Ernst Lubitsch

Ernst Lubitsch (* 28. Januar 1892 in Berlin; † 30. November 1947 in Los Angeles, Kalifornien, USA) war ein deutscher Filmregisseur und Schauspieler.

Ernst Lubitsch wird 1892 als Sohn des jüdischen Damenschneiders Ssimcha (Simon) Lubitsch in Berlin geboren. Nach einer Lehre als Stoffhändler wird er Schüler von Max Reinhardt, dem damaligen Intendanten des Deutschen Theaters. Erste Auftritte an Kabaretten und Kleinkunstbühnen folgen, bis er 1911 als Schauspieler am Deutschen Theater engagiert wird.

Seine erste nachweisbare Filmrolle hat Lubitsch bei der Deutschen Bioscop GmbH in dem Film Die ideale Gattin, wo er für kurze Zeit unter Vertrag genommen wird. Später führt Lubitsch selber Regie und tritt gelegentlich noch als Schauspieler auf. Nachdem er zunächst vor allem Slapstick-Filme dreht, wechselte er ab 1919 zunehmend die Genres und inszeniert abwechselnd historische Kostümfilme und Komödien, vorzugweise mit Ossi Oswalda sowie Emil Jannings und/oder Pola Negri in den Hauptrollen. Zu Lubitschs Filmteam gehören regelmäßig der Drehbuchautor Hanns Kräly, der Kameramann Theodor Sparkuhl und der Szenenbildner Kurt Richter.

 

Nach dem internationalen Erfolg der Historienfilme Anna Boleyn und Das Weib des Pharao wechseln nacheinander Negri, Jannings und Lubitsch nach Hollywood. Lubitsch wird zunächst von Mary Pickford als Regisseur für ihren nächsten Film engagiert, mit dem sie den Versuch unternimmt, ihr bisheriges Repertoire von Kleine-Mädchen-Rollen hin zu mehr fraulichen Darstellungen zu erweitern. Bereits im Vorfeld kommt es zu teilweise heftigen Spannungen, nachdem Pickford den ursprünglichen Plan, Faust zu verfilmen, auf Anraten ihrer Mutter fallen lässt. Im Gegenzug weigert sich Lubitsch, das Kostümdrama Dorothy Vernon of Haddon Hall als Stoff zu akzeptieren. Stattdessen einigen sich die Parteien auf Rosita, der aus Pickford eine Mandolinenspielerin in Spanien zu machen versucht. Obwohl der Film bei Kritik und Publikum gut ankommt, lässt Pickford die Option für einen weiteren Film fallen.

Lubitsch erhält daraufhin einen Vertrag bei Warner Brothers, für die er drei Jahre arbeitet, um danach zu Paramount zu wechseln. Die Filme der Zeit sind meist elegant in Szene gesetzte Romanzen und Salonkomödien (Lady Windemere's Fan, Kiss Me Again). Doch dreht Lubitsch auch Historienfilme wie Forbidden Paradise, der ihn wieder mit Pola Negri zusammenbringt, und Monumentalstreifen wie The Patriot, der letzte große Erfolg von Emil Jannings in den USA. Unter dem Motto Goodbye Slapstick - Hello Nonchalance! wirbt das Studio für Lubitsch-Komödien und bald nehmen auch die Kritiker den berühmten Lubitsch Touch wahr. Dieser Touch, sozusagen das Markenzeichen seiner mitunter frivolen Gesellschaftskomödien, besteht darin, nicht alle Details der Handlung zu zeigen, sondern es dem Zuschauer zu überlassen, die Handlung zu vervollständigen. Im damals noch sehr sittenstrengen Amerika mit seinen scharfen Zensurbestimmungen vermag Lubitsch auf diese Art durchaus gewagte Situationen und Doppeldeutigkeiten in die Handlung zu integrieren, ohne dabei ins Schlüpfrige oder Vulgäre abzurutschen. Die amerikanischen Kritiker bezeichnen diese Mischung gerne als naughty, but nice.

Sein Prestige steigt rasch, und 1927 bereits vertraut ihm Irving Thalberg seine Ehefrau Norma Shearer in der opulenten Verfilmung der Operette The Student Prince of Old Heidelberg an. Mit Camilla Horn und John Barrymore verfilmt Lubitsch zwei Jahre später die romantische Abenteuerromanze Eternal Love. 1929 wird Lubitsch der bekannteste Regisseur in Hollywood, als er mit dem Musical The Love Parade nicht nur aus Maurice Chevalier einen Star macht, sondern auch die Innovation des Tonfilms in optimaler Weise zu nutzen versteht. Der Streifen Monte Carlo aus dem Folgejahr enthält viele technische Neuerungen, die den Umgang mit der Tontechnik dauerhaft verbessern. Dank des Erfolgs von The Smiling Lieutnant werden 1931 Musicals langsam wieder en vogue, nachdem ein Überangebot den Geschmack des Publikums zu Ungunsten dieses Genres beeinflusst hatte.

Ausflüge in das dramatische Fach werden vom Kritik und Publikum nicht akzeptiert und der Misserfolg des Kriegsdramas The Man I Killed/Broken Lullabye, das 1932 Nancy Carroll und Phillips Holmes in den Hauptrollen zeigt, überzeugt den Regisseur, künftig nur noch Komödien zu drehen. In der Folgezeit dreht er mit Trouble in Paradise und der Ménage-à-trois Design For Living zwei seiner stilbildenden Werke, die besonders Billy Wilder tief beeindruckten. Wilder schreibt später verschiedene Drehbücher für Lubitsch.

1934 wird Lubitsch auf persönlichen Wunsch von Louis B. Mayer und Irving Thalberg von der MGM ausgeliehen, um die opulente Neuverfilmung der Operette Die Lustige Witwe mit Maurice Chevalier und dessen langjähriger Partnerin Jeanette MacDonald zu übernehmen. MacDonald bekommt die Rolle allerdings erst, nachdem Grace Moore sich nicht mit Chevalier über die Reihenfolge der Namensnennung über dem Titel einigen konnte. Lubitsch versucht zweimal, Marlene Dietrich, deren Karriere seit Mitte des Jahrzehnts stagnierte, zurück in die Gunst des Publikums zu bringen. Ist die Komödie Desire, deren Produktion Lubitsch eng überwacht, 1936 noch leidlich erfolgreich, überzeugt der Reinfall von Angel aus dem Folgejahr die Verantwortlichen bei Paramount, Marlene Dietrich aus ihrem Vertrag zu entlassen.

Nachdem Lubitsch 1936 kurzfristig Produktionschef der Paramount geworden ist, wechselt er 1938 zu MGM, um dort mit Greta Garbo den Film Ninotchka zu drehen. Garbo wollte Lubitsch bereits für die Regie von Königin Christine im Jahr 1933 haben, doch zerschlugen sich die Pläne damals. Das Studio wirbt mit dem eingängigen Slogan Garbo lacht und der Film spielt über $ 1 Mio. in den USA ein. Garbo wird für den Oscar nominiert und ein Kritiker meinte lapidar über die Erfolgschancen des Streifens in Rußland: Stalin won't like it.

Nach dem wenig erfolgreichen Film The Shop Around The Corner sowie der Merle-Oberon-Komödie That Uncertain Feeling dreht Lubitsch 1942 seinen heute noch bekanntesten Film, die Nazi-Parodie Sein oder Nichtsein nach dem Text Noch ist Polen nicht verloren von Melchior Lengyel. Die Hauptdarstellerin Carole Lombard stirbt kurz vor der Uraufführung und in der New York Times steht zu lesen: As it is, one has the strange feeling that Mr. Lubitsch is a Nero, fiddling while Rome burns.

1946 erlitt Lubitsch einen Herzinfarkt, von dem er sich nie mehr vollständig erholte. Im Jahr 1947 erhält er einen Oscar für seine innovative Regie. Seine letztenen beiden Filme - A Royal Scandal und That Lady in Ermine - kann er nicht mehr selbst fertigstellen, er wurde von Otto Preminger vollendet. Am 30. November 1947 stirbt Ernst Lubitsch in Hollywood an einem weiteren Herzinfarkt.

Nach ihm ist der Ernst-Lubitsch-Preis benannt.

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