mal vor, unvoreingenommen an die Sache heran zu gehen und das Ganze vorurteilsfrei zu betrachten.

 Vor dem Marientor-Theater viel zu früh angekommen verschaffte ich mir zunächst einen Überblick über die Gesamtsituation. Mich überraschte, dass die Glaubensgeneration doch über so zahlreichen Mitglieder zu verfügen schien. Die Leute begrüßten sich alle freundlich und die Stimmung vorm Eingang war sehr ausgelassen und warm. Nichts desto trotz hatte ich Bedenken schon jetzt um meine Teilnahme zu bitten und machte noch einige Runden um das Gebäude.

Mit der Zeit löste sich die Menschenansammlung auf, es  wurde also Zeit. Ich besorgte mir eine Karte, versuchte mit niemanden Blickkontakt aufzunehmen und beantwortete alle Fragen auf Deutsch, da ich davon ausging, dass ich so Folgefragen vermeiden kann.

Mit der Karte  in der Hand schlenderte ich durch die Lobby, vorbei an den freundlichen Menschen in rot. Links außen, fand ich einen wenig bevölkerten Ort und nahm dort Platz. Eine angenehme Stimme schallte durch die Lautsprecher des Theaters, eine Art Fahrstuhlmusik ertönte, die Instrumente wurden nochmal eingestimmt und in mir  kam eine Art merkwürdige Vorfreude auf. Leider wusste ich zu dem gegeben Zeitpunkt nicht, dass es sich jetzt um den mit Abstand besten Moment des Abends handelte.

Der Saal fühlte sich immer mehr und mit dem Dimmen des Lichts erstickte auch der Lärm.

Eine musikalische Darbietung leitete das Stück ein, weiß angezogene Schauspieler sangen von Musikinstrumenten begleitet über Jesus, „unseren Erlöser“, es wurde
abwechselnd in Russisch und Deutsch gesungen, es war nicht ganz mein Fall, aber doch annehmbar, schließlich handelte es sich nicht  um professionelle Musiker.

Dem Text schenkte ich weniger Beachtung und konzentrierte mich mehr auf die Rauchsäulen, Lichteffekte und die gut positionierte, jedoch psycheldelisch wirkende Hintergrundleinwand, die den Chor farblich unterstützten und der Musik den letzten Schliff verleihen sollte.

Bereits zu Beginn des Stücks wurde das Publikum aufgefordert aufzustehen, so fand ich mich in Mitten stehender und Teils euphorisch wirkender Menschen. Einige Zuschauer empfanden die Darbietung als so  erregend, dass sie ihre Arme wie Flügel öffneten und auf der Musik zu segeln schienen, andere sangen mit geschlossenen Augen vor sich hin und rollten Ihren Kopf von links nach rechts und wieder zurück.

Als die Musik ausklang setzte sich das Publikum und der Pastor der Gemeinde wurde angekündigt, übergangslos stürmte er auf die Bühne, ihm hinterher ein junger Mann in weiß.

„Jesus ist auferstanden“ schrie der Pastor auf Russisch ins Publikum, verzögernd folgte die Übersetzung in die Landessprache, durch seinen Begleiter. Der Versuch durch diese Worte eine Resonanz durch das Publikum zu erhalten scheiterte jedoch auch im dritten Anlauf. Unterstützung und Beifall wurde aus den vorderen Reihen und durch die „Segelflieger“ signalisiert. Nach einigen einleitenden Worten zum Fest wurde das Theaterstück angekündigt, mit der wichtigen Feststellung, dass es sich um unser aller Geschichte handelt.

Es begann also endlich. Die Zuschauer wurden in ein kleines abgelegenes Hotel am Osterfeiertag, irgendwo in den Bergen, entführt. Gäste checkten ein und der Zuschauer wurde sogleich mit entsprechenden Stereotypen bedient.

Da wäre der nahezu heiligengleiche gläubige Skilehrer, das Paar das eine Affäre in den Bergen auslebt, ein zweites Pärchen, das sich  über Kleinigkeiten streitet, eine überstrenge Mutter mit ihrem Sohn und ein rücksichtsloser Paparazzi .

Alle Figuren mit Ausnahme, vielleicht des Paparazzis wirkten auf mich überwiegend gestellt und kalt.

Es geht also weiter in der Geschichte. Beim gemeinsamen Dinner macht der Skilehrer aus langeweile das Radio an, das Licht wird etwas gedimmt und eine dunkle Stimme berichtet sehr detailiert über die Kreuzigung Jesu, zusammen mit der überaus erschreckend klingenden Folterung. Nach mehreren Minuten dieser blutunterlegten Präsenz hält es  der Paparatzie nicht mehr auf seinen Stuhl aus und erlöst das Publikum, mich eingeschlossen, indem er dieser Gruselgeschichte ein Ende setzt und das Radio ausschaltet.

Der Skilehrer lässt es sich nicht nehmen in eine Diskussion mit ihm einzusteigen. Parallel zur Diskussion mit dem Skilehrer, der das alles zu Ende hören wollte steigt die Spannung, das Hotel wird  von einer Schneelawine erfasst. Zusammen mit einem ohrenbetäubenden „Special-Effect“ bricht Panik auf der Bühne aus und ein Schreck geht durch die Reihen. Klischeegetreu sehnt sich der Skilehrer ein Wunder herbei, betet zu Jesus und erdrückt auch den letzten Funken Sympathie, die ich für diese Figur bisher empfand.

Die einzig klar denkende Person, scheint der nun hysterisch wirkende Paparazzo zu sein, er betrachtet die Lage realistisch, versucht sich selbst zu helfen und geht Filmreif in den Tod.

Doch was ist mit den anderen Überlebenden? Von musikalischen Tanzeinlagen begleitet wurden wir noch einmal in die Gefühlswelten dieser abscheulichen Sünder entführt und fanden uns in einer sadistischen und fünf Minuten andauernden Peitsch- und Demutsorgie, die mit der Kreuzigung Jesu endete.

Das namenlose Böse erscheint am Kreuz und überbringt den Verschütteten die Botschaft seines Todes.

Erschüttert und von der Trauer überwältigt wenden sich ausnahmslos alle an den Skilehrer, der an seinem Glauben festhielt und somit zwischenzeitlich zum Sprachrohr Gottes mutiert ist und bekehren sich.  Als Belohnung für Ihre Unterwürfigkeit wird ihnen ihr Leben gelassen und sie werden putzlebendig geborgen.

Das Schauspiel endet mit vor einer leuchtenden Absperrung, die Schauspieler sind in Decken gehüllt und geloben ab jetzt bessere Menschen zu werden.


Alles in einem ein klischeehafte Glaubenspredigt, mit einer derart aufgedrückten Moral, dass die gut vorgetragenen Tanz und Musikeinlagen keinen Ausgleich dazu schaffen.

Damit nicht genug stolziert der Pastor und sein deutsches Echo ein weiteres mal auf der Bühne entlang, nimmt die in den Stück enthaltene fünf minütige Demut und Kreuzigungsszene auseinander und dehnt diese um ein vielfaches. Lebhaft und detailsgetreu berichtete er von den Schmerzen und mich überkommt so langsam das Gefühl, dass er uns wahrlich am liebsten diese Schmerzen spüren lassen wollte. Jedenfalls schienen ihn seine Ausführungen mehr als Spaß zu bereiten.

Vielleicht lag es daran, dass ich durch die gut gemeinte Übersetzung es zwei mal ertragen musste, doch als der Pastor die Predigt anschließend durch eine Folterszene aus den Film“ Passion Christi“ abrunden wollte wurde es zu viel für mich und ich verließ den Saal. Vor mir sah ich andere Menschen, die ebenfalls den Rückzug aus dem Theater angetreten hatten, allein die vordersten Reihen blieben interessiert sitzen und begleiteten aufmerksam die Ausführungen des Sprechers.

Nachdenkend über die  letzten eineinhalb Stunden schloss ich mein Fahrrad auf, drehte noch eine Ehrenrunde um das Theater und nickte einen Mann zu der eine Reihe vor mir saß - Er nickte zurück.

Zugeschickt von Steffan Schwarztall, Oberhausen

 
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