Marcel Reich-Ranicki

Marcel Reich-Ranicki [maʁˈsɛl ˌʁaɪ̯çʁaˈnɪtski] (* 2. Juni 1920 in Włocławek) ist ein deutscher Publizist und Literaturkritiker.

Geboren als Marceli Reich, Sohn von David und Helene Reich, lebte Reich-Ranicki ab 1929 in Berlin und machte in Berlin-Wilmersdorf 1937 Abitur. Ein Antrag auf Einschreibung an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität wurde wegen seiner jüdischen Herkunft abgelehnt. Nach seiner Deportation 1938 nach Polen gelang ihm im Herbst 1942 zusammen mit seiner Frau Teofila die Flucht aus dem Warschauer Ghetto, wo er für den von den Nazis eingesetzten Judenrat als übersetzer gearbeitet und unter dem Autoren-Pseudonym Wiktor Hart Konzertrezensionen in der zweimal wöchentlich erscheinenden Ghettozeitung „Gazeta Żydowska“ veröffentlicht hatte. Zum Kriegsende arbeitete er für den kommunistischen Geheimdienst in Polen, und danach als Offizier für den polnischen Auslandsnachrichtendienst als Leiter der gegen Großbritannien gerichteten Spionage. In dieser Eigenschaft wurde er 1948, unter der Legende eines Vize-Konsuls namens Marceli Ranicki, als Resident an die Polnische Botschaft in London entsandt. Den Namen behielt er später bei. Ende 1949 wurde er nach Polen zurückberufen und Anfang 1950 aus dem Geheimdienst entlassen. Er war zunächst als Journalist tätig, später wurde ihm in Polen Publikationsverbot auferlegt.

Während einer Studienfahrt reiste er 1958 von Polen nach Deutschland aus und ließ sich zusammen mit seiner Familie in Frankfurt am Main nieder. Mitglieder der Gruppe 47, Siegfried Lenz und Wolfgang Koeppen halfen ihm dabei, hier Fuß zu fassen. Von 1960 bis 1973 war er Literaturkritiker der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit, von 1973 bis 1988 Leiter der Literaturredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Besondere Verdienste erwarb er sich dort durch die Redaktion der von ihm begründeten Frankfurter Anthologie, in der bis heute bereits über 1.500 Gedichte deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit Interpretationen versammelt sind.

Vom 25. März 1988 bis zum 14. Dezember 2001 leitete er die Sendung Das literarische Quartett im ZDF, mit der er einen hohen Bekanntheitsgrad bei breiteren Bevölkerungsschichten erlangte. In Fachkreisen war er auch vor dieser Sendung längst als „Literaturpapst“ bekannt.

1968 und 1969 lehrte er an amerikanischen Universitäten, 1971 bis 1975 hatte er eine Gastprofessur in Stockholm und Uppsala inne. Seit 1974 ist er Honorarprofessor an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. 1990 erhielt Reich-Ranicki die Heinrich Heine-Gastprofessur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und 1991 die Heinrich Hertz-Gastprofessur der Universität Karlsruhe.

Auf Antrag der „Freunde der Universität Tel Aviv“ in Deutschland aus dem Jahre 2006 entsteht an der Universität Tel Aviv (TAU) der Marcel Reich-Ranicki Lehrstuhl für Deutsche Literatur: „in historischer Last ein markantes Zeichen für die wissenschaftlichen Beziehungen. Marcel Reich-Ranicki, der unter der Brutalität und Menschenverachtung der Nazis so unendlich viel erleiden musste, symbolisiert den geistigen Austausch von Wissenschaftlern“, Pressemitteilung der „Freunde...“ (Bbl.-Online 01.02.2006).

In der Wochenzeitschrift Der Spiegel, Ausgabe 25/2001 vom 16. Juni 2001, stellte Reich-Ranicki unter dem Titel Kanon lesenswerter deutschsprachiger Werke seine Vorstellung zu diesem Thema vor. Die Liste enthält Theaterstücke, Romane, Novellen und Erzählungen, das lyrische Werk einzelner Dichter, aber auch die Empfehlung, manches nur im Auszug zu lesen.

Reich-Ranicki lebt heute mit seiner Frau in Frankfurt am Main. Sein Sohn Andrzej (* 1948) ist Universitätsprofessor in Edinburgh. Der britische Maler Frank Auerbach ist sein Vetter.

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