George Tabori

George Tabori, ursprünglich: György Tábori, (* 24. Mai 1914 in Budapest; † 23. Juli 2007 in Berlin) war ein britischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Übersetzer, Dramaturg und Theaterregisseur ungarischer Herkunft. Tabori war bei den Schauspielern einer der beliebtesten „Regisseure“, ein Begriff, den er als zu autoritär ablehnte und stattdessen die Bezeichung «Spielmacher» bevorzugte. In seinen eigenen Theaterstücken setzte er dem Grauen von Rassismus und Massenmord einen schwarzen Humor und eine absurde Komik entgegen und ermöglichte dadurch den Zuschauern eine wirksamere Distanzierung gegenüber dem Unheil. In seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten erreichte er in Wien (Der Kreis, Burgtheater) und seit 1999 in Berlin beim Berliner Ensemble den Höhepunkt seiner Theaterkunst und von da an wuchs nun auch die offizielle Anerkennung. Viele Theaterfreunde respektierten den mittlerweile „dienstältesten Theatermacher der Welt“ als den inoffiziellen "Theaterkönig"  schlechthin und von seinen Kollegen wurde ihm nicht nur Verehrung, sondern auch Liebe zuteil wie nur selten in der Theatergeschichte.

 

Jugendzeit

Tabori wurde als zweiter Sohn des Journalisten, Schriftstellers und Hobbyhistorikers Cornelius Tábori (1879–1944) und dessen Ehefrau Elsa (1889–1963) in Budapest geboren. Bis zum Alter von sieben Jahren wird er von seinen Eltern als Katholik unter Katholiken aufgezogen und erst dann aufgeklärt, dass er Jude ist. Da sein Vater der Ansicht war, dass es in Ungarn mehr Schreibende als Leser gäbe, sollte sein Sohn George trotz erkennbarer Begabung einer soliden Form des Gelderwerbs nachgehen. Er fuhr mit ihm nach seiner Matura nach Berlin im Oktober 1932. Dort begann George Tabori ein halbes Jahr lang eine Hotelfachlehre zuerst im Hotel Adlon und dann im Hotel Hessler in Dresden. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er 1933 NS-Deutschland verlassen. Zunächst ging er zurück nach Budapest und studierte an der Universität, 1936 emigrierte er jedoch nach London zu seinem älteren Bruder Paul, wo er wie sein Vater nun doch als Journalist und Übersetzer arbeitete. Von 1939 bis 1941 ging er als Auslandskorrespondent nach Sofia, Bulgarien und Istanbul, Türkei. Später wird Tabori diesen Lebensabschnitt nur mit Schuldgefühlen zu seinen glücklichsten Episoden zählen.

Zweiter Weltkrieg


Während des Zweiten Weltkriegs erhielt Tabori 1941 die britische Staatsbürgerschaft. Er arbeitete von da ab bis 1943 als Kriegsberichterstatter und nebenbei auch als Offizier des Nachrichtendienstes der britischen Armee im Nahen Osten. Dazu musste er in Istanbul einen Selbstmord mit Abschiedsbrief vortäuschen und nahm den Tarnnamen First Lieutnant George Turner an. Zwar bat er seine Eltern telefonisch von Istanbul aus zur Ausreise, doch konnte er sie nicht zur Emigration bewegen. Sein Vater wurde 1944 in Auschwitz vergast, seine Mutter Elsa konnte durch einen unwahrscheinlichen Glücksfall der Deportation nach Auschwitz entkommen. Darüber handelt seine später verfilmte Erzählung „Mutters Courage“. Auch sein Bruder Paul konnte den Verfolgungen entkommen, wurde Autor und starb in den siebziger Jahren in London an einem Herzinfarkt. 1943 kehrte George Tabori wieder nach London zurück und blieb dort bis 1947, nun konnte er auch bei der BBC als Übersetzer und Journalist arbeiten. In dieser Zeit entstand sein erster Roman „Beneath the stone“ (1945), weitere Romane folgten.

Amerika

1947 reiste er in die USA mit der anfänglichen Absicht, nur für drei Monate zu bleiben. Doch daraus sollten über zwanzig Jahre werden. Zunächst lebte und arbeitete Tabori in Hollywood als Drehbuch- und Bühnenautor und knüpfte vor allem Kontakte zu deutschen Exilanten wie Bertolt Brecht, Thomas Mann, Lion Feuchtwanger u.a.

Er schrieb Drehbücher für Alfred Hitchcock, Joseph Losey und Anatole Litvak. Die Zusammenarbeit mit Hitchcock war ihm wegen dessen großer Genauigkeit eine Qual trotz angenehmer Begleitumstände, sodass es ihm „Hitch“ nie verzieh, dass Tabori danach seines Weges zog. Auch Tabori machte sich „unamerikanischer Aktivitäten“ verdächtig und gelangte 1952 während der McCarthy-Ära auf die „Schwarze Liste“. Das hatte er seinem Freund Elia Kazan zu verdanken, worauf sie sich fünf Jahre lang nicht mehr sprachen. Wie viele andere Intellektuelle zog es ihn auch wegen des McCarthyismus zum weltoffenen New York, wo er u.a. mit Lee Strasberg in dessen Actors Studio arbeitete. Daneben übersetzte er auch Werke von Bertolt Brecht und Max Frisch. In New York trafen sich Kazan und Tabori zufällig wieder und näherten sich einander, doch sollte es nicht mehr zu einer Zusammenarbeit kommen. Tabori bekannte, viel von Kazan gelernt zu haben, insbesondere seine freundliche Einstellung zu den Schauspielern. 1955 führte er selbst zum ersten Male im Theater die Regie. „Die meisten Sachen, die da zu sehen sind, kommen von den Schauspielern. Ich habe auf ihre Einfälle nur reagiert.“ Tabori machte sich seitdem für seine Theaterproben zu eigen, stets nur das Positive der jeweiligen Schauspielerdarstellungen hervorzuheben.

Europa

1969 kam Tabori nach Europa, zunächst London und übersiedelte 1971 schließlich ganz nach Deutschland aufgrund eines DAAD-Stipendiums. 1975 gründete er das „Bremer Theaterlabor“ und leitete es bis 1978, danach zog er nach München um, wo er mit seiner Truppe an den Kammerspielen u. a. theaterhistorisch relevante Inszenierungen von Becketts „Warten auf Godot“ und Euripides’ „Medea“ (unter dem Titel „M“) vorlegte. Seine erste Oper inszenierte er 1986 an der Kammeroper in Wien (Der Bajazzo von Leoncavallo). Von 1987 bis 1990 leitete er in Wien das Theater „Der Kreis“, das seiner Maxime, lieber „in Katakomben als in Kathedralen“ zu arbeiten weitestgehend entsprach. Das Modell scheiterte jedoch bald an mangelnder Organisation. Tabori wechselte daraufhin an das von Claus Peymann geleitete Burgtheater, wo er den eigentlichen Höhepunkt seiner Karriere erlebte. Seine Inszenierung von Shakespeares Othello in der gerühmten Besetzung Gert Voss (Othello) und Ignaz Kirchner (Jago) setzte Maßstäbe. Nicht minder berühmt wurden Taboris eigene Stücke „Mein Kampf“, „Goldberg Variationen“, „Requiem für einen Spion“, „Weisman und Rotgesicht“ oder „Ballade vom Wiener Schnitzel“, die sich in satirischer Form mit Taboris jüdischer Identität auseinandersetzen und in der Regie des Autors triumphal am Akademietheater herauskamen, dem kleinen Haus des Burgtheaters. Seit 1999 arbeitete er am Berliner Ensemble, da ihm Peymanns Nachfolger Klaus Bachler zu spät ein Angebot unterbreitete. Oft bedauerte Tabori seinen Weggang aus Wien, das er wegen der Liebe des Publikums und der Nähe zu Ungarn vermisste. Im Oktober 2006 wurde er in Österreich mit dem „Großen Goldenen Ehrenzeichen mit Stern“ von Bundespräsident Heinz Fischer ausgezeichnet.

Familie

Vier Mal war Tabori verheiratet, „was für mein Alter nicht besonders viel ist.“ In Jerusalem vermählte er sich 1942 mit der Emigrantin Hannah Freund aus Darmstadt, 1954 trennte sich das Paar. Seine zweite Ehe führte er mit der schwedischen Schauspielerin Viveca Lindfors von 1954 bis 1972. Die Trennung erfolgte nach Angaben Taboris wegen seiner Theaterarbeit in Berlin. Lindfors und die drei Kinder John, Christopher und Lena, deren leiblicher Vater er nicht war, blieben in New York. Von 1976 bis 1984 war Tabori mit Ursula Grützmacher verheiratet. 1986 wurde die Schauspielerin Ursula Höpfner seine letzte Ehefrau, die er bis zu seinem Tod „am meisten von allen Menschen in meinem Leben“ liebte.


Auszeichnungen

1976 Kritikerpreis für Literatur des Verbands der deutschen Kritiker, Berlin
1978 Prix Italia – Hörspielpreis des Internationalen Fernseh- und Radiowettbewerbs, Rom
1981 Bundesverdienstkreuz
1983 Mülheimer Dramatikerpreis
1988 Theaterpreis Berlin, Josef Kainz-Medaille der Stadt Wien für herausragende Leistungen auf dem Theater
1990 Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum
1992 Georg-Büchner-Preis
1994 Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der BRD
1995 Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien
1998 Walter-Hasenclever-Literaturpreis
2001 Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor
2001 Nestroy-Theaterpreis für das Lebenswerk
2003 Bruno-Kreisky-Preis
2003 Jeanette Schocken Preis
2006 Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
2006 Der Faust-Theaterpreis für sein Lebenswerk

 
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