Antijudaismus im Neuen Testament

Ob es Antijudaismus im Neuen Testament gibt, ist eine offene Frage der heutigen historischen Exegese des Neuen Testaments (abgekürzt NT). Unter Antijudaismus wird dabei jene systematische christliche Judenfeindlichkeit verstanden, die die Christentumsgeschichte von der Spätantike bis ins 20. Jahrhundert hinein begleitet hat. Dabei berief sich die traditionelle christliche Exegese oft auf Texte des NT, die eine Ablehnung und „Verwerfung" des gesamten erwählten Gottesvolkes Israel nahezulegen scheinen. Damit rechtfertigten Kirchen, christliche Regierungen und Bevölkerungsmehrheiten häufig Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Minderheiten in der Geschichte Europas. Ein Teil der dadurch zustande gekommenen antijudaistischen Vorurteile und Klischees bereitete den Antisemitismus bis 1945 vor und wirkte mit diesem zusammen bis hin zum Holocaust an den europäischen Juden.

Seit etwa 1900, verstärkt seit 1945 im Kontext des Dialogs zwischen Judentum und Christentum wird die Rolle von NT-Texten bei der Entstehung dieses Antijudaismus kritisch hinterfragt.
 
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