Baruch Spinoza

Baruch de Spinoza, hebräisch ברוך שפינוזה, portugiesisch Bento de Espinosa, latinisiert: Benedictus de Spinoza (* 24. November 1632 in Amsterdam; † 21. Februar 1677 in Den Haag) war ein niederländischer Philosoph mit sephardischen (iberisch-jüdischen) Vorfahren. Er wird dem Rationalismus zugeordnet und gilt als einer der Begründer der modernen Bibelkritik.


Herkunft und Jugend


Am 24. November 1632 wurde Spinoza als „Bento de Espinosa”, in der jüdischen Gemeinde als „Baruch” geführt, in einem Haus auf dem (Zwanen-) Burgwal, auch Houtgracht genannt, im Amsterdamer Judenviertel geboren. Er war der zweite Sohn von Michael und Hana Debora de Spinoza. Die Familie stammte von Juden (Marranen) ab, die aus Portugal eingewandert waren.

Über seine Jugend ist zuverlässig nur bekannt, dass er im Alter von vier bis fünf Jahren mit dem Vater, seinem älteren Bruder Isaak und seinem jüngeren Bruder Gabriel in das Mitgliederverzeichnis der Stiftung Ets Haim eingeschrieben wurde, die zur Vergabe von Stipendien an die Schüler der Schule Talmud Tora im selben Jahr gegründet wurde. In dieser Schule wurden die meisten männlichen Gemeinde-Mitglieder in vier ca. jeweils ein Jahr dauernden Klassen in die religiöse Kultur der Gemeinde eingewiesen, bevor einige die Klassen 5-7 durchliefen, um zu Gemeindevorstehern, vor allem aber zu Rabbinern ausgebildet zu werden.


Da Bento-Baruch in einer Mitgliederliste der Klassen 5-7 aus dem Jahre 1651 – er war erst 18 oder gerade 19 Jahre alt – nicht vorkommt, hat er diese höheren Klassen wahrscheinlich nicht besucht. In den Gemeindebüchern kommt er erst wieder nach dem Tode seines Vaters (März 1654) vor, und zwar in dem Opferbuch, dem zufolge er im Monat nach des Vaters Tod und als dessen Nachfolger (ältester noch lebender Sohn) mehrere Zahlungen leistete. Bento-Baruch betrieb als Nachfolger seines Vaters dessen Handelsunternehmen. Es ist nicht sicher, ob er – der als sehr talentiert angesehen wurde – seine Studien abbrechen musste, weil er im väterlichen Unternehmen helfen musste, oder wegen seines Widerspruchsgeistes.

Als Bento-Baruch im Frühjahr des folgenden Jahres - zu diesem Zeitpunkt zahlte er nur noch ein sehr geringes Opfergeld und wurde zu der auf Vermögensgrundlage erhobenen Abgabe gar nicht mehr herangezogen - die Verschuldung des vom Vater übernommenen Geschäfts erkannte, ließ er sich, jetzt 23-jährig und damit nach geltendem Recht noch minderjährig, als Vollwaise einen Vormund bestellen, der für ihn die nachträgliche Nichtannahme der Erbschaft geltend machte, obwohl Bento-Baruch bereits einige Gläubiger seines Vaters befriedigt hatte. Mit dieser Handlung vor einem niederländischen Gericht entledigte er sich aller finanziellen Verbindlichkeiten gegenüber nahen und fernen Geschäftspartnern seines Vaters. Das Unternehmen wurde unter gleichbleibender Firma bis 1664 fortgeführt. In diesem Jahr bevollmächtigte der Alleininhaber, sein Bruder Gabriel, vor der Auswanderung nach Barbados zwei andere Kaufleute zur Wahrnehmung der Firmengeschäfte. Gabriel wanderte nach Jamaica aus, wohin alte Geschäftsbeziehungen bestanden.

Tod


Spinoza-Denkmal nahe seines Hauses in der Paviljoensgracht in Den Haag.

Spinoza starb plötzlich am 21. Februar 1677 in seiner Mietwohnung an der Paviljoensgracht in Den Haag, nachdem vermutlich der Arzt G. H. Schuller an sein Krankenlager gekommen war. Die Umstände seines Todes sind nicht näher bekannt, vielleicht aber war seine lebenslange Lungenschwindsucht – wohl negativ beeinflusst durch die Arbeitsbedingungen als Glasschleifer – die Ursache. Am 25. Februar wurde er begraben, der Nachlass einschließlich seiner Bibliothek wurde inventarisiert und, nachdem Schwester Rebecca und ihr Stiefsohn Daniel de Casseres ihre Erbansprüche und sein Vermieter ausstehende Zahlungen geltend gemacht hatten, versteigert. Spinozas Tractatus politicus blieb unvollendet.

Freunde – darunter Ludwig Meyer – bereiteten seine nachgelassenen Manuskripte zur Veröffentlichung vor. Die erfolgte noch im Todesjahr 1677 unter dem Titel B. D. S. Opera Posthuma; sie enthielten die Ethik, den Tractatus politicus, den Tractatus de Intellectus Emendatione sowie Briefe und seine gleichfalls unvollendete Hebräische Grammatik.

Nachwirkung


Die Philosophie Spinozas, die anfänglich nur in Holland einen kleinen Kreis von Anhängern besaß (de Vries, Meyer u. a.), fand ein Jahrhundert später bei Denkern ersten Ranges wie Lessing, Herder oder Goethe Bewunderung. Zwischen Moses Mendelssohn und Jacobi kam es darüber zum berühmten Pantheismusstreit. Fichte, Schelling sowie Hegel griffen seine Ideen auf. Ludwig Feuerbach pries Spinoza als den „Moses der modernen Freigeister und Freidenker“. Auch Dichter wie William Wordsworth, Samuel Taylor Coleridge und Percy Shelley ließen sich von Spinoza inspirieren.

Der Aufklärer Pierre Bayle (1647-1706) bezeichnete Spinozas Philosophie als die „monströseste und absurdeste“ Hypothese, die man sich vorstellen könne. 1744 erschien als eine erste gründliche Kritik B. v. S. Sittenlehre, widerleget von dem berühmten Weltweisen unserer Zeit Herrn Christian Wolf. David Hume nannte Spinozas Philosophie als eine unmoralische („hideous“) Theorie. Der Kulturhistoriker Egon Friedell sprach von Spinozas „alles zerfressender … pathologischer Logik.“ Die Theorie von einem unpersönlichen Gott, der sich selbst liebt und nicht um die Welt kümmert, von einer sich selbst verursachenden Natur, die jede Willensfreiheit ausschließt, erschien diesen Autoren als das Resultat eines „selbstherrlichen Rationalismus“.

Carl Schmitt (1888-1985) hasste Spinoza, weil er ihn für verantwortlich hielt für „die dreisteste Beleidigung, die jemals Gott und dem Menschen zugefügt worden ist und die alle Flüche der Synagoge rechtfertigt ...“, nämlich das „‚sive‘ der Formel Deus sive natura“, die Gleichsetzung von Gott und Natur. Spinoza verstieß, indem er Gott naturalisierte, gegen die übergroße Macht einer Autorität, den strengen, göttlichen Vater.

Prägnant die Einschätzung von Slavoj Žižek: Für Spinoza gibt es kein Hobbessches „Selbst”, das der Wirklichkeit entzogen wäre und ihr gegenüberstünde. Spinozas Ontologie ist die Ontologie vollkommener Immanenz in der Welt - d.h. ich „bin” nichts als das Netzwerk meiner Beziehungen zur Welt und in ihm vollkommen „entäußert”. Mein conatus, mein Streben, mich selbst zu behaupten, ist somit keine Selbstbehauptung auf Kosten der Welt, sondern mein uneingeschränktes Akzeptieren der Tatsache, dass ich Teil der Welt bin, mein Zur-Geltung-Bringen der umfassenderen Wirklichkeit, in der allein ich gedeihen kann. Der Gegensatz von Egoismus und Altruismus ist damit überwunden: Ganz bin ich nicht als isoliertes Selbst, sondern in der gedeihlichen Wirklichkeit, deren Teil ich bin.

 

Dieser Artikel basiert auf den Inhalten der Wikipedia und steht daher unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . Seine Autoren sind dem Artikel Baruch Spinoza vom 10.03.2008 zu entnehmen.

 
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