Die jüdische Kabbala - Eine Übersicht

Die ersten Träger kabbalistischer Tradition stammten aus dem rabbinischen Judentum, insbesondere aus dem Schülerkreis des Rabbi Jochanan ben Sakkai und des Rabbi Akiba ben Josef, die beide in Judäa im 1. Jahrhundert n.Chr. wirkten. Die beherrschenden Themen dieser nicht schriftlich fixierten Tradition waren Spekulationen über die biblische Schöpfungserzählung und die Visionen des Propheten Ezechiel vom göttlichen Thronwagen. Danach wird diese Strömung auch als Merkaba-Mystik bezeichnet (Merkaba = hebr. „der Wagen").

Erst später erschienen auch schriftliche Dokumente. Als wesentliches Zeugnis aus dem 1. Jahrtausend gilt das Buch Jezira, das zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert entstand. Es enthält die Darstellung der 10 Sefirot und der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets als den Urzahlen und Verhältnissen, auf denen die Welt beruht. Diese kommen in der Darstellung des kabbalistischen Weltenbaumes zum Ausdruck.

Im hohen Mittelalter waren die Zentren kabbalistischer Bewegungen der deutsche Chassidismus im Rheinland (Mitte des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts) und vor allem die so genannte „prophetische Kabbala" in Spanien, deren bedeutendste Vertreter Abulafia und Gikatilla waren. Aus der Tradition des spanischen Judentums entstand gegen Ende des 13. Jahrhunderts die bedeutendste kabbalistische Schrift überhaupt: der Sohar (Sefer ha Sohar, hebr. „Das Buch des Glanzes"). Als sein Autor gilt der spanische Kabbalist Mosche de Leon († 1305), jedoch ist damit zu rechnen, dass fremdes und älteres Material in das Werk aufgenommen worden ist.

Der Sohar enthält in verschiedenen, teils sehr umfangreichen Abhandlungen Auslegungen der Tora, Erzählungen zu mystischen Gestalten des Judentums, insbesondere zu Rabbi Schimon ben Jochai und seinen Schülern, sowie Spekulationen zu Zahlen und Buchstaben als den Fundamenten der Welt. Der Sohar gilt wohl neben dem Tanach, der jüdischen heiligen Schrift, und dem Talmud als wichtigste Einzelschrift des Judentums.

Nach der Verfolgung und Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 wurde das örtchen Safed in Galiläa zum Zentrum kabbalistischer Lehre. Hier wirkte vor allem Isaak Luria (1534-1572), der wesentliche Beiträge zur Auffassung von der Schöpfung der Welt entwickelte. Dazu gehören Vorstellungen von einem „Sich-Zurückziehen" Gottes, um der entstehenden Welt Platz zu schaffen (Zimzum), dem „Zerbrechen der Gefäße" bei der Schöpfung und dem Freiwerden der göttlichen Lichtfunken (Schebirath ha Kelim), Spekulationen über das Unendliche (En Sof) und eine Lehre über die Seelenwanderung (Gilgul). Ziel aller Bemühungen des Menschen ist es danach, in einem Prozess der Vervollkommnung (Tikkun) den ursprünglichen heilen Zustand der Welt aus göttlicher Existenz wieder herzustellen.

Diese Lehren werden in sehr ausführlichen Beschreibungen und äußerst detaillierten, höchst komplizierten Bildern dargelegt. Die lurianische Kabbala versteht sich dabei als eine Wissenschaft von Gott, Welt und Mensch als mystische Deutung eines menschlichen Exils und seiner Erlösung in kosmologischem Horizont.

Die in Safed entstandene Kabbala des Isaak Luria hat im Judentum erheblichen Einfluss gewonnen. Viele Elemente dieser Lehre wurden auch im osteuropäischen Chassidismus des 17. und 18. Jahrhunderts wirksam. Unter behutsamer Einbeziehung messianischer Elemente und einer gewissen Vereinfachung des ursprünglich sehr differenzierten Lehrgebäudes konnte die Kabbala große populäre Bedeutung in den chassidischen Zentren des Ostjudentums entfalten.

Der 1884 in Warschau (Polen) geborene Yehuda Leib Halevi Ashlag, interpretierte die Kabbala systematisch neu. Ashlag schrieb u.a. umfangreiche Kommentare zu den grundlegenden kabbalistischen Schriften „Etz Chaim (Baum des Lebens)" des ARI (Isaak Luria) und dem „Zohar" (1943). Sein Werk „Talmud Eser Sefirot" (Kommentare zu den Schriften Lurias) und sein Zohar-Kommentar, brachte ihm den Beinamen Baal HaSulam (wörtl.: „Meister der Leiter") ein.

Ashlag unterscheidet sich grundlegend von früheren Kabbalisten, welche die Kabbala nur unter Geheimhaltung studierten und lehrten. Im Gegensatz dazu, war eines seiner größten Anliegen die Massenverbreitung der Kabbala. Diese schien ihm aufgrund der Entwicklung des menschlichen Egosimus erforderlich. Seiner Ansicht nach würde diese Entwicklung zu ungekanntem Leid und einer gänzlich neuen Ebene der inneren Leere führen, die es dem Menschen unmöglich machen würde, ohne Spiritualität auszukommen. Ashlag entwickelte daher ein System, das es jedem Menschen ermöglichen sollte, den Sinn seiner Existenz zu erfahren, mit diesem in Einklang zu leben und dadurch Vollkommenheit zu erlangen. Ashlag sagte als Zeitpunkt, ab welchem sich die Massen der Kabbalah zuwenden, das Jahr 1995 voraus.

Als weiteres Werk, das Y. Ashlag zuzuordnen ist, gilt das Buch „Shamati". Hierbei handelt es sich um direkte Niederschriften des gesprochenen Wortes von Y. Ashlag durch seinen Sohn und Nachfolger Baruch Shalom Ashlag (1906-1991).

B.S. Ashlags Schüler, Dr. Michael Laitman, Kabbalist und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Bio-Kybernetik, gilt in weiten Kreisen als legetimer Nachfolger der Ashlag-Tradition. Ihm übergab B.S. Ashlag, das Orginal-Manuskript des Buches „Shamati". Laitman gründete nach dem Tod seines Lehrers eine Kabbalah-Akademie namens „Bnei Baruch" (wörtl.: „Söhne Baruchs") und gibt täglichen Unterricht, der auch live im Internet und im israelischen Fernsehen übertragen wird. Laitman ist Gründer des „Ashlag Research Institut" und aktives Mitglied des vom „Club of Budapest" versammelten „World Wisdom Council".

 
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