Michail Borissowitsch Chodorkowski

Michail Borissowitsch Chodorkowski (russisch Михаил Борисович Ходорковский, wiss. Transliteration Michail Borisovič Chodorkovskij; * 26. Juni 1963 in Moskau) ist der ehemalige Vorstandsvorsitzende des russischen ölkonzerns Jukos.

Chodorkowski wurde am 25. Oktober 2003 verhaftet. Am 16. Mai 2005 wurde er unter anderem wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und der „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ zunächst zu 9, in einem Revisionsverfahren dann zu 8 Jahren Haft verurteilt, die er seit Oktober 2005 in einem Straflager verbüßt.


Rascher Aufstieg vom Studentenfunktionär zum Multi-Milliardär

Chodorkowskis Aufstieg zu einem der reichsten Oligarchen Russlands ist in vieler Hinsicht typisch für die Karrieren der Finanz- und Industriemagnaten der Jelzin-ära.

Nach dem Studium der Chemie war der 24-jährige Chodorkowski 1987 zunächst auf dem besten Weg zu einer klassischen sowjetischen Funktionärskarriere im Komsomol- und später im Parteiapparat. Dann nutzte er die Chancen, die die Liberalisierung der sowjetischen Gesellschaft unter Präsident Gorbatschow bot. Er übernahm die Leitung eines Komsomolbetriebes, den er später erwarb. Zur Finanzierung des Betriebes gründete er 1988 eine Bank, die in der Gründerphase nach dem Zerfall der UdSSR unter dem Namen Menatep-Bank rasch an Bedeutung gewann.

Dabei halfen Chodorkowski die politischen Beziehungen, die er zu Regierungskreisen und zum Umfeld Präsident Jelzins, zu knüpfen verstand. Die Nähe zur Politik verschaffte ihm Vorteile bei der Privatisierung von Staatsbetrieben. In weniger als einem Jahrzehnt konnte er ein Finanz- und Industrieimperium aufbauen.

1996, gerade 33 Jahre alt, war Chodorkowski bereits Vorstandsvorsitzender des ölkonzerns Jukos und einer der Großaktionäre der Menatep-Gruppe. Die Mehrheit an Jukos hatte sich die Menatep-Gruppe im Jahr zuvor auf einer Privatisierungsauktion für 309 Millionen Dollar und damit, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung, weit unter dem Marktwert des Unternehmens gesichert.


Wandel zum „Vorzeigekapitalisten“ mit politischem Engagement

Jukos wurde unter Chodorkowski zu einem Unternehmen mit Vorbildcharakter. Anstatt auf gerissene Winkelzüge setzte er zunehmend auf Grundsätze guter Unternehmensführung („Corporate Governance“), forderte das neue russische Unternehmertum auf, mehr soziale Verantwortung zu übernehmen und finanzierte gemeinnützige Vorhaben.

Zug um Zug mischte sich Chodorkowski aber auch in die Innenpolitik ein ‒ allerdings auf der Seite der Gegner des neuen Präsidenten Putin. Er finanzierte Oppositionsparteien, darunter die angeschlagenen liberale Kräfte. Schließlich verdächtigte er die Kremlbürokratie öffentlich der Anfälligkeit für Korruption. Immer deutlicher stilisierte sich Chodorkowski zudem als Mann des Westens, insbesondere der USA. Er versuchte, US-Unternehmen an Jukos zu beteiligen.


Konflikt mit der Staatsmacht, Verurteilung zu acht Jahren Haft

Mit seinem politischen Engagement geriet Chodorkowski in Konflikt mit dem neuen Präsidenten Putin, der den Oligarchen zwar mehr oder weniger offiziell zugesichert hatte, dass ihre zurückliegenden Gesetzesüberschreitungen während der „Raubritterphase“ der Jelzin-ära nicht verfolgt würden ‒ aber nur, wenn sie sich nicht in die Politik einmischten.

Chodorkowski wurde im Oktober 2003 verhaftet. Der Staatsanwalt forderte in einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung, Betrug und Bildung einer kriminellen Vereinigung Freiheitsstrafen von zehn Jahren. Neun Jahre Haft in einer Strafkolonie lautete im Mai 2005 das Urteil, das in einem Revisionsverfahren auf acht Jahre herabgesetzt wurde.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meint zu diesem Urteil: „So wie man Chodorkowski und Lebedew angeklagt hatte, hätte man viele Oligarchen vor Gericht bringen können, weil das Geschäftsgebaren der Jukos-Führung, beispielsweise zur Steuerminimierung, weit verbreitet war. […] Der Kreml, das wurde immer deutlicher, wollte mit dem Kampf gegen Chodorkowski einen politisch besonders gefährlich erscheinenden Gegner neutralisieren, dabei ein Exempel statuieren, um die übrigen Oligarchen, die einst Jelzin unterstützt hatten, von politischer Tätigkeit abzuschrecken. Zugleich ging es darum, sich die Ressourcen für eine eigenständige Politik im Inneren und nach außen zu verschaffen.“

Chodorkowski sagt selber über seine Haft: „Im Gefängnis ein Politiker werden, das ist sehr russisch.“


Chronologischer Lebenslauf im Detail

    * 26. Juni 1963 ‒ Geburt in Moskau als Sohn russischer Juden

    * 1986 – Abschluss der Hochschulausbildung als Chemiker am Chemisch-Technischen Institut Moskau

    * Während des Studiums arbeitete er als Zimmermann in einem sowjetischen Baukombinat. 1986‒1987 war er Stellvertretender Komsomolsekretär des Mendelejew-Instituts.

    * 1987 übernahm er die Leitung des Zentrums für wissenschaftlich-technisches Schöpfertum der Jugendstiftung für Jugendinitiative (NTTM), eines praktisch privatwirtschaftlichen Komsomol-Unternehmens. Die Gründung von NTTM war 1987 durch ein Gesetz möglich geworden, das privatwirtschaftliche Tätigkeit in Form von Genossenschaften zuließ.

    * 1988 ‒ Abschluss in Volkswirtschaft am Moskauer Plechanow-Institut

    * Chodorkowski wollte eigentlich in die Rüstungsindustrie eintreten, aber wegen seiner jüdischen Herkunft konnte er sich diesen Wunsch nicht erfüllen. Er wird stattdessen Funktionär in der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol. Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow erlaubte dieser Organisation als erste kapitalistische Experimente.

    * 1989–1990 übernahm er den Vorsitz der Kommerziellen Innovationsbank für wissenschaftlich-technischen Fortschritt, die mit dem Ziel gegründet wurde, Geldmittel für NTTM zu beschaffen. Sie war eine der ersten Privatbanken Russlands.

    * 1990 kaufte die Kommerzielle Innovationsbank dem Exekutivkomitee des Moskauer Sowjets die Firma NTTM ab und benannte sich in MENATEP-Invest um. Chodorkowski war nun Generaldirektor von MENATEP und ab 1991 Vorstandsvorsitzender.

    * 1992 ‒ Mitglied im Beraterstab des russischen Premierministers

    * März 1993 ‒ Stellvertretender Minister für Brennstoffe und Energie

    * 1993‒1994 war er auch Mitglied des Rats für Industriepolitik bei der russischen Regierung.

    * 1993 ‒ Mitfinanzierung und Organisation des Wahlkampfes für Präsident Boris Jelzin

    * Am 30. März 1995 nahm er an der Kabinettssitzung teil, auf der erstmals das loans for shares-Programm vorgeschlagen wurde. Im Rahmen dieses Privatisierungsprogrammes wurden in der Folge einige große Erdölunternehmen privatisiert. MENATEP konnte bei den Auktionen 1995/1996 45 % der Aktien des Mineralölunternehmens Jukos in seinen Besitz bringen.

    * Im September 1995 fasste MENATEP ihre Industriebeteiligungen in der Investment-Firma ROSPROM zusammen, deren Führung Chodorkowski übernahm.

    * Im April 1996 gab er den Vorstandsvorsitz der Bank MENATEP ab und wechselte in die Führung des zweitgrößten russischen ölkonzern Jukos.

    * Bei den Präsidentenwahlen 1996 setzte sich Chodorkowski gemeinsam mit anderen Großunternehmern massiv für die Wiederwahl Jelzins ein.

    * Im Oktober 1996 wurde er Mitglied des Konsultativrats für Bankwesen bei der russischen Regierung.

    * Als sich ROSPROM und Jukos 1997 zu einer Holding vereinigten, übernahm Chodorkowski deren Führung als Vorstandsvorsitzender. Eine weitere Fusion mit dem ölkonzern Sibneft scheiterte 1998.

    * Im November 1998 wurde Chodorkowski zum Mitglied des Kollegiums der Energieministeriums berufen.

    * Mit dem russischen Energieministerium, das die Verteilung der Erdölexportquote neu regelte, geriet er im Oktober 1999 in Konflikt. Nachdem er in der Zeitung Wedomosti erklärt hatte, dass die Bildung eines Reservefonds für die Erdölexportquote den Diebstahl fördere und es auch erlaube, Exportrechte ohne Kontrolle zu verteilen, verklagte ihn das Ministerium wegen Beleidigung.

    * 2002 – Chodorkowski, der die Krise von 1998 überstanden hatte, sorgte für größere Transparenz bei Jukos und legte die Anteilseigner offen. Er führte westliche Standards bei der Buchführung ein und erklärte „Ehrlichkeit, Offenheit und Verantwortung“ zum Leitmotiv. Durch diese Reformen reduzierte er die Produktionskosten um zwei Drittel und erreichte damit eine niedrigere Kosten-pro-Barrel-Quote als alle anderen russischen ölfirmen. Bald darauf galt er als reichster Mann Russlands, und sein Vermögen wurde zeitweise sogar auf bis zu acht Milliarden Dollar geschätzt.

    * 2002/2003 erreichte er erneut eine Steigerung der Förderungsleistungen von Jukos und erreichte nun die Fusion mit Sibneft. Zudem führte er Verhandlungen mit den US-ölkonzernen Exxon Mobile und Chevron Texas über eine Beteiligung an dem Jukos-Konzern.

    * 25. Oktober 2003 ‒ Nachdem die Ermittlungsbehörden bereits zahlreiche Verfahren gegen den Yukos-Konzern wegen Steuerhinterziehung eröffnet haben, wird Michail Chodorkowski bei einer

Zwischenlandung mit seinem Privatjet in Nowosibirsk von russischen Spezialeinheiten festgenommen und nach Moskau gebracht. Wenig später ergeht ein Haftbefehl gegen ihn.

    * 27. Oktober 2003 ‒ Exxon-Mobil und Chevron brechen Gespräche über Beteiligung an Jukos ab. Im Sommer 2003 hatten sich Gerüchte verdichtet, dass Jukos 25% seiner Aktien an die US-Unternehmen verkaufen werde.

    * Am 3. November 2003 gab er in Haft bekannt, dass er seine ämter bei Jukos niederlege.

    * 16. Mai 2005 ‒ nach einem weltweit umstrittenen Prozess, der als vom Kreml gesteuert gilt, wird Chodorkowski vom Moskauer Stadtgericht in neun Anklagepunkten schuldig gesprochen, u.a. wegen schweren Betruges, Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Der ehemals reichste Russe, der das Verfahren in einem Metallkäfig eingesperrt verfolgen musste, wird zu insgesamt neun Jahren Haft im Arbeitslager verurteilt. Seine Anwälte kündigen Berufung an.

    * 14. September 2005 ‒ Aufnahme des Revisionsverfahrens.

    * 22. September 2005 ‒ Das Revisionsgericht bestätigte das Urteil, reduzierte aber die Strafe wegen eines fallen gelassenen Anklagepunktes auf acht Jahre Haft. Chodorkowski musste die Lagerhaft innerhalb von zehn Tagen antreten, hat jedoch noch die Möglichkeit, das Urteil vor dem Obersten Gerichtshof anzufechten.

    * 20. Oktober 2005 ‒ Es wird bekannt, dass er seine Strafe in einem sibirischen Lager in Krasnokamensk nahe der chinesischen Grenze verbüßen muss.

    * 25. Januar 2006 ‒ Chodorkowski wird für fünf Tage in Einzelhaft gehalten. Begründung: Er habe sich „illegal“ Dokumente über die Rechte von Gefangenen beschafft und seinen Arbeitsplatz in der Näherei des Straflagers unerlaubt verlassen.

    * 14. April 2006 - Chodorkowski wacht mit Schnittwunden im Gesicht in seiner Zelle auf und muß im Krankenrevier genäht werden. Ein Mithäftling hat ihn mit einem selbstgemachten Messer angegriffen. Die Lagerleitung spricht von einem Kratzer und erklärt, Chodorkowski habe sich mit einem befreundeten Häftling eine Schlägerei geliefert. Die Anwälte des Ex-ölmagnaten hingegen werten den Vorfall als Beweis dafür, dass ihr Mandant auch in der Haft den Schikanen der Behörden ausgesetzt sei, die alles dransetzten, eine vorzeitige Freilassung wegen guter Führung zu verhindern. Man mache sich "keine Illusionen" über die wahren Hintermänner der Attacke.

13. Juni 2006 - das Moskauer Stadtgericht entscheidet, dass Chodorkowski im Arbeitslager bei Krasnokamensk bleiben muss und die Unterbringung rechtens ist. Die Strafvollzugsbehörden hatten wiederholt erklärt, eine Verlegung des ehemaligen Jukos-Chefs ins Moskauer Umland sei wegen fehlender freier Haftplätze nicht möglich. Das Gericht verzichtet jedoch auf eine überprüfung dieser Aussage.

Quellen: russland.RU; Chronik und Analyse der Jukos-Affaire auch in „Russlandanalysen“ der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen (insb. Nr. 34 vom 9. Juli 2004)

Dieser Artikel basiert auf dem gleichnamigen Artikel der Wikipedia und steht daher unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation
 
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