Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch

Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch , eigentlich Lazar Mossjewitsch Kogan, (russisch Лазарь Моисеевич Каганович; * 10.jul./ 22. November 1893greg. in Kabany, Gouvernement Kiew; † 25. Juli 1991 in Moskau) war ein sowjetischer Politiker.

Vom 23. Juli 1926 bis zum 13. Juli 1930 war Kaganowitsch Kandidat des Politbüros der KPdSU. 1930 – mit 37 Jahren – stieg er auf in das höchste politische Gremium der UdSSR: Vom 13. Juli 1930 bis zum 29. Juni 1957 war er Vollmitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Bis zum Tode Stalins 1953 war er neben Schdanow, Molotow, Woroschilow, Mikojan, Malenkow und Berija einer der mächtigsten Parteiführer unter Stalin.

Kaganowitsch unterstütze tatkräftig die Entmachtung von Nikolai Bucharin und Alexei Rykow und war einer der glühendsten Verfechter der Abschaffung der Neuen Ökonomischen Politik . Er begrüßte die zwangsweise Kollektivierung der sowjetischen Landwirtschaft und spielte eine große Rolle bei dem Kampf gegen die sogenannte Kulakenklasse auf dem Lande. Er stieg zum engsten Mitarbeiter Stalins auf und war in der ersten Hälte der 1930er Jahre faktisch sein Stellvertreter. So übernahm er die wichtigsten Funktionen innerhalb der Partei, wenn Stalin und Molotow sich im Urlaub befanden. Er war ständig unterwegs, mischte sich in alle möglichen Lebensbereiche ein und leitete oder organisierte alle möglichen Maßnahmen und Regierungskampagnen. Er probierte sich auch als Philosoph und attackierte auf dem XVI. Parteitag 1930 den berühmten russischen Philosophen und Wissenschaftler Lossew , indem er ihn unter anderem als "Reaktionär" und "Feind der Sowjetmacht" bezeichnete. Er mischte sich in die Diskussionen über den "wissenschaftlichen Marxismus" ein und vertrat dogmatische Positionen. Als Volkskommissar der Arbeiter-und Bauerninspektion spielte er faktisch die Rolle des obersten Hüters der Reinheit des Marxismus-Leninismus, so wie er ihn verstand. Er war verantwortlich für die Kaderernennungen in allen maßgeblichen Parteizeitschriften und trat für die Bekämpfung des in seinen Augen unnötigen "formal-bürokratischen Herumstocherns" in den Parteidokumenten und des "faulen Liberalismus" gegenüber den "Parteifeinden" ein. Sein besonderer Eifer galt der Bekämpfung aller möglichen Formen von "Abweichungen" in der Erforschung des Marxismus und Leninismus, so vor allem des Trotzkismus und der sogenannten "Bucharinschen Schule".

Gemeinsam mit Molotow nahm er an der All-Ukrainischen Partei Konferenz 1930 teil und unterstütze die Kollektivierungspolitik aktiv, die nach Meinung vieler Historiker zu der katastrophalen Hungersnot von 1932-33 in der Ukraine führte, den sogenannten Holodomor. Im Sommer 1932 reiste Kaganowitsch als Leiter einer sehr großen Regierungsdelegation in den Nordkaukasus, wo er die angebliche "Sabotage" in der Belieferung des Staates mit Weizen und Roggen auf eine äußerst brutale Art und Weise bekämpfte. So unter anderem wurden ganze Kosakendörfer nach Sibirien deportiert und Tausende Menschen verhaftet. Mitte Dezember 1932 reiste Kaganowitsch wiederum in die Ukraine, wo er die dort bereits wütende Hungersnot noch einmal durch Terror und unrealistische Forderungen nach Abgabe des nicht vorhandenen Weizens verschärfte.

In der Funktion als Sekretär des ZK war er technischer Organisator des „XVII. Parteitages der Sieger” vom Januar 1934. Danach leitete er die Parteikontrollkomission und von 1930 bis 1935 die Moskauer Parteiorganisation. Als Erster Sekretär der Moskauer Parteiorganisation war Kaganowitsch für die "Umgestaltung" des äußeren Erscheinungsbildes der Stadt verantwortlich. Seine Tätigkeit begann mit der "Aufdeckung" von verschiedenen "konterrevolutionären Verschwörungen" innerhalb der Verwaltungs- und Wirtschaftsabteilungen der Hauptstadt. Kaganowitsch war einer der Hauptverantwortlichen für die barbarischen Zerstörungen des "alten Moskau". Infolge des Generalüberholungsplans wurden Dutzende Kirchen und denkmalgeschützte Gebäude abgerissen und Moskau zum "Idealstadt der Zukunft" und zum "sozialistischen Laboratorium" erklärt. Die Sprengung der „Christ-Erlöser-Kathedrale“ in der Moskauer Innenstadt 1931 gehörte zu einem der traurigen Höhepunkte der neuen architektonischen Umgestaltung Moskaus. Sie wurde erst nach dem Ende der UdSSR zwischen 1992 und 2000 am alten Ort wieder aufgebaut.

Die wichtigste Errungenschaft Kaganowitschs als Oberhaupt Moskaus war der Bau Moskauer Untergrundbahn,wo er wieder mit Chruschtschow zusammenarbeitete. Um die überfüllten Moskauer Straßen zu entlasten und den Verkehr an die veränderte demographische Situation anzupassen war der Bau der ersten sowjetischen U-Bahn sowohl in praktischer Hinsicht als auch als Demonstration der fortschrittlichen bolschewistischen Ideologie die "Baustelle Nr.1". Kaganowitsch spielte dabei die Rolle des "Einpeitschers", der sich persönlich um alle Details kümmerte und nach Kräften versuchte, die Rückschläge und Missstände durch aggressive pseudomilitärische Propaganda zu kompensieren. Um die Arbeiter zu motivieren, nahm Kaganowitsch sogar selber den Spaten in die Hand. Trotz all dieser Anstrengungen gelang es nicht, die ersten Linien zum 7. November 1934 verkehrstüchtig zu machen. Erst am 15. Mai 1935 fuhren Stalin, Kaganowitsch und andere Parteiführer "zusammen mit dem einfachen Volk" zum ersten Mal mit der U-Bahn. Moskauer Metro bekam den Namen Kaganowitschs verliehen. Für den Bau der Metro wurde er außerdem mit dem Lenin-Orden ausgezeichnet.

Kaganowitsch galt als die „Feuerwehr” oder als die „Lokomotive” des Politbüros, der Pannen und schwierige Situationen mit unerbittlicher Härte löste.

 

In der Regierung der UdSSR 

Am 28. Februar 1935 wurde er zum Volkskommissar für das Eisenbahnwesen ernannt, wobei er Sekretär des ZK und Mitglied des Politbüro blieb. Allerdings musste er seine Posten als Erster Moskauer Parteisekretär und Leiter der Parteikontrollkomission aufgeben. Das war keinesfalls ein Abstieg innerhalb der Parteihierarchie, sondern eher ein Aufstieg, da das Eisenbahnwesen als wichtigstes Verkehrsmittel in der Sowjetunion eine exponierte Stelle besaß. Seine Porträten hingen an jedem Bahnhof und jeder Bahnstation und er unternahm vieles, um sich um die Eisenbahner zu kümmern. Er setzte durch, dass die Angestellten der Eisenbahn kleine private Grundstücke besitzen durften, auf denen sie sogar Kleinvieh wie Kaninchen oder Schweine halten konnten. Er liebte es, persönlich seine Untergebenen mit Orden, Medaillen, Golduhren oder Geldprämien auszuzeichnen. Gleichzeitig war er unbeherrscht und äußert grob im Umgang mit denen, die seiner Meinung nach nicht energisch genug arbeiteten. Das damalige Eisenbahnwesen litt an Chaos und vielen Katastrophen, die sich fast jeden Monat ereigneten. Schuld daran waren meistens schlechter Zustand der Schienen, ungenügende Qualifikation der Lokführer und die Missachtung von Sicherheitsregeln. Kaganowitsch versuchte dies mit Disziplin und erbarmungsloser Härte zu bekämpfen, was nur bedingt den Erfolg brachte. Danach erklärte er alle Missstände der Eisenbahn zum "Werk" von "Saboteuren" und startete eine große Säuberungskampagne innerhalb seines Volkskommissariats, der unzählige Menschen zum Opfer fielen.


1937 bis 1939 wurde er zum Volkskommissar für die Schwerindustrie, 1938 bis 1942 wieder zum Volkskommissar für das Eisenbahnwesen, gleichzeitig leitete er 1939 das Volkskommissariat für die Brennstoffe und 1939 bis 1940 das Volkskommissariat für die Ölindustrie. Von 1938 bis 1947 war er stellvertrtender Vorsitzender des Sownarkom bzw. ab 1946 des Ministerrates der Sowjetunion und 1943 bis 1944 zum dritten Mal der Volkskommissar für das Eisenbahn- und Transportwesen. 1945 bis 1947 Minister für Baustoffe sowie von 1947 bis 1955 Stellvertretender und von 1955 bis 1957 Erster Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates in den Kabinetten von Stalin, Malenkow und Nikolai Bulganin.

 
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